Jüchen: NRW-Finanzminister hilft Landwirten, die sich wegen der neuen Düngeordnung um ihre Existenz sorgen

Landwirtschaft in Jüchen : Landwirte sorgen sich um ihre Existenz

Lutz Lienenkämper informierte über einen Antrag im Landtag mit dem Ziel, zu Regelungen zu kommen, die den Umweltschutz sicherstellen und gleichzeitig den Landwirten eine bedarfsgerechte Düngung ermöglichen.

Die neue Düngeverordnung bereitet den Landwirten in Jüchen große Sorgen. Sie fürchten gar um ihre wirtschaftliche Existenz. Kreisbauernschaftsverbands-Vorsitzender Wolfgang Wappenschmidt hatte das brisante Thema zwar schon beim Besuch von Ursula Heinen-Esser, NRW-Ministerin für Umwelt, Landwirtschaft, Natur und Verbraucherschutz, im Sommer auf dem Jägerhof in Jüchen angesprochen. Aber es wurde nicht ausdiskutiert. Deshalb hatte jetzt Bürgermeister Harald Zillikens Wappenschmidt und weitere Jüchener Landwirte zu einer Zusammenkunft mit dem NRW-Finanzminister Lutz Lienenkämper ins Jüchener Rathaus eingeladen.

Zillikens, der beim gut besuchten Termin mit der Ministerin ebenfalls anwesend war, muss bemerkt haben, dass die örtliche Bauernschaft noch viele unbeantwortete Fragen hatte und ihre Sorgen adäquat bei der Landesregierung vortragen wollten. Die Ministerin, die verspätet in Jüchen angekommen war, drängte nach ihrer Rede bereits wieder zum Aufbruch zu einem weiteren Termin.

Wappenschmidt konnte die Ministerin lediglich mit einer für Heinen-Esser offensichtlich noch ganz neuen Rechenweise konfrontieren. Die neue Düngeverordnung, die ab Mai 2020 eingeführt werden soll, fordere auch verschärfte Auflagen für die „roten“, mit Nitrat belasteten landwirtschaftlichen Gebiete. Und vor Ort gebe es „große rote Bereiche“. Da nach der neuen Verordnung aber immer für drei Jahre rückwirkend eine Dünge- bzw. Güllebedarfsertrags-Aufrechnung erstellt werden müsse, reduziere sich der landwirtschaftliche Ertrag im Laufe der Jahre somit automatisch auf Null. Damit werde die Existenz der Bauern kaputt gemacht, hatte Wappenschmidt vorgerechnet und die Ministerin nach einer Entschädigung oder einer Änderung der Düngeverordnung gefragt. Heinen-Esser konnte seine Fragen aber nicht beantworten. Die NRW-Landwirtschaftsministerin hatte Wappenschmidt versprochen, sich zu diesem Thema noch mal mit ihm zu einem Gespräch zu treffen.

Hauptkritikpunkte der Landwirtschaft sind laut der Stadt das Verfahren zur Ermittlung der Messergebnisse und die Vorverurteilung der Landwirtschaft als Verursacher, obwohl zahlreiche Grenzwertüberschreitungen in nicht landwirtschaftlich genutzten Gebieten liegen. So sind laut aktuellem Nitratbericht im Jüchener Stadtgebiet an 93 Prozent der Messstellen rückläufige Belastungen und bei fünf Prozent gleichbleibende Werte ermittelt worden. Auch attestiert das Gesundheitsamt des Rhein-Kreises Neuss dem Jüchener Trinkwasser eine hervorragende Qualität, der Nitratwert beim Wasser aus dem Wasserwerk Fürth liegt bei nur einem Milligramm pro Liter.

Die Landwirte wiesen darauf hin, dass in den vergangenen Jahrzehnten spürbare Verbesserungen hinsichtlich der Nitratbelastung im Grundwasser, der Biodiversität, dem Insektenschutz und dem Tierwohl erzielt worden seien. Die aktuellen politischen Forderungen würden zu Ertragsminderungen führen, was eine Verteuerung von Lebensmitteln, höhere Importe und damit auch einen höheren CO² - Ausstoß zur Folge hätte.

Die Landwirtschaft sei bereit, die gesellschaftlichen Forderungen nach sauberem Grundwasser, einer intakten Umwelt, einer CO²-Bindung sowie nach günstigen, hochwertigen und kontrollierten Lebensmitteln mit sinnvollen, fachlich fundierten und ausgewogenen Maßnahmen zu unterstützen. Man sei jedoch nicht bereit, ideologisch getriebene nicht zielführende Verordnungen umzusetzen, hieß es bei der Zusammenkunft. So sollte etwa eine Neubewertung der tatsächlichen Grundwasserbelastung unter Berücksichtigung aller Umwelteinflüsse und aller Eintragsquellen aus Industrie und Kanalisation erfolgen. „Die von unseren Landwirten vorgebrachten Argumente sind richtig und nachvollziehbar“, sagte der Bürgermeister und fügte hinzu. „Es sollten Regelungen gefunden werden, die unter Beachtung regionaler Unterschiede Umweltbelastungen dauerhaft reduzieren und Ertragsausfälle möglichst verhindern“. Lutz Lienenkämper bilanzierte: „Das war ein sehr sachlicher und sehr guter Dialog. Landwirte versorgen uns mit Lebensmitteln, sie schaffen Arbeitsplätze und sind aktiv in Umwelt-, Tier- und Naturschutz.“ Zudem kündigte er Hilfe an: Die Fraktionen von CDU und FDP hätten im Landtag einen Antrag mit dem Ziel gestellt, zu Regelungen zu kommen, die den Umweltschutz sicherstellen und gleichzeitig den Landwirten, auch in belasteten Gebieten, eine bedarfsgerechte Düngung ermöglichten.