Jüchen: Tierschützer retten verlassene Schweine

Zwangsräumung in Jüchen: Schwein allein

Tierschützer haben zwei Mini-Schweine aus Jüchen gerettet. Sie waren bei einer Zwangsräumung offenbar vergessen worden - zuletzt lebten die Tiere völlig allein auf einem Gehöft.

Die Geschichte soll so ihren Anfang genommen haben: Der Bewohner eines Gehöfts packte bei Nacht und Nebel seine Siebensachen und machte sich aus dem Staub - angeblich flüchtete er vor dem Finanzamt und einer drohenden Pfändung. Zurück blieben neben allerlei ausrangiertem Hausrat und einem Haufen Müll auch etwa 50 Laufenten, mindestens ebenso viele Hühner, sechs Gänse sowie zwei Hängebauchschweine. Das war vor etwa drei Wochen.

"Das Federvieh haben wir relativ schnell weitervermitteln können", berichtet Oliver Altendorf. Der Jüchener hat das Hickhack mit dem spurlos verschwundenen Mieter am Rande miterleben müssen und war eher zufällig auf die tierische Hinterlassenschaft aufmerksam geworden. "Hühner und Gänse haben wir dort manchmal rumlaufen sehen", berichtet er. Von den beiden Schweinen, die dort lebten, habe aber niemand etwas gewusst.

"Vom Veterinäramt des Rhein-Kreises Neuss war dann eine Tierärztin vor Ort", berichtet Oliver Altendorf über den Expertenbesuch Anna Effenbergs, die von den Behörden anlässlich der Zwangsräumung des besagten Mieters nach Jüchen geschickt wurde. Sie versorgte die zurückgelassenen Tiere umgehend, zuvor waren sie offensichtlich tagelang ohne Wasser und Nahrung gewesen.

Entwarnung gab es bei den namenlosen Quiekern, deren Alter auf etwa zwei Jahre geschätzt wird, in Sachen Gesundheitszustand: der nämlich sei vollkommen in Ordnung. "Die Tierärztin sagte außerdem, es seien keine Hängebauch-, sondern schlicht zu fette Mini-Schweine. Ich bin ja kein Experte in Sachen Artenbestimmung", sagt Oliver Altendorf und lacht.

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Aber wohin nun mit den beiden Tieren? Keiner im Bekanntenkreis konnte ihnen Obhut gewähren. "Mit Freunden haben wir verschiedene Annoncen auf unterschiedlichen Kanälen geschaltet", erinnert sich der 49-Jährige. "Das Problem aber ist, dass Schweine nicht einfach so irgendwo untergebracht werden können", weiß der Musiker und Koch, der sich inzwischen "ganz gut" mit Schweinen auskennt. Sie seien "schwierig zu vergesellschaften", hin und wieder würden Rangkämpfe untereinander ausgeführt. Außerdem wollten Altendorf und seine Mitstreiter sicher stellen, dass "eine artgerechte Haltung gewährleistet ist. Und das geht ja auch nicht in einer schmalen, dunklen Box. Dafür braucht es Platz", berichtet er 49-Jährige. Schließlich gelte es auch, "Leben zu retten".

Aber das Vermittlungsverfahren, ausschließlich in privater Initiative durchgeführt, gestaltete sich weiter schwierig. "Die wenigsten Tierheime sind auf Schweine eingestellt, Gnadenhöfe haben wir keine gefunden", sagt der Jüchener.

Nach Irrungen und Wirrungen kam jetzt das glückliche Ende: "Die beiden Schweine haben ein neues Zuhause", sagt Monika Schwarick vom Tierschutzverein im Kreis Viersen. Die Einrichtung an der Aachener Straße in Niederkrüchten ist auf große Tiere eingerichtet, dort leben unter anderem auch Pferde und Ziegen. Zusammen mit den beiden Neulingen aus Jüchen werden alleine 17 Schweine gepflegt. "Damit sind wir am Rande unserer Kapazitäten", sagt Monika Schwarick.

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