Brauchtum in Jüchen Hochneukirch feiert Schützenfest als Liebeserklärung an die Heimat

Hochneukirch · In Hochneukirch lassen die Schützen über Pfingsten mit ihrem Königspaar Kevin Sierra und Isabelle Altbüchel die Heimat hochleben. Mit Blick auf künftige Königsbewerber beeindruckt eine fast unglaubliche Zahl.

Jüchen: Fotos - So schön feiern die Schützen in Hochneukirch 2024
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Schützen in Hochneukirch feiern über Pfingsten die Heimat

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Foto: Dieter Staniek

„Was ist Heimat?“ Die Frage, die das Königspaar und die Schützen in Hochneukirch als Motto bei ihrem Heimatfest über Pfingsten beschäftigt hat, ist in ihrem Ort zumindest in Teilen schnell beantwortet: Heimat ist auch Schützenwesen und Brauchtum. Wer das fröhliche Treiben der vergangenen Tage verfolgt hat, wird daran nicht zweifeln.

Während im vergangenen Jahr eine Königin in Hochneukirch regierte, gibt es jetzt wieder einen König. Er heißt Kevin Sierra, ist 32 Jahre jung und arbeitet als Altenpfleger. Seine Königin Isabelle Altbüchel (28) ist seine Lebensgefährtin, das Königspaar ist seit sieben Jahren zusammen. Sie arbeitet als Projektmanagerin bei der Wirtschaftsförderung in Mönchengladbach. Beide sind im Vorstand aktiv, er als zweiter Kassierer, sie als Geschäftsführerin. Die feierliche Krönung hatte Präsident Benedikt Obst vorgenommen.

Das Schützenfest in Hochneukirch hatte am Freitag mit dem Umzug und der Parade der Kindergärten am Festzelt begonnen. Anschließend herrschte volles Programm. Wer von dem großen Fest bis dahin noch nichts mitbekommen hat, hat am Pfingstmontag noch die eine Chance: Um 12.30 Uhr wird im Festzelt die „Echt Nökercher Erbsensuppe“ ausgegeben, ein Stück Brauchtum zum Essen.

Das Zelt war voll, die Stimmung war gut und das Hauptthema lautete „Was ist Heimat?“ Das Königspaar ist in Neuss geboren, die Königin kam bereits als Kleinkind mit ihren Eltern nach Hochneukirch, der König ist in Gierath aufgewachsen und war 13 Jahre alt, als seine Eltern beschlossen, dorthin zu ziehen.

Die Paraden konnten sich sehen lassen. Zu den 280 eigenen Schützen kamen am Freitag Gastmarschierer aus Jüchen, Wanlo und Holz, abends sorgte die Band Klangstadt für Stimmung. Dass es genügend Straßenmusik gab, hat auch damit zu tun, dass die Hochneukircher ein eigenes Tambourkorps und eine Jägerkapelle haben, die beide aufspielten. Hinzu kamen drei weitere Klangkörper.

Das Schützenfest in Hochneukirch wird nicht getrübt durch die bange Frage, ob es einen Kandidaten beziehungsweise eine Kandidatin für das Amt des Königs oder der Königin geben wird. Man ist nämlich sehr vorausschauend: „Der Vogelschuss findet immer im September im Rahmen der Spätkirmes statt“, erklärte der König. Und er fügte fast Unglaubliches hinzu: „Bis zum Jahre 2035 liegen schon Bewerbungen vor.“

Das Einzige, was nicht ganz so wie gewünscht ablief, war das Wetter. Der Blick auf die Wetter-App hätte Erfreulicheres anzeigen können als „Regenwahrscheinlichkeit hoch“. Was die Stimmung hingegen so richtig pusht, ist die stark gestiegene Mitgliederzahl: „Wir haben im Vergleich zu vergangenem Jahr mehr als 50 neue Mitglieder“, erklärte Präsident Benedikt Obst. Es seien vor allem junge Leute, die gerne feiern und die im Heimatverein ein Stück Heimat erleben. „Wir sind alle zu einer großen Gemeinschaft geworden“, sagte Kevin Sierra. Das liege unter anderem auch an dem guten Auftritt bei Social Media. Sowohl auf dem Schützenplatz als auch im Festzelt waren junge Leute überproportional vertreten. Etliche Buden und ein Autoscooter sind nicht selbstverständlich für eine kleine Kirmes.

Die Residenz des Königspaares ist nur einen Steinwurf entfernt vom Festzelt. Am Samstagnachmittag schaute man sich an, was am letzten Spieltag der Fußballbundesliga noch so passierte. „Die meisten Schützen hier sind Fans von Borussia Mönchengladbach“, sagte der König. Zum Glück mussten diese Fans nicht mehr um den Klassenerhalt zittern. Übrigens: Das Königspaar wird optimal unterstützt, das sieht man schon an der Königsburg, die überdurchschnittlich groß ist. „Kurt Schmidt und sein Team kümmern sich um alles, sie machen einen unfassbar guten Job“, schwärmt der König angesichts einer Burg, die rund doppelt so groß ist wie sonst üblich.

Der Heimatverein hatte wie immer den Tanz in den Mai organisiert. Er sorgt auch für das Sommerfest, für St. Martin, und beteiligt sich am Clean-up-Day. Das nächste große Event findet am 22. Juni statt: Gemeinsam mit der Stadt und der NEW ist man für das Sommerfest im Schmölderpark zuständig, es wird die Band „Just:is“ bei dann hoffentlich schönem Wetter auftreten.

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