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Jüchen: Kelzenberg singt fröhlich durchs Luther-Jahr

Jüchen : Kelzenberg singt fröhlich durchs Luther-Jahr

Die evangelische Kirchengemeinde Kelzenberg zeigt auch mit Musik und in Bildern, wie zeitgemäß der Reformator immer noch ist.

In der evangelischen Kirchengemeinde Kelzenberg ist vieles etwas anders als in sonstigen Gemeinden: Das fängt mit dem Lieblingsspruch von Pfarrer Bodo Beuscher an, der ausgerechnet von Karl Marx stammt und die Rückwand des Gemeindehauses ziert: "Die Philosophen haben die Welt nur verschieden interpretiert, es kommt aber darauf an, sie zu verändern." Veränderung ist auch das Stichwort zum Luther-Jahr, Reformation, die in die heutige Zeit nachwirkt und Entwicklung in der evangelischen Kirche bringt: So sieht der Pfarrer die theologische Nachfolge Martin Luthers, die in Kelzenberg heute mit einem von zwei offenen Abenden sowie einer Predigtreihe in der Passionszeit gewürdigt wird.

Etwas anders als in sonstigen Kirchengemeinden ist auch die Gottesdienstgestaltung in Kelzenberg: "Zu uns sind sogar schon vorbeikommende Fahrradfahrer gelangt, die unser lautes und lebhaftes Singen aus der Kirche gehört haben", erzählt Beuscher. Denn regelrechte Singblöcke von bis zu acht Minuten gehören in der evangelischen Kirche in Kelzenberg ebenso zum Gotteslob wie das gesprochene Wort. Denn Beuscher weiß: "Der Gesang gehört in die Kirche. Wir singen hier fröhlich, frei und laut. Und es gibt nichts, das lutherischer wäre, als das Singen", kommt er auf das Jubiläumsjahr zurück. Denn Luthers Werk und Wirken bis in die Neuzeit soll in Kelzenberg nicht nur in Predigten und Vorträgen, sondern auch in der Musik und in Bildern nachgespürt werden. "Unsere Beschäftigung mit Martin Luther wird aber kein historisches Seminar. Wir wollen aufzeigen, wie viel 2017 schon im Jahr 1517 steckte ", betont der Pfarrer, der gemeinsam mit seiner Ehefrau Gabi Beuscher bereits seit 1983 die Kelzenberger Gemeinde betreut.

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Besonders und anders ist die evangelische Kirchengemeinde Kelzenberg auch von ihrer "grenzübergreifenden" Struktur her: Die Gemeindeglieder kommen keineswegs nur aus dem Dörfchen Kelzenberg, sondern aus Liedberg, Steinhausen, Steinforth, eben aus dem alten Fürstenbereich, der zu Haus Horst gehörte. Auch Teile von Grevenbroich, Neuss oder Mönchengladbach gehören dazu. "Zu uns kommen jeden Sonntag durchschnittlich 200 bis 210 Leute in den Gottesdienst, die Hälfte davon gehört aber nicht offiziell zu unserer Gemeinde," sagt Beuscher.

In Zeiten, in denen auch in der evangelischen Kirche jetzt über Fusionen von Gemeinden nachgedacht werde und normalerweise Pfarrstellen erst ab 2500 Gemeindegliedern bewilligt würden, sei Kelzenberg mit seinen 1900 gemeldeten Mitgliedern eine absolute Ausnahme: "Ich hoffe, dass unser junges Presbyterium es schafft, auch wenn meine Frau und ich in ein paar Jahren pensioniert werden, die Gemeinde Kelzenberg weiter zu erhalten", wünscht sich der 62-Jährige. Und schließlich finanziere sich die Kelzenberger Kirchengemeinde mit einem großen Anteil selbst durch Spenden und Sonnstagskollekten.

Das Besondere an Kelzenberg ist sicherlich auch die Art, wie Bodo und Gabi Beuscher durchaus missionarisch zum Beispiel mit Glaubenskursen auf die Menschen zugehen: "Wir fordern die Leute dazu heraus, den christlichen Glauben als das große Geschenk ihres Lebens zu entdecken", sagt der Pfarrer und fügt hinzu: "Wir möchten den Menschen vermitteln, wie schön es ist, Christ zu sein." Und das habe auch viel mit einer Persönlichkeitsentwicklung zu tun, mit Offenheit und Engagement, einem Leben des Glaubens nach innen und nach außen, spricht Beuscher auch die umfangereiche Flüchtlingshilfe an, die die Kelzenberger Christen leisten. "Wir müssen Martin Luther nicht ausgraben", macht Beuscher zum Jubiläumsjahr deutlich. Er sei der Meinung, dass Luthers Reformationsgedanken und -wirken "ein Geschenk des Heiligen Geistes waren".

(NGZ)