Schloss Dyck: Ausstellungskurator Martin Wolthaus sprach über 200 Jahre Schloss- und Park-Historie

Vortrag im Haus Katz in Jüchen : Zeitreise durch 200 Jahre Geschichte von Schloss Dyck

Das Schloss Dyck wird oft als Juwel von Jüchen bezeichnet. Jetzt werden dort zwei Jahrestage gefeiert: Der Park in seiner jetzigen Form wird 200 Jahre alt. Die Stiftung Schloss Dyck wurde vor 20 Jahren gegründet.

Martin Wolthaus, der für die Ausstellungen im Schloss verantwortlich ist, nahm jetzt die rund 40 Interessierten in Haus Katz mit auf eine Zeitreise durch zwei Jahrhunderte. Die Reise begann am 6. September 1819, als der schottische Gartenarchitekt Thomas Blaikie große Teile der Flächen überplante, die bis dahin als Baumschulen und Weideflächen genutzt worden waren.

Im Schloss hatte Fürst Joseph das Sagen. Er liebte Pflanzen – und seine Constance, die er in Frankreich kennengelernt hatte. Die Französin unterstützte die Pläne von Blaikie. Sie hatte zunächst Probleme damit, dass Schloss Dyck auf preußischem Boden stand, entschied sich aber zu bleiben. Blaikie hatte bereits in Frankreich Gärten für ihre Familie gestaltet. Auf Joseph folgte Fürst Alfred I. (1811 bis 1888). Er wurde 1865 zum Oberstmarschall ernannt, davon zeugt noch das Wappen an der Torburg. Er richtete das Schloss erstmals auch als Museum aus, zeigte die Waffensammlung und empfing sogar Kaiser Wilhelm I. Nach seinem Tod folgten Familienmitglieder aus Krautheim hatte. Fürst Leopold war meistens nur im Sommer auf Schloss Dyck anzutreffen. Fürst Alfred (1863 bis 1924) war Mitglied des Deutschen Reichstages – er ließ das Schloss von 1897 bis 1899 umbauen und die Zwischenetage entfernen. Er war sehr an Technik interessiert, war Ehrenvorsitzender des rheinisch-westfälischen Automobilclubs - und starb 1924 ausgerechnet durch einen Autounfall.

1939 wurde das Schloss von der Wehrmacht beschlagnahmt. 1950 musste der Grundbesitz aufgeteilt werden, weil laut Gesetz ansonsten jedem Grundbesitzer nur 100 Hektar zugestanden hätten. „Jede der sechs Töchter des Fürsten bekamen ein Scheibchen vom Dycker Kuchen“, sagte Martin Wolthaus. Als Fürst Franz-Josef 1958 starb, folgte Fürstin Cecilie – sie versuchte bis zu ihrem Tod im Jahre 1991, das Schloss auf Rentabilität zu trimmen, um es halten zu können. „Ihr Tod 1991 bedeutete eine heftige Zäsur“, gab Wolthaus zu verstehen. Waffensammlung und Bibliothek wurden versteigert, er kam zur Gründung der Stiftung Schloss Dyck.

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