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Jüchen: Sternsinger werden immer weniger

Jüchen : Sternsinger werden immer weniger

Kaspar, Melchior und Balthasar sind am Wochenende in der Gemeinde unterwegs: In Jüchen hat es die katholische Kirche immer schwerer, ausreichend Kinder für die Sternsinger-Aktion zu finden. Das macht sich vor allem im sinkenden Spenden-Aufkommen bemerkbar.

Es wird früher Morgen sein, wenn die Heiligen Drei Könige zum ersten Mal ihre Kostüme anprobieren. Kronen auf den Kopf, Balthasar wird geschminkt, es gibt einen Stern in die Hand. Auf geht's zur Sammlung. Und am Mittag kocht der Regionaldekan Ulrich Clancett persönlich Nudeln für die Kinder und Jugendlichen. So funktioniert das in Jüchen, wenn die Sternsinger sich auf den Weg machen, den Segenswunsch zu verbreiten (20*C+M+B*12) und unter dem Leitwort "Klopft an Türen, pocht auf Rechte" Spenden unter anderem für das Beispielland Nicaragua zu sammeln.

20 bis 25 Kinder werden es in Jüchen sein, schätzt Pfarrer Clancett. Aber es gab Zeiten, da brauchte er wesentlich mehr Nudeln, um auch alle Spendensammler satt zu kriegen. "Es wird eindeutig schwieriger, Sternsinger zu finden", sagt Clancett. "Die persönliche Ansprache gelingt immer weniger." Und das hat mehrere Gründe.

Einerseits sind viele Familien wegen der Ferien nicht da. Und andererseits gibt es aber auch immer weniger Messdiener und folglich auch weniger Sternsinger. In Jüchen helfen deshalb die Kommunion-Kinder mit aus, um den Segenswunsch so weit wie vermöglich verteilen zu können.

In Hochneukirch und Otzenrath können die Sternsinger zum Beispiel gar nicht mehr flächendeckend gehen. Es sind eben zu wenige. Deshalb mussten sich Gläubige, die den Segen wünschen und spenden wollen, vorher bei der Pfarre anmelden. Die Sternsinger gehen nur noch die angemeldeten Spender ab. In Gierath hat eine Helferin noch ein paar Sternsinger zusammenbekommen. Aber dort hilft am Montag auch der Kindergarten aus. "Die Stammgruppen werden immer weniger", sagt Clancett. "Oder die Aktion verändert eben ihr Gesicht wie in Hochneukirch und Otzenrath."

Dabei treffen die Sternsinger durchaus auf wohlmeinende Spender. Die Bereitschaft zu spenden sei immer noch gut, sagt Clancett. Weil aber weniger Sternsinger unterwegs sind und somit auch weniger Menschen besucht werden können, gehen die Spenden in jedem Jahr ein Stück zurück. 2011 wurden in Jüchen insgesamt 13 630 Euro bei der Aktion gesammelt. "Das ist immer noch eine erkleckliche Summe", meint Clancett. Aber 2009 zum Beispiel waren es noch 17 195 Euro. 2006 kamen 18 100 Euro zusammen und 2005 — im Jahr des Tsunami in Südost-Asien — waren es sogar 24 000 Euro, die die Sternsinger allein in Jüchen sammelten. Nicht alles wird in die Spenden-Büchsen der Sternsinger geworfen. Manche spenden auch später per Überweisung. Den Sternsingern, die durch Jüchens Ortschaften ziehen, ist der Rückgang egal. Sie tun es für eine gute Sache.

(RP)