Jüchen: Jüchen wächst: Babyboom auf dem Dorf

Jüchen: Jüchen wächst: Babyboom auf dem Dorf

Mürmeln ist ein gutes Beispiel dafür, weshalb junge Familien aufs Land ziehen. Jüchens Wachstum wird nicht nur durch Neubausiedlungen gefördert. Wegen der guten Lebensqualität zieht es junge Leute in Altimmobilien auf den Dörfern.

An Wachstum und Zuwachs hat die künftige Stadt Jüchen keinen Mangel. Alleine in Mürmeln, einem der kleinsten Ortsteile der 30-Dörfer-Gemeinde, ist jetzt ein wahrer Babyboom zu beobachten. Gab es in dem 103 Einwohner zählenden Dorf in den vergangenen beiden Jahren nur jeweils ein Neugeborenes, so zeichnet sich für 2018bereits jetzt ein Rekord ab: Die Neubürgerin Marta Knuppertz wurde am 30. April geboren, ihr künftiger Spielkamerad Louis-Anton Weiffen am 7. Mai. Nachbarsjunge Fritz Schiffer kam am 11. August 2017 zur Welt. Und das Trio bekommt im Juli und September wohl noch zwei weitere Spielkameraden im Dorf dazu. Die Mütter haben übrigens eine Erklärung für den Babyboom in Mürmeln: Alle jungen Familien sind eigens aufs Land gezogen, weil ihre Kinder dort sicher groß werden können und die Familien mitten in der Natur Ruhe und Lebensqualität finden.

Während der Zuwachs an Geburten und der Zuzug junger Familien etwa in Hochneukirch durch das Erschließen von Neubaugebieten bewusst von der Gemeinde gefördert wird, so sieht die Situation in "Alt-Dörfern" wie Mürmeln wieder anders aus: "Wir sind hier fast alle in alte Häuser gezogen, die die ehemaligen Bewohner aufgegeben haben, oder deren Besitzer verstorben sind", berichtet Christine Knuppertz. Auch ihre Freundinnen Verena Weiffen und Sonja Schiffer haben mit ihren Ehemännern Immobilien aus dem sogenannten Altbestand in Mürmeln erworben, umgebaut und modernisiert. Damit ihr Sohn Fritz "auch auf der Straße spielen kann", nimmt Sonja Schiffer als Berufspendlerin nach ihrem Mutterschaftsurlaub auch wieder den weiten Weg nach Wuppertal auf sich. Sie ist wissenschaftliche Mitarbeiterin im Bayer-Konzern. Nach Mürmeln sind die Schiffers aber unter anderem deshalb 2009 gezogen, um ihr Hobby, die Highland-Rinderzucht, auf der Wiese hinter ihrem Haus betreiben zu können: "Zuerst kamen unsere Kälber, und dann kam unser Sohn auf die Welt", erzählt Sonja Schiffer lächelnd. Beruf und Privatleben lassen sich ebenso schön für Familie Weiffen in Mürmeln optimal vereinbaren: "Wir sind hierhin gezogen, weil wir hier ein Haus mit ausreichend großem Grundstück für unseren Partyservice gefunden haben", berichtet die dreifache Mutter Verena Weiffen.

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Bezeichnenderweise leben (fast) alle jungen Familien in Mürmeln sehr traditionell, was die Pflege der Dorfgemeinschaft und der nachbarschaftlichen Hilfen und Kontakte anbelangt: "Wir haben hier ein sehr reges Gemeinschaftsleben", berichten die drei Frauen. Da es im Dorf keinen Laden und auch keine Busverbindungen gebe, brächten die Eltern die Kinder in Fahrgemeinschaften in die Schule, erzählen sie. Mai- oder Weihnachtsfeste, ein eigener Martinszug mit allen etwa 20 Kindern, die aktuell im Dorf leben, gehören ebenfalls zu den Gemeinschaftsaktivitäten.

Sogar beim Kinderhüten hilft die Dorfgemeinschaft: So hat Verena Weiffen schon eine 18-jährige Nachbarin als Babysitterin für Louis-Anton angeheuert, wenn sie zum Beispiel im Familienbetrieb das Essen für 700 Kitakinder kocht, die die Weiffens im Umland beliefern. Oder Sonja Schiffer hat für den kleinen Fitz, der vormittags bald die Großtagespflege in Kelzenberg besuchen wird, an den Nachmittagen schon eine "Dorf-Oma" zur Betreuung parat, wenn sie wieder arbeiten geht: "Meine Mutter, die auch in Mürmeln wohnt, hat sich nicht nur für Fritz, sondern auch für die anderen Kleinkinder als Dorf-Oma angeboten!", freut sie sich.

(NGZ)