Jüchenerin hilft Kranken in Sierra Leone

Ehrenamtlich aktiv für andere Menschen : Jüchenerin hilft Kranken in Sierra Leone

Etwa einen Monat lang war Maureen Maßen (24) mit einem Chirurgenteam des Vereins Interplast in dem westafrikanischen Land.

Mit Fotos und vielen Eindrücken ist Maureen Maßen aus Afrika zurückgekehrt. „Am liebsten würde ich morgen wieder dorthin fahren“, sagt die 24-Jährige. Dabei war die Bedburdyckerin nicht etwa in Urlaub in Sierra Leone. Mit einem Chirurgen-Team des gemeinnützigen Vereins Interplast hat die ausgebildete operationstechnische Assistentin mehrere Wochen in dem armen westafrikanischen Land 64 kranken und verletzten Menschen geholfen. Sie stand viele Tage mit Unterbrechungen von 7 Uhr bis abends am Operationstisch – bei hoher Luftfeuchtigkeit und 35 Grad Hitze, wenn die Klimaanlage mal wieder nicht funktionierte.

„Kollegen in Aachen waren im Auslandseinsatz. das fand ich absolut spannend“, schildert Maureen Maßen, die zurzeit ein Bachelor-Studium für Physician-Assistance in Düsseldorf absolviert und Chirurgin werden möchte. Mit der Organisation Interplast, die weltweit aktiv ist,  flog sie im Rahmen eines ehrenamtlich tätigen, zehnköpfigen Chirurgenteams nach Sierra Leone, in eines der ärmsten Länder der Welt. Die Aufgabe: Menschen helfen, die sonst unbehandelt bleiben würden, weil die medizinische Versorgung oder das Geld dafür fehlt.

Maureen Maßen in einer Pause während eines Operationstages. Foto: M. Maßen

Ihr erster Auslandseinsatz führte Maureen Maaßen nach Kenema, eine 200.000-Einwohner-Stadt westlich der Hauptstadt Freetown. Für rund 600.000 Menschen in der Region existiere nur ein Krankenhaus mit 350 Betten. „Es gibt wenige ausgebildete Ärzte, fast keine Fachärzte.“ Die Mediziner im Krankenhaus würden sich viel um Geburten kümmern, „eine Abteilung für Unfall- und chirurgische Chirurgie dagegen fehlt dort“. Offene Brüche würden oft nicht behandelt. Ein weiteres Problem: Es gebe viele Menschen, insbesondere Kinder, mit Verbrennungen. Viele Betroffene könnten deshalb ihre Hände nicht benutzen. Ein Grund für die Verbrennungen seien die vielen offenen Feuerstellen, auf denen gekocht werde.

Bis zu fünf Stunden dauerten Operationen, nicht immer gab es Strom. Foto: M. Maßen

Das Team aus Deutschland, darunter zwei Chirurgen und zwei Anästhesisten, fand für seine Arbeit „nichts außer einem OP-Tisch und einem Narkosegerät vor. Die Instrumente haben wir mitgebracht“, berichtet Maßen. Die Verständigung mit den einheimischen Medizinern erfolgte auf Englisch. Sechs Tage in der Woche operierte das Team, um möglichst vielen zu helfen. „Die Nachricht von unserer Ankunft wurde im Radio verbreitet. In den ersten Tagen standen da Hunderte Menschen, wir konnten nicht allen helfen.“

Beeindruckt hat Maureen Maßen die Freundlichkeit der Einheimischen. Foto: M. Maßen

64 Menschen wurden – für sie unentgeltlich – operiert, bei schwierigen Rahmenbedingungen. Maureen Maßen berichtet von längst nicht immer fließendem Wasser, von Stromausfällen – Strom sei wichtig für Klimaanlage und Sterilisation der Geräte – und sogar von Ratten im OP. „Die Umstände sind schwer in Worte zu fassen“, erklärt sie.

Viel habe sie während des Aufenthalts von ihren älteren Kollegen gelernt. Groß sei die Dankbarkeit der Operierten gewesen. „Wir waren für sie die einzige Option.“ Überhaupt hat die 24-Jährige die große Freundlichkeit der Menschen in Siera Leone beeindruckt – in einem Land, in dem viele Jahre Bürgerkrieg herrschte, vor fünf Jahre eine Ebola-Krise zahlreiche Tote forderte.

Neben den Operationstagen blieb Zeit für einen Besuch auf dem Land. „Ein einheimischer Anästhesiekollege zeigte uns das Dorf, in dem er lebte. Es gehörte zu den Schöneren mit Lehmhütten, aber ohne fließend Wasser. Viele Menschen in Sierra Leone leben in Wellblechhütten“, schildert die Bedburdyckerin.

Maureen Maßen möchte gern wieder ins Ausland fahren, um anderen zu helfen. „Die Operationen sind notwendig, und die Hilfe kommt sofort an“, sagt sie.