Jüchen: Zwei Kitas mussten in Jüchen noch Baugenehmigungen fürs Übernachten der Kinder einholen. Jetzt wird der Erlass zurückgenommen

Zwei Einrichtungen in Jüchen: Baugenehmigung für Kita-Übernachtung

Das Montessori-Kinderhaus in Stessen und die Kita Jüchen brauchten jetzt tatsächlich Baugenehmigungen für den Kindergartenabschied mit einer Übernachtung. Das Land NRW will den Erlass zu dieser Regelung aber zurücknehmen.

Der Abschluss der Kindergartenjahre und die bevorstehende Einschulung sind auch für die kleinen Jüchener ein wesentlicher Lebenseinschnitt. Deshalb bemühen sich die Kindergartenleitungen auch immer, den Jungen und Mädchen ihren Abschied aus der Kita-Zeit mit einer unvergesslichen Feier zu ermöglichen, die mit einer Übernachtung verbunden war. Doch auf einmal sollte das nicht mehr, oder zumindest nur mit großem bürokratischen Aufwand möglich sein. Denn laut eines Erlasses der Landesregierung mussten plötzlich Baugenehmigungen beantragt werden, für die eine Nacht mit Schlafsack und Luftmatratze.

„Ich hatte einige Schwierigkeiten, das den Eltern begreiflich zu machen“, gab Gisela Jansen, die Leiterin des Montessori-Kinderhauses in Stessen, zu. Denn die Kita Stessen und die Kita Jüchen sind tatsächlich die beiden ersten und zugleich wohl auch die letzten, die in Jüchen noch eine Baugenehmigung fürs Übernachten einholen mussten. NRW-Finanzminister Lutz Lienekämper hat jetzt nämlich verkündet: „Gute Nachricht für alle Kitas und ihre Träger: Die NRW-Koalition hält ein weiteres Mal Wort und wird die Landesbauordnung entsprechend anpassen, damit Übernachtungen in Kitas erlaubt bleiben und vor allem unbürokratisch möglich sind.“

Für die Kita Stessen war es sogar eine Zitterpartie, weil die rechtzeitig beantragte Baugenehmigung erst am Tag vor der Abschlussfeier per E-.Mail eingetroffen war: „Wir können übernachten!“, wurden dann in aller Eile die Kinder benachrichtigt. Nach einer Abendwanderung und einem Pizza-Essen am Lagerfeuer krabbelten schließlich 17 aufgeregte Kinder in ihre Schlafsäcke und genossen die „spannende“ gemeinsame Übernachtung in ihrer Kita.

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Nach Information der Gemeindeverwaltung wurde eine weitere Übernachtungsgenehmigung durch den Rhein-Kreis Neuss für die Kita in Jüchen erwartet. Dort soll die Übernachtung heute stattfinden. Nach einem Erlass vom NRW-Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung seien Übernachtungen in Kitas baurechtlich in den meisten Fällen als nicht rechtens reklamiert worden, erklärt Gemeindesprecher Norbert Wolf. Bürgermeister Harald Zillikens weiß aber: „Für viele Kindergartenkinder ist es ein Highlight zum Abschluss ihrer Kindergartenzeit, in der Kita zu übernachten.“ Und er versprich deshalb: „Diese beliebte Tradition sollte auch weiterhin in unseren Kindertagesstätten gepflegt werden können“. Seiner Kenntnis nach solle die Landesbauordnung geändert werden, wonach solche begrenzte Veranstaltungen nicht mehr baugenehmigungsbedürftig sein werden, bestätigt Zillikens auch die Informationen von Lienenkämper. Zillikens begrüßt eine solche Änderung und betont: „Hierdurch wird der bürokratische Aufwand für solche Veranstaltungen erheblich reduziert.“

Auch der Gemeinderat hatte sich übrigens auf Nachfrage des SPD-Fraktionsvorsitzenden Holger Witting mit dem Thema „Baugenehmigung für eine Kita-Übernachtung“ in der vergangenen Woche beschäftigt. Er befürchtete, dass solche Übernachtungen künftig überhaupt nicht mehr ermöglicht werden. Der Bürgermeister wusste aber von den bereits avisierten Baugenehmigungen für Kita-Übernachtungen durch den Rhein-Kreis Neuss und merkte deshalb schmunzelnd an: „Ich bin froh, dass der Landrat die Kinder rettet.“ Und wenn Jüchen als Stadt auch die Bauaufsicht in Eigenregie übernehme, dann könne sie die Genehmigungen noch schneller erteilen. Ob Jüchen, wenn es ab Januar 2019 Stadt ist und die Bauaufsicht vom Kreis übernimmt, tatsächlich noch Baugenehmigungen für Kita-Übernachtungen erteilen muss, hängt jetzt davon ab, wie lange die Landesregierung benötigt, um den Erlass aus ihrem Heimatministerium wieder rückgängig zu machen.