Jüchen: Mit dem Fahrrad auf dem Jakobsweg

Jüchen: Mit dem Fahrrad auf dem Jakobsweg

In Aldenhoven sind sie gestartet, in Santiago de Compostela sind sie nach 23 Tagen und mehr als 2300 Kilometern angekommen: Die Brüder Franz und Heribert Herten haben sich mit der besonderen Radtour einen Traum erfüllt.

Träume hat auf dieser Welt jeder. Sie zu verwirklichen, das schaffen hingegen nur die allerwenigsten. Deswegen ist Franz Herten (64) stolz, dass er sich ein großes Lebensziel endlich erfüllt hat: Gemeinsam mit seinem Bruder Heribert (56) hat sich der Aldenhovener auf dem Fahrrad auf den Jakobsweg nach Santiago de Compostela gemacht. Über 2300 Kilometer legten die Brüder auf der anstrengendsten Radtour ihres Lebens in 23 Tagen zurück.

"Ich habe das schon immer mal vorgehabt", sagt Herten, der sich dann endlich ein Herz fasste: "Als ich in Rente gegangen bin, habe ich mir gesagt: ,Entweder machst du es jetzt, oder du machst es gar nicht mehr'." Und nachdem er auch seinen Bruder Heribert auf dem Schützenfest 2016 von seiner Idee begeistern konnte, ging die Planung los. "Normalerweise mache ich mit meiner Frau und einem befreundeten Pärchen einmal im Jahr eine 14-Tage-Radtour, deswegen war das für mich nichts grundlegend Neues", meint Franz Herten, "aber so eine lange Strecke hatten wir noch nie in Angriff genommen."

So ging die Reise in Aldenhoven mit 18 Kilo Gepäck los - und wurde schon am ersten Tag jäh unterbrochen. "Direkt auf der ersten Etappe hatten wir einen Plattfuß. Und später sind wir beide sogar gestürzt", berichtet Herten. Dass er dabei lachen kann, ist der Tatsache geschuldet, dass die beiden gut vorbereitet waren und dies tatsächlich der einzige Zwischenfall während der mehr als drei Wochen langen Fahrt bleiben sollte.

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Der Weg führte die beiden nach Frankreich, vorbei an den Weltkriegsgräbern von Verdun, der Loire und Bordeaux. Die von Weinbergen umgebene Hafenstadt nahe des Atlantiks bezeichnet er als "eine der schönsten Landschaften, die ich je gesehen habe. Weinberge, Täler und überall grüne Wiesen. Einfach hervorragend." Weiter ging es durch die kräftezehrenden Pyrenäen und die Hitze der nordspanischen Wüste bis zum Ziel, der Kathedrale von Santiago de Compostela. "Wir sind dort im strömenden Regen angekommen. Das war ein unglaubliches Gefühl, es hat überall gekribbelt", sagt Herten, der sich die wohlverdiente Urkunde beim Pilgeramt von Santiago abholen durfte. Genug hatten er und sein Bruder aber noch nicht: "Wir waren zwei Tage schneller als geplant, hatten also noch Zeit bis zum Rückflug. Also sind wir kurzentschlossen noch nach Finisterre gefahren." Der Leuchtturm an der Atlantikküste am "Ende der Welt" markierte für die beiden das symbolische Ende der aufregenden Reise.

Herten blickt glücklich zurück: "Es war anstrengend und auch nicht immer komfortabel. Man übernachtet in sehr einfachen Herbergen, da kann man auch schon mal Pech haben. Einmal haben wir mit 28 Mann in einem Raum geschlafen. Aber alle sind nett zueinander, unter den Pilgern herrscht eine sehr freundliche Atomsphäre. Das ist eine Erfahrung, die ich auf keinen Fall mehr missen will."

Die nächste Tour hat er für diesen Sommer übrigens schon längst gebucht - dieses Mal bleibt er in Deutschland: "Wir fahren von Hamburg aus schön an der Elbe entlang nach Dresden."

(NGZ)
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