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Jüchen: Solar-Wall soll Fahrer auf der A44 bei Sturm schützen

Neues Energieprojekt in Jüchen : Solar-Wall soll die A 44 vor Windböen schützen

Bereits mehrere Male wurde die A 44n wegen Sturmböen gesperrt, nachdem Lkw-Anhänger umgestürzt waren. Bürgermeister Harald Zillikens schlägt als Windschutz Photovoltaik-Anlagen entlang der Autobahn-Trasse vor – als Teil des geplanten Innovationsparks erneuerbare Energien Jüchen.

Wenn es im Rheinland so richtig stürmt, dann kann es kritisch werden auf der Autobahn 44n. Bereits zweimal in diesem Jahr, im März und am 4. Mai, wurde die gerade drei Jahre alte, hoch liegende Autobahn wegen Sturmböen und Staub aus dem Tagebau komplett gesperrt, nachdem ein Lkw-Auflieger oder Anhänger umgekippt war. Die Fahrer blieben unverletzt, doch auf umliegenden Autobahnen und anderen Straßen brach ein Verkehrschaos aus, weil sich Fahrer andere Wege suchen mussten. „Es ist untragbar, alle paar Monate eine neu errichtete Autobahn wegen Windböen zu sperren. Und was wäre gewesen, wenn ein Anhänger auf Autos gestürzt wäre?“, sagt Harald Zillikens.

Der Jüchener Bürgermeister hat für das Problem einen Lösungsvorschlag. „Ich schlage vor, Photovoltaikanlagen entlang des exponierten Abschnitts der A 44n so zu errichten, dass sie als Windschutz für den Verkehr und im Idealfall auch als Lärmschutz fungieren können“, erklärt Zillikens in einem Schreiben an Stephan Krenz, Vorsitzender der Geschäftsführung der neuen Autobahn GmbH, die seit Jahresbeginn sämtliche Autobahnen in Deutschland betreut.

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„Die kritische Situation auf der A 44n erfordert dringend der grundlegenden Verbesserung durch geeignete Windschutzmaßnahmen. Eine Ausschilderung von Umleitungsstrecken ist aus Sicht der betroffenen Städte nicht ausreichend“, schreibt der Bürgermeister.

„Wir würden zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: die Fahrzeuge auf der Autobahn vor Wind schützen und zugleich auf großen Flächen Strom produzieren“, erläutert Zillikens, der auch Landesverkehrsminister Hendrik Wüst auf das Thema ansprechen will. Die Photovoltaik-Elemente könnten, so Zillikens, auf mehreren Kilometern Länge etwa in Form einer Wand oder auf einem Wall entlang der Autobahn als Windfang errichtet werden. „Es gibt Firmen, die Interesse daran haben, dies zu bauen.“ Vielleicht würde ein solcher Wall bei Sturm auch Staub aus dem Tagebau reduzieren helfen. Zur Zeit der Sperrungen herrschten Sichtweiten von teils unter 50 Metern.

Doch das Projekt soll viel mehr sein als ein Bollwerk gegen Wind und Staub – nämlich ein innovatives Energieprojekt. Schon jetzt entsteht entlang der A 44n der Windpark Jüchen mit sechs 238 Meter hohen Mega-Windrädern. Im Sommer soll der Windpark, an dem die Stadt finanziell beteiligt ist, mit seiner vollen Leistung von 27 Megawatt am Netz sein. Doch auf den ehemaligen Tagebauflächen ist auch der Innovationspark erneuerbare Energien Jüchen mit Projekten etwa in den Bereichen Windkraft, Solar und Stromspeicherung geplant – ein Projekt des Zweckverbandes Landfolge Garzweiler, dem die Tagebau-Anrainer Jüchen, Mönchengladbach, Erkelenz und Titz angehören.

Zillikens möchte den Zweckverband für das A 44n-Solarprojekt ins Boot holen. Dort wurde der Gedanke bereits aufgegriffen. „Die Idee hat Charme“, sagt Volker Mielchen, Geschäftsführer des Zweckverbandes. „Mit diesem innovativen Ansatz könnte das Windproblem gelöst und zugleich Strom produziert werden. Damit lässt sich zeigen, wie man Straßen-Infrastruktur für die Energiewende nutzen kann“, so Mielchen. Beim Zweckverband wird zurzeit mit Fördermitteln eine Konzeptstudie für den Innovationspark erstellt, sie soll im Sommer fertig sein. Danach geht es laut Mielchen um die Frage, „wie man in die Umsetzung kommt“ und mit Projekten das Thema „griffig“ machen könne. „Ein Thema ist dabei die Solar-Autobahn.“

Der Wall aus Photovoltaik-Modulen soll laut Zillikens möglichst auch Lärm abhalten. „Durch die extreme Hochlage der Autobahn“ sei der Verkehrslärm von der A 44n „in den ohnehin von den Auswirkungen des Tagebaus betroffenen Stadtteilen deutlich wahrnehmbar.“