Jüchen: Kitazeiten: Eltern sollen zu ihrem Bedarf befragt werden

Jüchen : Kitazeiten: Eltern sollen zu ihrem Bedarf befragt werden

Mütter geben sich mit Zillikens' Erklärung nicht zufrieden. Zwei Beschwerden im Rathaus sagten nichts aus, es gebe mehr Betroffene.

Auf großen Widerstand bei berufstätigen Müttern stoßen jetzt die Äußerungen von Bürgermeister Harald Zillikens über Bedarf und Möglichkeiten von Randzeitenbetreuungen in den örtlichen Kindergärten. Es habe nur zwei Beschwerden im Rathaus von berufstätigen Müttern gegeben, denen die angebotenen Öffnungszeiten der Kitas nicht ausreichten, hatte Zillikens auf Nachfrage im Gemeinderat geäußert. Falls aber bei weiteren Eltern Bedarf bestehe, könne man Minijobber in den Kitas für die Randzeiten morgens und nachmittags auf Kosten der Eltern anstellen. Der Bürgermeister hatte aber auch zu bedenken gegeben, dass eine Unterbringung von 45 Wochenstunden in einer Kita wenig kindgerecht sei.

Diese Argumente haben nun etliche Mütter regelrecht auf die Palme gebracht, die in Kommentaren bei NGZ-Online und auf Facebook auf die Darlegungen von Zillikens reagiert haben. Und regelrecht allein gelassen fühlt sich Charlene Simoneit, die als Neubürgerin in Jüchen zunächst heilfroh war, einen Kitaplatz für ihre Tochter und einige Zeit darauf auch einen Arbeitsplatz für sich in Düsseldorf gefunden zu haben. Doch auf die Anfangseuphorie folgte die Enttäuschung auf dem Fuße: Nun muss sie täglich fürchten, ihre Arbeitsstelle wieder zu verlieren, weil sie bislang nur eine unzureichende Randzeitenbetreuung für zwei Tage in der Woche finden konnte. Für die erst 23-jährige ausgebildete Bankkauffrau steht die Beschäftigung auf der Kippe. Ihr droht die Arbeitslosigkeit, wenn "kein Wunder geschieht" bei ihrer verzweifelten Suche nach einer geeigneten Randzeitenbetreuung.

Eine der berufstätigen Mütter, die Simoneits Probleme kennen und teilen, schreibt jetzt verbittert: "Ich hoffe, bei der nächsten Wahl machen sich die jungen Pendlerfamilien bemerkbar, und Jüchen wird familienfreundlicher." Und es sei ein Gerücht, dass Kita-Erzieherinnen morgens schon mal früher aufmachten, wie Zillikens behauptet habe. Das gehe schon rein versicherungstechnisch nicht, meint die Mutter.

Eine weitere Mutter äußert ihr Unverständnis, dass sich nur zwei Betroffene bei der Gemeindeverwaltung über mangelnde Randzeitenbetreuung beschwert haben sollen. Abgesehen von ihrer eigenen Situation kenne sie etliche Familien in Jüchen mit den gleichen Problemen. Sie regt deshalb eine flächendeckende Bedarfsermittlung durch eine Elternbefragung an. Berufstätige Eltern seien auf Gedeih und Verderb auf das Wohlwollen ihrer Arbeitgeber angewiesen, wenn sie nicht das Glück einer Arbeitstelle hätten, die sich nach den Kindergarzentzeiten richtet und nicht weiter als eine Fahrzeit von 20 Minuten entfernt liege.

Die Mutter verweist im Übrigen auf ein Programm des Bundesfamilienministeriums "Kita plus, frühe Chancen". Das wurde bereits im Januar 2016 aufgelegt und propagiert wörtlich: "Weil gute Betreuung keine Frage der Uhrzeit ist". Mit diesem Programm fördere das Bundesfamilienministerium erweiterte Betreuungszeiten in Kitas, Horten und in der Kindertagespflege, um Eltern eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu ermöglichen, heißt es auf der Internetseite des Ministeriums, wo interessierte Kommunen auch das entsprechende Antragsformular finden können.

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(NGZ)
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