Jüchen: Peter Giesen prägt Politik in Dorf und Kreis

Jüchen: Peter Giesen prägt Politik in Dorf und Kreis

Peter Giesen wird am Montag 95 Jahre alt. Er war Bürgermeister, Brudermeister sowie Landtags- und Kreistagsabgeordneter.

Als Peter Giesen 1948 als Schulleiter nach Garzweiler kam, war er nicht begeistert, dass es dort nur drei Klassenräume in desolatem Zustand gab. Insgeheim beschloss er, nicht zu lange in Garzweiler zu bleiben. Doch es sollte anders kommen - für Giesen wurden Garzweiler und die sozialverträgliche Umsiedlung seines Wahl-Heimatortes zur Lebensaufgabe und er wurde die prägende Persönlichkeit des Ortes, der Schule und der Schützenbruderschaft. Hilfreich war dabei, dass er seine Fähigkeiten und politischen Kontakte als Bürgermeister, Mitglied im Braunkohlenausschuss, Landtags- sowie Kreistagsabgeordneter sowie als Vorsitzender des Petitionsausschusses für seine "Garzwiller" nutzen konnte.

Peter Giesen (r.) mit Bundeskanzler Konrad Adenauer. Foto: Woi

95 wird Peter Giesen am kommenden Montag. Und wohl keiner hat bislang seine politische Handschrift im Kreis Neuss so deutlich hinterlassen wie er. Giesen lässt sich bis heute keine wichtige politische Diskussion im Radio oder Fernsehen entgehen. Die "drei K" waren immer sehr wichtig für den Jubilar: Kirche, Kirmes und seine drei Kinder, zu denen im Laufe der Jahrzehnte sieben Enkel und bald das zehnte Urenkelkind zählen. Seine Ehefrau Luzi hat ihm immer kompromisslos den Rücken frei gehalten. Beeindruckend war auch immer, wie sich Giesen ins Garzweiler Brauchtum als Brudermeister einbrachte und was er jahrzehntelang für "seine Senioren" veranstaltete. Doch da gibt es noch einen anderen Peter Giesen, der nicht nur in sehr bestimmtem Ton politisch interessante Reden halten konnte. Er plauderte gelegentlich auch amüsante Episoden aus. So gestand er ein, dass ihn der längste Fußmarsch seines Lebens etwa 50 Kilometer weit quer durchs Rothaargebirge zu seiner damaligen Braut Luzi Haefs führte, die er zu Kriegsende während des Einmarsches der Amerikaner in Gefahr glaubte. Solche "Gewaltmärsche" hat es später nie mehr gegeben", gibt er zu. Nicht zu toppen ist Giesens Schilderung der Situation, in der er gemeinsam mit Pfarrer Michael Schmitz wie "Don Camillo und Peppone" auf die tollsten Überraschungseffekte setzte, wenn es besonders in der Zeit der Umsiedlung darum ging, Rheinbraun gegenüber Vorteile für ihr Dorf zu erzielen.

Peter Giesen mit Bundeskanzler Ludwig Erhard. Foto: Reuter

Zwar hatten die beiden mit den Filmdarstellern Gino Cervi und Fernandel nicht die geringste Ähnlichkeit - aber ihre Taten waren genau wie in diesen Filmen für Garzweiler hilfreich und amüsant - etwa beim legendären Spatenstich für die Garzweiler Kirche am neuen Ort, als Giesen den verblüfften Vertretern von Rheinbraun Spaten in die Hand drückte - ohne das Grundstück für das neue Gotteshaus bereits zuvor erworben zu haben.

Peter Giesen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel. Foto: CDU

Insgesamt war klar, dass keine Ehrung an Peter Giesen vorbei gehen würde - angefangen von sämtlichen Bundesverdienstkreuzen bis hin zum "Konrad-Adenauer-Preis" vor 1500 Gästen in der Alten Oper zu Frankfurt. Als ganz besondere Auszeichnung empfand es Peter Giesen schließlich, dass die Garzweiler Mehrzweckhalle laut Beschluss des Rates der Gemeinde Jüchen 2001 in "Peter-Giesen-Halle" benannt wurde - gewissermaßen ein Dankeschön dafür, dass es mit viel Weitsicht und Konsequenz gelang, heute im neuen Ort Garzweiler erfreulich viel Infrastruktur wie das Jugendheim und die Mehrzweckhalle zu haben. Giesen sagt: "Unsere Umsiedlung hatte Vorbildfunktion für alle weiteren Umsiedlungen. Und die Leute in Garzweiler haben anerkannt, dass ich sie von Anfang an bis zum Schluss mitgenommen habe." Giesen wird an seinem Ehrentag nicht in Garzweiler sein.

Peter Giesen mit Bundeskanzler Helmut Kohl. Foto: reuter
(NGZ)