Jüchen: Polnische Park-Landschaften im Schloss

Jüchen: Polnische Park-Landschaften im Schloss

Eine neue Ausstellung in Schloss Dyck zeigt im Rahmen der Reihe "Gartenfokus" Fotografien von Ferdinand Graf von Luckner. Bis Mitte August sind die stimmungsvollen Aufnahmen von Parks und Gärten in Südpolen zu sehen.

Fröhlich lugt die Frühlingssonne zwischen dem zarten Laub der Bäume hervor, die sich in der Wasserfläche zu ihren Füßen spiegeln. Die Sonne lässt die weißen, lila- und pinkfarbenen Blüten der Rhododendren erstrahlen, die den Waldrand säumen. Und im Morgennebel hat sich ein Rehbock auf eine Lichtung gewagt. Was an eine Beschreibung des Dycker Schlossparks erinnern mag, sind tatsächlich Fotografien von Parks und Gärten aus dem Süden Polens. Aufgenommen hat sie der Fotograf Ferdinand Graf von Luckner (Jahrgang 1959) - und zu sehen sind sie in der Ausstellung "Gartenfokus. Entdeckungen in Südpolen", die gestern in Schloss Dyck eröffnet wurde.

Zum ersten Mal in der Geschichte der Ausstellungsreihe "Gartenfokus" ist eigens ein Fotograf beauftragt worden, die Gärten zu bereisen und für die Ausstellung zu fotografieren. Entstanden sei die Idee dazu, als der Schlesische Park in Kattowitz und der Schlesische Botanische Garten in Mikolow als Partnergärten in das Europäische Gartennetzwerk EGHN aufgenommen wurden, sagte Stiftungsvorstand Jens Spanjer. Er gibt gerne zu, dass es sich bei dem Ausstellungskonzept um ein Experiment gehandelt hat. Und das ist gut gelungen: Denn mit Graf von Luckner haben Jens Spanjer und Kurator Martin Wolthaus einen Fotografen ausgewählt, der nicht nur über ein stilsicheres Einfühlungsvermögen verfügt, sondern auch über ein feines Gespür für die Gartenkunst. Er erzählt in seinen Bildern von der Kulturlandschaft Südpolens, indem den Fokus auf die spezifische Stimmung der Gärten legt und den Blick für die vielschichtigen, teils historischen Anlagen öffnet. Vier Mal habe er die Region bereist und rund 8.000 Kilometer mit dem Auto zurückgelegt, erzählte er anlässlich der Ausstellungseröffnung. Zunächst sei er ohne Kamera durch die Parks spaziert, um ihre Atmosphäre zu erspüren und jene Motive auszumachen, die wichtig seien, um ihren Charakter herauszustellen. Erst dann sei er mit der Kamera aufgebrochen. Das Besondere an seinen Aufnahmen: Menschen sind darauf nicht zu sehen. "Die Vielfalt und Einzigartigkeit der Gärten haben mich überrascht", sagte er rückblickend.

Die Geschichte der südpolnischen Gartenkunst reicht bis in die Zeit des Barocks zurück. Manche Anlagen weisen noch die formalen Strukturen eines Barockgartens auf, andere sind im Stil eines Englischen Landschaftsgartens angelegt oder später so erweitert worden. "Mit vielen Gärten sind auch die Schicksale von Industriellenfamilien und berühmter Adelsgeschlechter wie zum Beispiel der Henckel von Donnersmarck verbunden", machte Martin Wolthaus deutlich.

Heute stehen Schlossgärten, Kurparks sowie städtische Grünanlagen aus der Zeit des Kommunismus neben zeitgenössischem Gartendesign von internationalem Rang: Wie zum Beispiel das Arboretum Woislowitz in Niederschlesien, das die größte Sammlung von Rhododendren und Taglilien in Polen umfasst. Die sehenswerte Ausstellung erzählt davon.

(NGZ)