1. NRW
  2. Städte
  3. Jüchen

Jüchen: Neue Mess-Stationen für Jüchen

Jüchen : Neue Mess-Stationen für Jüchen

Die Auswirkungen des Tagebaus sind ungewiss. RWE schließt eine Gesundheitsgefährdung aus, die Gemeinde will sich lieber auf eigene Zahlen verlassen. Bürgermeister Harald Zillikens setzt sich für neue Mess-Stationen ein. Die sollen auch Aufschluss über mögliche Radioaktivität geben.

Zuletzt hatte im Jahre 2006 eine Mess-Station Aufschluss über die Umweltbelastung in Jüchen durch den Tagebau Garzweiler gegeben. Ergebnis: Die Feinstaub-Werte lagen im akzeptablen Bereich.

Um jedoch mehr Sicherheit über die Datenlage zu haben, hat sich Bürgermeister Harald Zillikens im Planungs- und Umweltausschuss nun dafür ausgesprochen, künftig weitere Stationen an verschiedenen Stellen errichten zu lassen. "Dieses Anliegen habe ich der Landesregierung im Braunkohle-Ausschuss bereits vorgestellt", sagte Zillikens. Die Landesregierung stehe dem Vorschlag positiv gegenüber.

Denn die Mess-Ergebnisse von damals, die im Jüchener Gemeindegebiet keine Überschreitungen von kritischen Werten erkannten, wurden bislang nicht aktualisiert. Auch die Frage, ob ein Zusammenhang zwischen dem Tagebau-Feinstaub und Radioaktivität vorliegt, konnte deshalb nie ganz aus dem Weg geräumt werden.

Das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (Lanuv), das auf der bisherigen Datenlage eine besondere Gesundheitsgefährdung ausschließt, war von Zillikens eingeladen worden, zu den Erhebungen vor den Fraktionsmitgliedern im Umweltaussschuss Stellung zu beziehen, sagte jedoch ab. Man wolle sich, so das Lanuv, "seine Neutralität bewahren und daher nicht für politische Gremien zur Verfügung stehen".

Eine Entscheidung, für die die Fraktionsmitglieder kein Verständnis hatten. CDU-Fraktions-Chef Norbert Esser sagte, man sei kein politisches Gremium, sondern das oberste Organ der Gemeinde und erwarte sich von einer Landesbehörde, die man in diesem Fall als Dienstleister engagiert habe, dass sie ihre Ergebnisse auch persönlich vorstelle.

Bundesweit unterhält das Bundesamt für Strahlenschutz ein umfassendes Messnetz aus rund 2000 Sonden, die kontinuierlich die äußere Strahlenbelastung messen. Immer wieder behaupten Umwelschützer, dass durch den Tagebau auch radioaktive Isotope freigesetzt werden. Aktuelle Messwerte für einige Stationen in der Region würden zeigen, dass es momentan keine signifikanten Unterschiede zwischen tagebaunahen und tagebaufernen Stationen gibt.

CDU-Vorsitzender Dr. Christoph Schmitz schenkt diesen Daten Glauben: "Bislang ist Jüchen noch nicht evakuiert worden. Gäbe es eine akute Gesundheitsgefährdung, würde das Landesamt schon reagieren." Dem wollten die anderen Fraktionen nicht zustimmen. Man habe schon oft erlebt, dass man selbst habe aktiv werde müsse, ehe das Landesamt Hilfe angeboten habe, hielt SPD-Fraktionschef Holger Tesmann dagegen.

(RP)