Politiker aus Garzweiler Trauer um Ehrenbürgermeister Peter Giesen

Jüchen · Der Vollblutpolitiker Peter Giesen ist am Samstag im Alter von 97 Jahren verstorben. Er hat fast allen Bundeskanzlern die Hand geschüttelt, war Landtagsabgeordneter, Bürgermeister von Jüchen und Kämpfer für „sein“ Garzweiler.

Peter Giesen ist tot: Der bekannte Politiker ist am Samstag im Alter von 97 Jahren gestorben. So wie er sich für die Gemeinde Jüchen und insbesondere für seinen Heimatort Garzweiler zu Zeiten der Umsiedlung einsetzte, so war er auf dem großen politischen Parkett zu Hause. Nach Peter Giesen wurde bereits zu Lebzeiten die Mehrzweckhalle in Garzweiler benannt – eine Besonderheit, die sein Engagement für den Aufbau von Neu-Garzweiler ehren sollte. Peter Giesen gehörte aber auch in der Bundespolitik zu den Männern der ersten Stunde nach dem Zweiten Weltkrieg. So sind auch in zahlreichen Fotos seine Begegnungen mit eigentlich allen Bundeskanzlern – sofern sie der CDU angehörten – dokumentiert. Er hatte schon Konrad Adenauer die Hand geschüttelt.

 Eine der letzten Aufnahmen von Peter Giesen zeigt ihn 2016.

Eine der letzten Aufnahmen von Peter Giesen zeigt ihn 2016.

Foto: lothar berns/Lothar Berns

Doch Giesen war auch immer heimatverbunden. So würdigte „seine“ St.-Sebastianus-Schützenbruderschaft Garzweiler ihn noch am Sonntagabend als erste mit einem Nachruf. Peter Giesen war langjähriger Präsident und Brudermeister der Bruderschaft. Neben vielen politischen Ämtern und Tätigkeiten sei besonders die Umsiedlung zu nennen, gehörte doch seine Leidenschaft und Liebe der Bruderschaft und seinem Dorf Garzweiler, erinnern die Schützen. Sie zählen auf: Peter Giesen war seit 1951 Mitglied der Bruderschaft und seit 1985 im Königsehrenzug. Von 1957 bis 1981 war er Präsident und von 1981 bis 1995 Brudermeister und seit 1995 Ehren-Brudermeister. Im Jahr 1970 repräsentierte er mit seiner Frau Luzi die Bruderschaft als Königspaar. Für seine vielfältigen Verdienste in Bruderschaft und Kirche erhielt er das Silberne Verdienstkreuz, den Hohen Bruderschaftsorden, das St.-Sebastianus-Ehrenkreuz und das St.-Sebastianus-Ehrenschild des Bundes der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften. „Peter Giesen hinterlässt in der Bruderschaft eine sehr große Lücke. Wir haben nicht nur unseren Ehren-Brudermeister, der für viele ein Vorbild war, sondern auch einen guten Freund und Nachbarn verloren. Er hat uns betroffen und traurig zurückgelassen, unsere Gedanken sind bei seiner Familie“, schreibt die Bruderschaft.

 Peter Giesen mit Bundeskanzler Ludwig Erhard.

Peter Giesen mit Bundeskanzler Ludwig Erhard.

Foto: reuter/Reuter

Auch Bürgermeister Harald Zillikes reagierte betroffen auf den Tod von Peter Giesen. Er sagt: „Ehrenbürgermeister Peter Giesen hat als engagierter und heimatverbundener Landes- und Kommunalpolitiker und insbesondere als Bürgermeister in Alt-Garzweiler und nach der kommunalen Neugliederung in Jüchen über viele Jahrzehnte das politische Geschehen in unserer Gemeinde gestaltet und entscheidend geprägt.“ Peter Giesen sei ein willens- und durchsetzungsstarker Politiker gewesen, gepaart mit einer gehörigen Portion rheinischem Humor, erinnert sich Zillikens. Und der Bürgermeister schreibt: „Sein Name wird immer mit der erfolgreichen Umsiedlung der Orte Garzweiler und Priesterath und mit der kommunalen Neugliederung im Jahre 1975 verbunden bleiben. Ich habe größte Achtung vor seinem Lebenswerk. Seiner großen Familie und insbesondere seiner Frau Luzi gilt mein tiefes Mitgefühl.“

 Sogar mit dem legendären Konrad Adenauer trat Peter Giesen auf.

Sogar mit dem legendären Konrad Adenauer trat Peter Giesen auf.

Foto: Woitschützke, Andreas (woi)

Rückblick: Peter Giesen wurde am 8. August 1921 in Viersen geboren. Er absolvierte eine Ausbildung an einer pädagogischen Akademie und wurde nach dem Zweiten Weltkrieg Lehrer. Schließlich kam Giesen nach Garzweiler und wurde Leiter der dortigen Schule – und blieb in dem Ort. 1951 trat Giesen in die CDU ein, für die er von 1958 bis 1980 im NRW-Landtag saß. Im Landtag war Giesen zudem von 1970 bis 1975 stellvertretender Vorsitzender des Sportausschusses und von 1975 bis 1980 Vorsitzender des Petitionsausschusses. Darüber hinaus hatte Giesen von März 1960 bis September 1984 einen Sitz im Rundfunkrat des Westdeutschen Rundfunks inne, danach im Verwaltungsrat. Der Landtag wählte ihn 1954 und 1969 zum Mitglied der Bundesversammlung, die wiederum den Bundespräsidenten wählt.

 Peter Giesen begrüßt Bundeskanzlerin Angela Merkel.

Peter Giesen begrüßt Bundeskanzlerin Angela Merkel.

Foto: cdu/CDU

Giesens Engagement auf kommunaler Ebene: von 1955 bis 1975 war er Mitglied des Kreistages Grevenbroich, dann bis 1979 des Kreistages Neuss, sowie als Mitglied des Gemeinderates und Bürgermeister von Garzweiler von 1961 bis 1974, dann bis 1989 als Mitglied des Gemeinderates und Bürgermeister der Gemeinde Jüchen.

 Peter Giesen traf auch Bundeskanzler Helmut Kohl.

Peter Giesen traf auch Bundeskanzler Helmut Kohl.

Foto: reuter

Er engagierte sich für seinen Heimatort Garzweiler – vor und nach der Umsiedlung für den gleichnamigen Braunkohlentagebau. In der CDU wurde Giesen 1963 Kreisverbandsvorsitzender in Grevenbroich, und 1973 Mitglied des Landesvorstandes. Bis ins hohe Alter war Peter Giesen noch so agil, dass er im Fernsehen keine politische Sendung verpasste. Krankheitsbedingt musste er seine letzten Monate in einem Pflegeheim verbringen.