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Jüchen will fahrradfreundliche Kommune werden

Verbesserungen für Radfahrer :  Jüchen will fahrradfreundliche Kommune werden

Nach Corona-bedingter Verzögerung steht für April eine Vorbereisung mit Radverkehrsexperten an. Sie geben Tipps, was die Stadt noch erledigen muss.

Bei der Verkehrswende zur umweltfreundlichen Mobilität kommt dem Fahrrad eine wesentliche Bedeutung zu – und dabei will die Stadt Jüchen nicht abseits stehen. Sie hatte im Herbst 2020 den Antrag auf Mitgliedschaft in der Arbeitsgemeinschaft fußgänger- und fahrradfreundlicher Städte, Gemeinden und Kreise (AGFS) in NRW gestellt. Der AGFS gehören 94 Kommunen, darunter auch die Nachbarstadt Grevenbroich und der Rhein-Kreis Neuss, an. Doch seit der Antragstellung der Stadt Jüchen ist es ruhig geworden ums Thema.

In diesem Jahr soll es nun konkret werden. „Der Termin für die Vorbereisung ist nach Abstimmung mit dem Ministerium für Verkehr für April geplant“, sagt Stadtsprecher Norbert Wolf. Diese erste Bereisung ist aber nur einer der Schritte, bis die Stadt die begehrte Urkunde erhält.

Wegen Corona seien Bereisungstermine verschoben worden, erklärt Christine Fuchs, Vorstand der AGFS NRW mit Sitz in Krefeld. Und sie erläutert: „Die Vorbereisung ist keine Prüfung, sondern ein Coaching, wie die Stadt unterstützt werden kann, Mitglied zu werden.“ Dazu kommen drei Experten unter anderem vom Ministerium nach Jüchen, geben Tipps, wo noch etwas getan werden muss, welche Hausaufgaben die Verwaltung noch zu erledigen hat. „Die Kommune muss nicht perfekt sein, aber es muss erkennbar sein, dass sie sich deutlich auf den Weg gemacht hat“, betont Fuchs.

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Als Voraussetzungen für die Mitgliedschaft müssen Bewerber ein „nahmobilitätsfreundliches Gesamtkonzept vorlegen“, „innovative, effektive und unkonventionelle Wege zur Lösung von Verkehrsproblemen bevorzugen“ sowie kommunalpolitisch „deutliche Prioritäten für Nahmobilität“ setzen.

Die eigentliche Prüfung steht dann bei einer Hauptbereisung an, bei der bis zu einem Dutzend Fachleute von Ministerium, Bezirksregierung, der AGFS, des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs und andere die Stadt per Rad und/oder zu Fuß erkunden – wann das sein wird, steht nicht fest. Erst danach steht fest, ob Jüchen in die AGFS aufgenommen wird. Nach sieben Jahren wird geprüft, ob die Mitgliedschaft verlängert wird.

Was hat Jüchen für Radler zu bieten? Rund 28,5 Kilometer lang ist das Radwegenetz – überwiegend aus Bundes-, Landes- und Kreisstraßen. „Jüchen hat mit den insbesondere bei Fahrradfahrern beliebten Top-Zielen an den Tagebauaussichtspunkten, dem Nikolauskloster und besonders Schloss Dyck Anknüpfungspunkte, um den touristischen Radverkehr weiter auszubauen“, heißt es im Rathaus. So soll es künftig eine Radverkehrsverbindung über einen neuen Hauptwirtschaftsweg im Rekultivierungsgebiet nach Süden geben, über den etwa die Altstadt von Kaster erreicht werden könne.

Darüber hinaus will die Stadt Lücken im Radwegenetz schließen, Sackgassen für Radler öffnen und Problemstellen beseitigen. Für 2022/23 ist laut Stadtsprecher Norbert Wolf der Bau eines 500 Meter langen Radweges am Scheulenbendgraben südlich von Garzweiler in Richtung Herberath geplant. Die Stadt wartet auf den Bewilligungsbescheid für 60.000 Euro Zuschüsse, der Bau kostet 100.000 Euro. Zudem habe die Planung für einen Radweg zwischen Neuenhoven und Hoppers begonnen, für diese Verbindung müssen noch Flächen erworben werden. Darüber hinaus wird die Verwaltung ein Wirtschafts- und Radwegekonzept erstellen, das im Jahr 2023 vorliegen und Voraussetzung für die Beantragung von Fördermitteln des Landes sein soll.

Mitarbeiter der Verwaltung treten übrigens selbst in die Pedale, nutzen für viele dienstliche Fahrten eines der Dienst-Fahrräder. Künftig sollen auch Lasten-Räder für kleinere Transporte eingesetzt werden.Stadtsprecher Wolf weist zudem auf Bemühungen hin, auch die Infrastruktur für Fußgänger attraktiver zu machen. So seien bereits 13 Bushaltestellen im Stadtgebiet barrierefrei umgebaut worden, weitere sollen folgen.

Was aber hat die Stadt vom Zertifikat als fußgänger- und fahrradfreundliche Kommune? Die Mitgliedschaft, die 2500 Euro im Jahr kostet, eröffne beispielsweise Zugänge zu Fördermitteln im Bereich der Öffentlichkeitsarbeit, sagt Christine Fuchs. „Der größte Vorteil ist aber der Erfahrungsaustausch“ mit anderen Mitgliedern, zudem gebe es Planungswerkstätten und Fortbildungen.