Jüchen: Jungs aus Spenrath schreiben der Kanzlerin

Jüchen: Jungs aus Spenrath schreiben der Kanzlerin

Lennart und Bennet Gerresheim haben Angela Merkel einen Brief mit Fragen gestellt - und erhielten Antwort aus dem Bundeskanzleramt.

"Wir haben da mal einige Fragen" - mit diesen Worten begannen Lennart (11) und Bennet Gerresheim (8) einen zweiseitigen Brief, den sie kurzerhand an die Kanzlerin persönlich adressierten. Warum gibt es immer noch Atomkraftwerke? Warum wird so viel Regenwald abgeholzt? Und warum wird viel Geld ausgegeben für neue Autobahnen und Banken-Rettungen anstatt für Schulen in Afrika? Sachlich und respektvoll schrieben die beiden Jungen aus Spenrath den Brief, den sie mit zwei Fotos von sich versahen - schließlich sollte die Regierungschefin sehen, mit wem sie es zu tun hat. Jetzt bekamen die beiden Post aus dem Bundeskanzleramt. "Ich hatte eigentlich nicht mehr mit einer Antwort gerechnet", erzählt Lennart, Bennet hingegen schon: "Frau Merkel ist ja nett. Ich wusste, dass sie antworten würde."

Streng genommen war es gar nicht "Frau Merkel", die den Spenrathern schrieb, aber ein Mitarbeiter des Bundeskanzleramtes, der sich den Auftrag der Chefin, den Jungen zu antworten, zu Herzen nahm: Drei Seiten lang ist der Brief, dem zwei Autogramme der Kanzlerin und eine Weltkarte beiliegen. "Die Bundeskanzlerin findet es gut, dass sich auch die jungen Staatsbürger zu Wort melden", heißt es in dem Schreiben, in dem der Kanzleramts-Mitarbeiter auf alle Fragen eingeht. Ob sie die Antworten verstanden haben? "Einigermaßen", sagt Lennart und schmunzelt. Doch für die beiden zählt viel mehr, dass ihr Brief tatsächlich ernsthaft in Berlin bearbeitet wurde.

Die Eltern der Jungen, Dagmar und Harald Gerresheim, haben sich gezielt zurückgehalten. "Wir haben sie nicht instrumentalisiert und ihnen auch nicht bei den Formulierungen geholfen, wohl aber bei der Rechtschreibung", erzählt Mutter Dagmar. Ihr Mann ergänzt: "Wir sind erstaunt, wie ernsthaft Lennart und Bennet sich der Sache angenommen haben." Das Interesse der Jungen an Politik kommt nicht von ungefähr: Die beiden diskutieren viel mit ihren Eltern, haben eigene Meinungen. Das dürfte auch an der Nähe zum Tagebau Garzweiler liegen. "Braunkohle mag ich nicht besonders, weil sie den Hof von Oma und Opa kaputt gemacht hat", erzählt Bennet und spricht damit die Umsiedlung seiner Großeltern an, die in Alt-Holz wohnten. Sein Bruder Lennart interessiert sich in dem Zusammenhang vor allem für die vielen Bäume, die den Tagebauen zum Opfer fallen - Stichwort "Hambacher Forst" -, außerdem fragte er die Kanzlerin, warum so viel Regenwald abgeholzt wird.

Die Antwort: "Bezüglich des Hambacher Forstes handelt es sich um energiewirtschaftliche Gründe, damit Braunkohle abgebaut werden kann. Es greift allerdings zu kurz, nur den Baumbestand ,vor der Haustüre' zu betrachten. Deutschlandweit wächst nämlich insgesamt mehr Holz nach als eingeschlagen wird, so dass unter dem Strich die Menge der Bäume zunimmt." In Sachen Regenwald könne die Regierungschefin nicht die innenpolitischen Angelegenheiten anderer Länder bestimmen.

Und die Brüder? Die zeigten den Brief an ihren Schulen. "Es hat uns niemand geglaubt, dass wir wirklich eine Antwort erhalten haben."

(cka)