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Jüchen: Von Gut Flassrath auf die Märkte der Region

Hofläden in Jüchen : Von Gut Flassrath auf die Märkte der Region

Die Familie Schulz aus Hoppers verkauft frisches Obst und Gemüse nicht nur in ihrem Hofladen. Auch in den Nachbarstädten baut sie ihre Stände auf.

Im Hof des historischen Guts Flassrath räkeln sich Katzen, zwischen den Obstplantagen gackern Hühner, auf der Wiese nebenan wiehern Pferde. Ein bisschen wie auf Bullerbü fühlt sich der Besucher. In dem unter Denkmalschutz stehenden Gemäuer lebt die vierköpfige Familie Schulz mit vielen Tieren und den Helfern, die sie im Sommer bei der Ernte unterstützen.

Auch wenn der Hofladen von Gut Flassrath noch bis zum 9. September geschlossen ist, geht der Verkauf doch weiter. Die Familie Schulz bietet Obst und Gemüse an verschiedenen Ständen und auf Märkten der Region an. Ein Stand steht direkt an der Zufahrt zum Gut. Dort verkauft Elisabeth Krambeer verlockend aussehendes Obst, Eier, Kartoffel, Säfte und Marmeladen.

„Wir bauen zu 100 Prozent selbst an“, erzählt Rainer Schulz (53). „Säfte und Marmeladen lassen wir von Partnern weiterverarbeiten“, ergänzt seine Frau Silvia (47) beim Gang über das Gelände. Über Handy hält sie Kontakt zu weiteren Helfern, die den Bedarf an Ware durchgeben. Ein Stand steht an der Odenkirchener Straße in Jüchen in der Nähe eines Fitnessstudios. Gut angenommen werden auch die Stände auf den Wochenmärkten in Rheydt, Mönchengladbach und Düsseldorf.

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 „Der Bauernmarkt in Düsseldorf legt großen Wert auf regionale Ware aus eigenem Anbau, oder von Partnern, die im Umkreis von 80 Kilometern Waren verarbeiten“, erzählt Silvia Schulz. Das heißt: keine Zitronen, keine Apfelsinen. Dafür bauen die Schulzes Brombeeren, Johannisbeeren, Himbeeren, Stachelbeeren, Birnen, Aprikosen und Süßkirschen an, die sie frisch und knackig verkaufen. Durch die kurzen Wege zum Verbraucher, profitiert die Umwelt – weil Treibstoff eingespart wird. Eier werden in Pappkartons verkauft. Und da, wo sich Plastik nicht vermeiden lässt, wird Mehrwegware genutzt. Dieses Umdenken hat bereits vor Jahren begonnen.

Während Rainer Schulz’ Eltern noch eine Bullenzucht hatten, stellte der Sohn auf Obst um, begann 1993 mit Äpfeln und baute dann mit seiner Frau die Obstsparte aus. „Damit fühlen wir uns wohler“, erzählt Silvia Schulz. Zum Hof gehören 30 Hektar. Erdbeeren wachsen teilweise in Tunneln. „Im letzten Jahr haben wir diese Früchte bis in den Dezember hinein geerntet“, sagt die Chefin. Richtig gut sind in diesem Jahr die Kirschen, die im Frühjahr von der langen Blüte profitierten und zum Schutz vor Schlagregen unter großen Netzen wachsen. „Der Ertrag ist super. Nur Kunden könnten es mehr sein“, berichtet die 47-Jährige weiter. Der Absatz sei nicht so gut wie im Vorjahr – vielleicht, weil wieder mehr Leute in Urlaub fahren.

Bei der Ernte helfen Rumänen, meist Ehepaare, die schon seit Jahren kommen und auf dem Hof leben und arbeiten. Vergangenes Jahr war es wegen Corona kniffelig. Da mussten die Kinder der beiden, Florian (20) und Katrin (18), noch mehr mit ran als sonst. Florian teilt das Hobby der Mutter, die eine Pferdeliebhaberin ist. Eigene und fremde Pferde sind auf dem Gut zu Hause. Florian studiert Architektur in Düsseldorf, Katrin Landwirtschaft in Bonn.

Ganz neu ist der Automat am Hof, an dem Kunden am Wochenende frische Ware ziehen können. Kartoffeln und Eier von Freilandhühnern runden das Repertoire ab. Die leben zwischen den Obstbäumen und in einem klimatisierten Tinyhouse. „Darin haben es die Hühner ganz angenehm“, erzählt die Hausherrin schmunzelnd. Aktuell laufen die meisten der 350 Hühner zufrieden gackernd vor ihrem „Wohnmobil“ herum – und damit nichts schief geht, werden sie von drei Hähnen bewacht.

(NGZ)