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Jüchen: RWE baut ein neues Kieswerk im Tagebau Garzweiler

Weniger Bäume und mehr Lkw in Hochneukirch : Neues Kieswerk und Wohnen statt Wald in Hochneukirch

Gegen den Protest von Nabu und FWG wird das Wäldchen an der Peter-Busch-Straße zugunsten eines Wohngebietes abgeholzt. Das neue Kieswerk am Grubenrand in Hochneukirch wird mehr Lkw anlocken, die laut RWE aber hauptsächlich über die A 46 fahren sollen.

Jüchen Mit Protestplakaten an den alten Bäumen entlang der Peter-Busch-Straße in Hochneukirch demonstriert der Naturschutzbund (Nabu) Jüchen jetzt gegen die geplante Abholzung des dortigen Wäldchens zugunsten eines neuen Wohngebietes. Auf den Plakaten steht: „Es reicht! Hier sollen eine grüne Lunge und die Heimat etlicher heimischer Tiere vernichtet werden.“ Die Nabu-Mitglieder Paul Quack und Rudolf Kuhn hängten am Dienstag die Protestplakate noch rechtzeitig vor der abendlichen Sitzung des Planungsausschusses auf, in dem die Änderung des Flächennutzungs- und Bebauungsplanes für das Wäldchen an der Peter-Busch-Straße dann auch mit nur einer Gegenstimme von der FWG „durchgewinkt“ wurde. Die FWG-Mitglieder Gerolf Hommel und Andrea Müller hatten sich am Nachmittag auch der kleinen Demonstrationsgruppe vor dem Wäldchen angeschlossen.

In der Sitzung des Planungsausschusses appellierte Paul Quack zwar noch an die Politiker, das Wäldchen nicht anzutasten. Es sei ein nicht zu ersetzender, wertvoller, artenreicher Lebensraum. Und Jüchen sei ohnehin schon eine der waldärmsten Kommunen in Deutschland. Auch Hommel forderte den Erhalt des Wäldchens und wies auf die klimafördernde Wirkung des Grüngürtels für Hochneukirch hin. Dennoch votierten die Ausschussmitglieder aller übrigen Fraktionen für die Änderung der F- und B-Pläne und damit für die Bebebauung des Areals. Bürgermeister Harald Zillikens wies darauf hin, dass die alten Bäume entlang der Peter-Busch-Straße für das neue Wohngebiet erhalten bleiben und ein Teil des Grundstücks auch als Grünland vorgesehen sei.

 Der Nabu Jüchen demonstriert gegen die geplante Abholzung des Wäldchens in Hochneukirch: Gerolf Hommel (v.l.), Paul Quack, Andrea Müller und Rudolf Kuhn.
Der Nabu Jüchen demonstriert gegen die geplante Abholzung des Wäldchens in Hochneukirch: Gerolf Hommel (v.l.), Paul Quack, Andrea Müller und Rudolf Kuhn. Foto: Gundhild Tillmanns

Im Fachausschuss ging es auch um das Rheinische Baustoffwerk, das RWE am Rande des Tagebaus in Hochneukirch einrichten wird. Tagebauleiter Markus Kosma und Franz-Josef Santüns, der Geschäftsführer der Bodenaushubannahme- und Kiesabgabestelle, standen im Ausschuss Rede zu der befürchteten zusätzlichen Verkehrsbelastung durch Lkw in Hochneukirch. Denn in der Anfangszeit wird mit bis zu 120 Lkw gerechnet, die täglich dort kursieren; nach der geplanten Auflösung der jetzigen Kiesgrube sogar noch mit mehr Verkehr.

Die RWE-Sprecher betonten aber, der Lkw-Verkehr werde in der Hauptsache über einen Weg am oberen Grubenrand und dann über eine Rampe an die Autobahnanschlusstelle Wanlo geleitet. Sie räumten auf Nachfrage aber ebenso wie der Bürgermeister ein, es gebe letztlich keine Handhabe, Lkw-Fahrern die Benutzung der öffentlichen Straßen zu verbieten. Zillikens versprach allerdings, dass die Gemeinde an der Holzer Straße Hinweisschilder „Nur für Anlieger, RWE-Werks- und Landwirtschaftsverkehr“ anbringen lassen wird. Und RWE sicherte Schilder an der Grubenrandstraße zu, die auf eine Sperrung für Lkw über 7,5 Tonnen hinweisen sollen. Auf Nachfrage aus dem Ausschuss, ob RWE Kunden vom Baustoffwerk ausschließen werde, die ihre Lkw trotzdem durch die Ortslagen fahren ließen, verdeutlichte Santüns eine Problematik: Es seien zwar schon vereinzelt Kunden ausgeschlossen worden, aber viele Baufirmen bedienten sich wiederum anderer Firmen als Spediteure. Er sagte: „Nur wenn wir das Kennzeichen, Datum und Uhrzeit haben, können wir den Lieferanten ermahnen