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Jüchen: Rosis Nähstube ist auch ein Sozialtreff

Jüchen : Rosis Nähstube ist auch ein Sozialtreff

Für Schützenkinder und manchmal auch für Karnevalsgruppen fertigt Rosi Bruchmann gratis die Kostüme an. Die Schneiderin und Designerin partizipiert an vielen Online-Kleiderbestellungen, die sie für den Träger passend macht.

Viel mehr als nur eine Nähstube ist das Schneideratelier von Rosi Bruchmann an der Weyerstraße: "Das ist hier mein Leben", sagt die 73-jährige Witwe über ihr Geschäft, das auch ein Treffpunkt für Groß und Klein ist. Deshalb denke sie auch keinen Tag ans Aufhören, fügt sie hinzu. Die Kinder aus der Nachbarschaft schauen regelmäßig vorbei, natürlich auch, weil Rosi immer einen gut gefüllten Korb mit Süßigkeiten bereitstehen hat. Die älteren Jüchener bekommen eine Tasse Kaffee, einen guten Rat: "Das ist hier oft wie in einer Sprechstunde", gibt die aktive Kommunalpolitikern zu. Vor allem aber ist Rosi Bruchmann für die Kinder da - jetzt im Karneval ebenso wie zu den Schützenfesten - und eigentlich das ganze Jahr über.

Denn bei der gelernten Schneiderin und studierten Modedesignerin sind die Grenzen zwischen Erwerbsleben und Ehrenamt absolut fließend. Seit drei Jahren spenden ihr die Jüchener Schützenkönige und -königinnen immer nach dm Fest immer ihre Uniform beziehungsweise das Ballkleid. Und Rosi Bruchmann schneider daraus Kinderuniformen und Kinderkleider, die sie der katholischen Kita für ihren Schützenumzug schenkt. Die ungezählten und unbezahlten Arbeitstunden für die aufwendige Kinderschützenkleidung verteilt sie über das ganze Jahr.

Unmittelbar vor Karneval kann es durchaus sein, dass sie für einen Verein oder eine Gruppe die Kostüme gratis schneidert. Lediglich das Arbeitsmaterial lässt sie sich stellen oder bezahlen. Besonders gerne schneidert die zweifache Großmutter, die wohl im April Urgroßmutter werden wird, auch Karnevalskostüme für Kinder: "Die kommen mit ihren Ideen zu mir und ich mache dann was daraus", sagt Bruchmann strahlend, die sich auch hin und wieder über einen besonderen Dank der Kinder freut. "Manche malen mir auch Bilder, die hänge ich dann alle in der Nähstube auf", sagt Bruchmann und zeigt das selbst gemalte Bild der kleinen Elisa. Das Mädchen hat eine Achterbahn gemalt, weil sie eines Tages mal so gerne mit Rosi Bruchmann Achterbahn fahre würde. Ob es dazu in diesem Jahr kommt, weiß die Schneiderin und Modedesignerion noch nicht. Auf jeden Fall möchte sie aber wieder mit Kindern eine Bastel-und Handarbeit für einen sozialen Zweck anfertigen, wie es 2016 zuletzt mit einem großen Wandbehang für das Altenheim "Marie Frieden" der Fall war.

Rosi Bruchmann mit Kleiderspenden, aus denen sie Kinderuniformen (l.) und Kinderballkleider fertigt. Foto: Gundhild Tillmanns

Gut zu tun hat Bruchmann aber auch abgesehen von ihren karitativen Näharbeiten. Galt das Schneiderhandwerk bis vor Kurzem noch als ein aussterbender Beruf, so gebe es einen neuen Aufwärtstrend: "Immer mehr Leute bestellen ihre Kleidung online und stellen dann fest, dass sie nicht passt," berichtet Bruchmann. Deshalb habe sie immer mehr Kunden, die sich ihre neuen Sachen zuerst mal passend schneidern ließen. Und Bruchmann stellt auch fest, dass im ländlichen Jüchen nicht nur junge, sondern auch ältere Leute online Kleidung ordern, anschließend aber zu ihr kommen, damit sie alles schön passend umändert.

(NGZ)