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Nur eine Handvoll von "Gelbwesten" demonstriert in Jüchens französischer Partnerstadt Leers

Partnerschaft zwischen Jüchen und Leers : Städtepartner wollen sich besser verständigen

Ein Französischkursus des Partnerschaftskomitees Jüchen ist überfüllt. Eine solche Initiative wünschen sich auch die Partner in Leers.

m bald 40. Jahr der Städtepartnerschaft zwischen Jüchen und Leers soll sich jetzt das rein sprachliche Verständnis unter Deutschen und Franzosen noch grundlegend verbessern: Die auf Jüchener Seite ergriffene Initiative zu einem Anfängerkursus in praxisbezogenem Französisch ist auf große Resonanz gestoßen. Der gemeinsame Kursus von der Volkshochschule Grevenbroich, dem Seniorennetzwerk 55plus Jüchen und dem Partnerschaftskomitee Jüchen ist nicht nur ausgebucht. Es gibt sogar eine Warteliste.

Eine solche Initiative wünschen sich auch Jean-Marc Deleval, der Präsident des Partnerschaftskomitees in Leers, und der Bürgermeister der nordfranzösischen Partnerstadt, Jean-Philippe Andriès. Es habe in der Vergangenheit auch bereits einen Anlauf zu einem Sprachkursus gegeben, der aber genauso wie zuvor in Jüchen wieder im Sande verlaufen sei, bedauert Deleval. „Was uns fehlt, ist der geeignete Lehrer. Es soll schließlich ein seriöses Angebot sein. Und es hat keinen Zweck, wenn wir irgendeinen nehmen, der uns womöglich ein schlechtes und falsches Deutsch beibringt“, sagt Deleval.

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Bürgermeister und Partnerschaftspräsident wünschen sich aber gleichermaßen eine weitere Belebung der „Jumelage“ mit Jüchen, wie Delevale und Andriès im Gespräch mit der NGZ betonten. Auf Seiten der Jugend funktioniere der durch die Schulen getragene Austausch sehr gut: „Die jungen Leute lernen die Sprachen. Und auch bei uns wird wieder Deutsch als erste Fremdsprache gewählt“, beobachtet der Bürgermeister von Leers. Nur bei den Erwachsenen müsse der Austausch bislang immer mühsam mit Hilfe von Übersetzern ablaufen. Dennoch sehen Deleval und Andriès im Austausch mit Jüchen eine bessere Zukunft als in den mittlerweile eingeschlafenen Begegnungen mit der ostdeutschen Stadt Rebesgrün: „Es ist einfach zu weit. Nach Rebesgrün braucht man mit dem Bus elf bis zwölf Stunden, nach Jüchen sechs bis sieben“, rechnet Deleval vor.

Andríès und Deleval waren eigens nach Jüchen gekommen, um an dem Festakt zur Stadtwerdung teilzunehmen. Dabei kennen sie in Frankreich keine Unterscheidung zwischen Stadt und Gemeinde. Das immerhin nur 9620 Einwohner zählende Leers (Stand 2015) ist eine Stadt. Jüchen hingegen musste nachweisen, dass es an drei Stichtagen hintereinander mehr als 20.000 Einwohner hatte, um die Bedingungen zu erfüllen, zur Stadt zu werden. Der Bürgermeister von Leers wünscht der Stadt Jüchen, „dass sie sich weiter so gut entwickelt und ihre neu erlangte Selbstständigkeit zu nutzen versteht“, wie Andriès sagt.

Denn in Leers sei es genau andersherum: „Jüchen hat mehr Aufgaben und mehr Befugnisse als Stadt bekommen, in Leers wird es weniger“, verdeutlicht Deleval. Das liege an der französischen Struktur der Zentralisierung. So dürfe Leers zwar noch die Straßennamen selbst bestimmen, aber sonstige Entscheidungen über das Straßenwesen lediglich vorbereiten. Die Hände gebunden sei Leers bislang auch in der Entwicklung von Wohngebieten, was sich aber durch neue Verordnungen in Kürze ändern werde, sagt Andriès, der seit zweieinhalb Jahren Bürgermeister der Partnerstadt ist.

Und anders als seine 600 Amtskollegen in der Nomandie ist der 58-Jährige noch nicht vom französischen Staatspräsidenten Emmanuel Macron zum Bürgermeister-Dialog eingeladen worden, obwohl es auch in Leers die „Gelbwesten“-(gilets jaunes)-Proteste gegen die Regierung gibt. Aber nur eine Handvoll „gelber Westen“ versammele sich immer samstags an einem Ort außerhalb der Stadt zu einer völlig ungefährlichen Kleinkundgebung: „Die machen ein Feuer, um das sie herumstehen. Die reden über Politik. Sie sind aber keine bösen oder schlechten Menschen“, sagt Deleval über die Gelbwestenbewegung in der Partnerstadt.