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Jüchen: Protest gegen neue Kita an Stadionstraße

Kindergärten-Pläne in Jüchen : Protest gegen neue Kita an Stadionstraße

Einstimmig beschloss der Rat den Bau einer neuen Kindertagesstätte an der Stadionstraße. Anwohner der Kettelerstraße nebenan kritisieren allerdings die Standortwahl, sie befürchten Verkehrschaos. Welche Bedenken sie auch noch haben und warum eine weitere Kita in Jüchen nötig ist.

Unzufrieden machten sich mehrere Anwohner der Kettelerstraße nach der Stadtratssitzung auf den Heimweg. Ihre Kritik an der geplanten Kindertagesstätte neben der Zweifach-Turnhalle an der Stadionstraße in Jüchen wurde zwar zu Beginn der Sitzung gehört – sie befürchten unter anderem erheblich mehr Verkehr –, doch danach beschlossen die Politiker einstimmig den Bau der fünfgruppigen Kita und die Bereitstellung von 300.000 Euro Planungskosten. Zu einer Diskussion über die Sorgen der künftigen Nachbarn kam es bei dem Tagesordnungspunkt nicht.

Klar ist: In Jüchen ist ein weiterer Kindergarten erforderlich, obwohl in Hochneukirch zurzeit eine Kita mit 90 Plätzen an der Gartenstraße errichtet wird. Doch das reicht nicht, weiterer Bedarf besteht in den Stadtteilen Jüchen, Garzweiler und Kelzenberg. Bis zum Kita-Jahr 2022/23 werden laut Stadt Plätze für 68 Über- und 25 Unterdreijährige benötigt. In einer Standortanalyse hatte das Büro Berger Architekten drei Standorte in Jüchen und Garzweiler untersucht. Als den empfehlenswertesten nennt das Büro das Areal neben der Turnhalle, dem schließt sich die Stadtverwaltung an: „Das Grundstück ist ausreichend groß und liegt zentral neben dem Schulzentrum und den Sportanlagen im Stadtgebiet.“

 Sie kritisieren die Kita-Pläne auf der Grünfläche: (v.r.) Heinz-Robert Schmitz, Frank Uhlig und Gunter Schmitz. 
  Foto: STAN
Sie kritisieren die Kita-Pläne auf der Grünfläche: (v.r.) Heinz-Robert Schmitz, Frank Uhlig und Gunter Schmitz. Foto: STAN Foto: Dieter Staniek
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Anderer Meinung zur Eignung sind Heinz-Robert Schmitz und andere Anwohner der angrenzenden Ketteler Straße. „Wir brauchen eine neue Kindertagesstätte, aber die Wahl des Standorts halte ich für unglücklich“, sagte Schmitz unter dem Tagesordnungspunkt „Fragen der Einwohner“. Und er appellierte: „Bitte überdenken Sie die Pläne.“ Mehrere Argumente nannten Schmitz und Frank Uhlig, der ebenfalls an der Kettelerstraße wohnt. „Wir haben schon jetzt erheblichen Verkehr zu den Schulen auf der schmalen Stadionstraße“, berichtet Schmitz. Viele Autofahrer würden zu schnell fahren. „Manchmal habe ich den Eindruck, auf dem Nürburgring zu sein. Wenn jetzt noch 100 weitere Fahrzeuge von Eltern dazukommen, gibt es Verkehrschaos.“ Der Verkehr sei eine Gefahr für Kinder etwa auf dem Schulweg. Ein weiteres Argument: Auf der Grünfläche mit Bäumen neben der Turnhalle würden Grün- und Buntspecht, Pirol und andere Tierarten leben, Schmitz befürchtet durch den Kita-Bau einen Eingriff in die Natur.

Bedenken hat auch Frank Uhlig. „Als Vater von zwei Kindern weiß ich, wie groß die Not bei Kita-Plätzen ist, doch der Standort ist nicht ideal.“ Ein Grund aus seiner Sicht: Der Schall reflektiere von der großen Wand der Turnhalle zurück zu den Häusern, Lärmschutz sei nötig. „Zudem haben wir im Umfeld bereits Tennisplätze und Sportanlage“, auch abends werde trainiert. Komme die Kita hinzu, „haben wir Rundumbeschallung“, sagte Uhlig. „Große Standort-Alternativen haben wir nicht“, erklärte Bürgermeister Harald Zillikens zur Kritik. Auswirkungen der Kita etwa auf Verkehr und Umwelt würden im Rahmen der Bebauungsplan-Änderung geprüft.

In der Analyse war auch eine Fläche in Garzweiler untersucht worden, die aber laut Planungsbüro größenmäßig nur „dem minimal denkbaren Ansatz“ entspricht. Ebenfalls geprüft wurde ein Areal auf der südlichen Seite der Stadionstraße. Dort müsse entweder der Spielplatz aufgegeben oder verlagert werden, letzteres würde zu Lasten des Bolzplatzes gehen.