Otzenrather Mundartwörterbuch mit fast 100 Fotografien jetzt im Handel

Geschichtskreis Otzenrath: Das Mundartwörterbuch ist jetzt fertig

Das Otzenrather Mundartwörterbuch ist nicht nur ein sprachgeschichtlicher Schatz, es ist vor allem wegen seiner reichen Bebilderung ein Juwel. Der Geschichtskreis plant jetzt eine Dokumentation über Kapellchen und Wegekreuze.

Vier Jahre lang hat der Geschichtskreis Otzenrath an seinem Wörterbuch der alten Mundart gearbeitet, die in Otzenrath und Spenrath vom Aussterben bedroht ist. Das nun fertiggestellte Mundartwörterbuch ist nicht nur ein sprachgeschichtlicher Schatz, es ist vor allem wegen seiner reichen Bebilderung ein Juwel. Alle der fast 100 Abbildungen auf den insgesamt 152 Wörterbuchseiten stammen von Gert Behr. Der Alt-Otzenrather ist ein passionierter Fotograph, der auch mehrere Preise deutschlandweit gewonnen hat. Die Sammlergegenstände aus dem Hausmuseum von Inge Broska und die Aufnahmen, die Behr noch in Otzenrath vor dem Abriss und der Umsiedlung durch den Tagebau machen konnte, haben ein hohes künstlerisches Niveau.

Fachlich beraten wurde der Geschichtskreis Otzenrath von einer Expertin aus dem Internationalen Mundartarchiv „Ludwig Soumagne“ in Zons. In einer öffentlichen Präsentation wird der Geschichtskreis sein Mundartwörterbuch noch rechtzeitig vor Weihnachten präsentieren und zum Verkauf anbieten. Bei dem Vorstellungsabend in Otzenrath wollen die Mitglieder des Geschichtskreises auch die ein und andere Anekdote natürlich auf Platt erzählen. Denn die eigentlich straffe und zeitintensive Arbeit mit der Begriffssammlung für das Mundartwörterbuch wurde immer wieder auch durch Erzählungen unterbrochen. Ein Beispiel erzählt Konrad Eickels, der bei der Buchpräsention von einer ganz besonderen Verfolgungsfahrt berichten wird, die sich in den 1950er Jahren ereignet hat.

Da benötigte ein Landwirt aus Otzenrath für seine Schweinezucht einen neuen Eber, den er jenseits von Keyenberg und Borschenich abholen sollte. Da er selbst nur einen Traktor besaß, bat er einen befreundeten Metzgermeister um Transporthilfe, die er mit sienem Opel-Kapitän samt Anhänger auch gerne zu leisten versprach. Der Eber wurde erworben und auf den Anhänger gepackt. Was der Landwirt und insbesondere der Eber dann aber zu spüren bekamen, das war der ausgeprägte Gasfuß des Metzgermeisters. Der fuhr ohnehin schon gerne schnell und fühlte sich insbesondere durch einen „Verfolger“ angestachelt. Ein VW-Fahrer war ihm dicht gefolgt durch kurvenreiche Dörfer und weit übers Land. Erst in Otzenrath konnte ihn dann der VW-Fahrer an einer Ampel ansprechen und darauf hinweisen, dass der Eber schon lange zuvor „über Bord gegangen war“. „Und für die Zucht war das gestresste Tier dann nicht mehr zu verwenden“, erzählt Konrad Eickels.

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So dokumentieren Anekdoten, Mundartbegriffe und die Fotographien eine Zeit, die nicht nur durch die Umsiedlung von Otzenrath und Spenrath unwiederbringlich verloren ist. „Nur noch wenige Nachbarn sprechen Mundart“, stellen Behr und Eickels fest. Ihre Kinder verstehen sie vielleicht noch, die Enkel schon nicht mehr. Doch auf der anderen Seite erleben die Geschichtsfreunde auch manchmal jüngere Menschen, die sich angesichts der nach der Aufgabe der alten Orte, der Neuansiedlung nun anstehenden dritten Kohlephase mit der Rekultivierung und dem Strukturwandel auch wieder für die alten Dörfer und ihre Geschichte interessieren.

Deshalb ist für den Geschichtskreis Otzenrath die Arbeit nach der Fertigstellung des Mundartwörterbuches auch noch nicht getan. „Wir haben noch einiges vor“, kündigen Behr und Eickels an. Denn es gelte noch, die Geschichte der Kapellchen und der Wegekreuze aus Alt-Otzenrath und -Spenrath zu dokumentieren. „Ich habe noch Tausende von Fotos“, verrät Gert Behr über das neue Projekt.

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