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Jüchen: Streit um Abholzung auf einer Ökofläche.

Ökologische Ausgleichsflächen : Wertvolle Ökofläche einfach abgeholzt?

Ein Anwohner aus Holz und die Gemeinde setzten sich wegen einer Abholzung auf einer ökologischen Ausgleichsfläche auseinander .

Die Gemeinde Jüchen hat auf einigen früheren Ackerflächen Wildkräuterwiesen zur Kompensation von baubedingten Eingriffen angelegt. Damit stellen diese Ausgleichsflächen inmitten einer von intensiver Landwirtschaft geprägten Landschaft wertvolle Biotope dar, die vielen wild lebenden Tieren und Pflanzen als Rückzugsraum dienen. Immer wieder gehen bei der Gemeinde aber Hinweise über vermeintlich nicht gepflegte oder zu einem angeblich falschen Zeitpunkt gemähte Ausgleichsflächen ein. Dabei wird unterstellt, dass es sich um öffentliche Grünflächen handelt, die verwahrlosen.

So beschwert sich jetzt auch Olaf Schmidt aus Holz über eine ungepflegte ökologische Ausgleichsflächen: Die Ausgleichsfläche „Am Lindenweg“ in Holz zeige, dass man dort von mindestens 65 Prozent der Gehölzflächen weit entfernt sei und die maximal 35 Prozent der dortigen Wildkräuter eigentlich nur Gras sei. „Ich weiß nicht, ob nach Abschluss der Erschließungsarbeiten jemals eine Kontrolle der grünordnerischen Festlegungen erfolgt ist, bezweifle das aber. Offenbar hat sich dafür niemand zuständig gefühlt, eine Regelungslücke in der Zuständigkeitsverordnung“, meint der Bürger und Anlieger. Außerdem hat Schmidt beobachtet, dass auf der Ausgleichsfläche in der zweiten oder dritten Juliwoche gemäht wurde. „Es folgten trockene, heiße Tage. Das Gras wurde zu Heu und hätte abgeräumt werden können. Wurde es aber nicht, jedenfalls nicht bis zum heutigen Tage. Zwischenzeitlich gab es Regen und auch die Hunde der Nachbarschaft haben die nunmehr offene Fläche als Hundeklo entdeckt“, beklagt er. Noch interessanter sei aber, dass der Bauhof der Gemeinde Jüchen am 8. August mit Heckenscheren und Kantenschneider das Gehölz in der Ausgleichsfläche deutlich eingekürzt und den Vögeln ihren Lebensraum genommen habe. Schmidt sagt: „Ich bin verwundert, dass die Gemeinde innerhalb der Schutzzeit vom 1. März bis 30. September Rückschnitte vornimmt, wo doch die Natur Vorrang sollte.“

Die Gemeinde rechtfertigt sich aber und teilt mit: In Holz seien durch den Baubetriebshof der Gemeinde Pflegearbeiten durchgeführt worden, wobei es sich um Mäharbeiten gehandelt habe, die in der Regel zweimal jährlich während der Vegetationsperiode durchgeführt würden. Dazu gehöre auch der „schonende Rückschnitt von Überwuchs“, betont Gemeindesprecher Norbert Wolf. Durch den Rückschnitt solle vermieden werden, dass zum Beispiel Zaunanlagen durch drückende oder einwachsende Äste beschädigt würden. Wolf sagt: „Damit kommt die Gemeinde dem Anliegen vieler Bürger nach, die dankenswerterweise immer wieder entsprechende Hinweise geben.“ Umgekehrt könne aber auch der Überwuchs von privaten Grundstücken auf öffentliche Flächen zum Ärgernis werden. Insbesondere bei schnellwachsenden Bäumen und Sträuchern könne dies auch zu Behinderungen und Erschwerungen führen. Besonders wenn es sich um Überwuchs mit Dornen handele und hierdurch die Arbeiten auf den öffentlichen Flächen für den Baubetriebshof erschwert oder behindert würden, erläutert Wolf weiter und fügt hinzu: „Solange es die jeweiligen örtlichen Verhältnisse jedoch zulassen, verzichtet die Gemeinde auf einen Rückschnitt.“

Bei dem am Lindenweg abgeschnittenem Überwuchs habe es sich insbesondere um Brombeeren gehandelt, die über eine enorme Wuchskraft verfügten und sich innerhalb kurzer Zeit unkontrolliert ausbreiten könnten. „Die Gemeinde Jüchen verstößt nicht gegen die Bestimmungen des Bundesnaturschutzgesetzes, da hier lediglich Form- und Pflegeschnitte vorgenommen wurden. Hieraus kann ein artenschutzrechtlicher Verstoß nicht abgeleitet werden“, versichert der Sprecher. Und hinsichtlich des Überwuchses vom privaten in den öffentlichen Bereich hätte entsprechend des Nachbarschaftsrechts dem Grundstückseigentümer auch eine angemessene Frist zur eigenen Beseitigung gestellt werden können, verdeutlicht Wolf.