1. NRW
  2. Städte
  3. Jüchen

Jüchen: Polo: Gehälter sollen fließen

Jüchen : Polo: Gehälter sollen fließen

Kurz vor Weihnachten sollen die Mitarbeiter bei Polo die erste Tranche aus dem Insolvenzgeld erhalten. Die meisten Anträge für die Überweisungen lägen nun vor, heißt es. Experten vermuten, Polo benötigt einen Investor.

Lange haben die Mitarbeiter bei Polo auf ihre Gehaltszahlungen warten müssen. In den kommenden Tagen soll bei etlichen Angestellten das noch immer ausstehende Gehalt für November eintreffen. Wie die RP aus Kreisen des Unternehmens erfuhr, liegen bei der vorauszahlenden Bank mittlerweile mehr als 600 Abtretungserklärungen von Mitarbeitern vor. Die restlichen sollen noch vor Weihnachten folgen. Die Überweisungen seien unterwegs, bestätigte ein Insider, der mit den Vorgängen in der Unternehmensspitze betraut ist. Man sei guter Hoffnungen, dass das Gehalt noch vor Weihnachten auch bei allen Mitarbeitern auf dem Konto sei.

Bank tritt in Vorleistung

Der Motorradzubehör-Spezialist Polo mit Sitz in Jüchen hatte Anfang Dezember die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens beantragt. Das Unternehmen war in Zahlungsschwierigkeiten geraten, weil Banken die Unterstützung verweigert hatten. Seitdem bemüht sich Insolvenzverwalter Horst Piepenburg darum, das marode Unternehmen zu sanieren.

Am Standort Jüchen beschäftigt Polo rund 230 Mitarbeiter, die restlichen Angestellten arbeiten in 95 Shops deutschlandweit. Die Arbeitnehmer waren von der drohenden Insolvenz überrascht worden und fühlten sich von der Geschäftsführung "betrogen", wie es eine Angestellte nannte. "Wir wurden Ende November mit dem Hinweis auf einen Buchungsfehler vertröstet und um weitere Geduld gebeten, als wir auf das fehlende Gehalt hinwiesen", erklärte ein Mitarbeiter, der anonym bleiben wollte.

Die Angestellten bei Polo haben Anspruch auf Insolvenzgeld. Das wird von der Agentur für Arbeit aber erst gezahlt, wenn das Verfahren tatsächlich eröffnet wurde. Bisher läuft bei Polo das vorläufige Insolvenzverfahren. Mit der Eröffnung des richtigen Verfahrens werde im Februar gerechnet, hieß es. So lange können die Mitarbeiter aber nicht auf das Geld warten. Deshalb finanziert eine Bank die Löhne vor und verlangt dafür von den Mitarbeitern, ihren Anspruch an die Bank abzutreten. Auf diese Weise holt sich das Institut das Insolvenzgeld von der Arbeitsagentur zurück.

Unterdessen vermuten Experten, dass Polo für die Sanierung fremdes Geld braucht. Professor Ferdinand Dudenhöffer, Lehrstuhlinhaber für Automobilwirtschaft an der Uni Duisburg-Essen, erklärt: "Motorrad-Zubehör ist ein Saisongeschäft, das weiß ein Unternehmen. Deshalb liegt es bei einer drohenden Insolvenz in den meisten Fällen nicht an der Saison, sondern dass Fehler gemacht wurden. Dann muss frisches Eigenkapital ins Unternehmen."

(RP)