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Jüchen: Thomas Bovermann recherchiert in Stasi-Akten zu seinem Vater

Jüchener auf Herkunftssuche : „Mein Vater war ein Doppelagent“

Thomas Bovermann hat einen Teil der Stasi-Akten seines Vaters aus Berlin erhalten. Darin sucht er nach Hinweisen auf seine Familiengeschichte.

Auf der Suche nach seiner Herkunft wird Thomas Bovermann aus Hochneukirch immer deutlicher, dass der Lebensweg seines verstorbenen Vaters ein schicksalhaftes Stück der deutsch-deutschen Nachkriegsgeschichte ist. Nach jahrelangem Bemühen (wir berichteten) hat Bovermann jetzt einen Teil der Stasi-Akten seines Vaters aus Berlin erhalten. Einige Fragen werden ihm darin beantwortet, dafür aber auch neue aufgeworfen. So viel kann der 49-Jährige jetzt aber ersehen: Beim Staatssicherheitsdienst der DDR war sein Vater als „IM Flieger“ geführt. Unter diesem Decknamen habe sich Bovermanns Vater verpflichtet, inoffiziell mit der Stasi zusammen zu arbeiten.

Dann folgt ein für den Sohn überraschender Eintrag in den Akten, sein Vater habe 1957 Republikflucht begangen. „Was hat er dann in den 13 Jahren vor meiner Geburt in Westdeutschland gemacht? Und warum kehrte er in die DDR zurück, wo er eine Pension geschenkt bekam, in der die DDR-Größen logierten?“, fragt sich Bovermann, der das völlig heruntergekommene Haus mit der Pension geerbt hat. Genau diese offenen Fragen sprechen seiner Meinung nach aber dafür, dass sein Vater als Doppelagent auch für den Bundesdeutschen Nachrichten-Dienst (BND) tätig war. Ersehen kann Bovermann aus den Stasi-Akten allerdings auch, dass sein Vater in der Abteilung „zur Aufdeckung und Abwehr geheimdienstlicher Angriffe gegen die DDR (Spionageabwehr)“ arbeitete. Er sei als Geheimnisträger und Reisekader auch mit der Befugnis ausgestattet gewesen, sich in Westdeutschland aufzuhalten.

Zunächst wusste Bovermann, der unehelich geboren wurde, nicht wer sein Vater war. Kurz vor dessen Tod konnte er ihn aber aufspüren und sich mit ihm treffen. Dabei habe sein Vater auch Andeutungen gemacht, er stamme als ein illegitimer Sohn von einem Mitglied des Adelsgeschlechtes Habsburg-Lothringen ab. In seinem letzten Telefonat mit seinem Vater vor dessen Tode habe der ihm hierfür auch Beweise angekündigt. „Ich sollte meinen Vater unbedingt besuchen. Er wollte mir dann alles über unsere Abstammung aus dem Hochadel berichten. Aber dazu kam es nicht mehr. Er starb,“ bedauert Bovermann, der jetzt noch auf weitere Akten aus Berlin hofft, um auch diesen noch fraglichen Punkt seiner Abstimmung zu klären. „Es muss dort noch weitere Bände zu meinem Vater und zu den Habsburgern geben“, sagt er. Außerdem hoffe er auf die Computerauswertung der kurz vor dem Ende der DDR von Stasimitarbeitern geschredderten geheimen Dokumente.