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Jüchen: Nach Stammzellentransplantation geht der Kampf gegen den Knochenkrebs weiter

Leni Jorißen zurück in Gierath : Trotz Krebs die Hoffnung nie verloren

Die knochenkrebskranke Leni Jorißen hat die Zellen-Transplantation überstanden und ist wieder zu Hause. Jetzt geht ihr Kampf gegen den Krebs weiter. Doch sie ist optimistisch und glaubt an ihre Heilung.

Zuversicht und Optimismus strahlt die knochenkrebskranke Leni Jorißen aus. Nach fünf harten Wochen im Uni-Klinikum Essen, wo sie einer Stammzellentransplantation unterzogen worden ist, durfte sie nun wieder nach Hause, nach Gierath. Doch der Kampf gegen die heimtückische Krankheit hat erst begonnen. Erst nach etwa zwei Jahren werde es sich zeigen, ob die neuen, gesunden Stammzellen auch die restlichen kranken, eigenen Zellen besiegen: Das weiß die gelernte Kinderkrankenschwester, die bis zum Ausbruch ihrer Krankheit noch im Lukas-Krankenhaus in Neuss tätig war.

 Die krebskranke Leni Jorißen ist nach der Stammzellentransplantation wieder zu Hause in Gierath.
Die krebskranke Leni Jorißen ist nach der Stammzellentransplantation wieder zu Hause in Gierath. Foto: Gundhild Tillmanns

Als dann bekannt wurde,. dass nur noch eine Transplantation mit fremden Stammzellen Lenis Leben möglicherweise retten konnte, organisierte auch das Lukas-Krankenhaus eine Typisierungsaktion. Die erste Aktion war von zwei Freundinnen der Kranken in Gierath mit großem Erfolg gestartet worden, eine dritte kam von engagierten Schützen aus Grevenbroich-Wevelinghoven hinzu. Und wie ein Wunder fand sich tatsächlich ein passender Spender, allerdings nicht aus diesen drei Aktionen, sondern aus Dresden. Schicksalhaft erfuhr Leni Jorißen an ihrem 53. Geburtstag von dieser Spenderin. Die muss aber zwei Jahre lang anonym bleiben, bis auch klar ist, ob Leni Jorißen als Empfängerin wirklich krebsfrei geworden ist.

Sie hat der Spenderin aber über die Uni-Klinik Essen einen Dankesbrief zu kommen lassen: „ Da wir ja noch anonym bleiben müssen, habe ich meine Spenderin mit dem englischen Wort Hope für Hoffnung angeredet und mich selbst Lucky, wie glücklich, genannt“, berichtet Leni Jorißen.

Dabei waren die vergangenen fünf Wochen im Uni-Klinikum Essen eine harte Prozedur für Leni. Die neuen, fremden Stammzellen arbeiteten in ihrem Körper gegen die krebskranken Zellen mit voller Macht an: Darm, Leber und Haut reagierten mit teilweise so starken Schmerzen (Magenkrämpfen), dass sie zeitweilig sogar Morphium bekam.

Dennoch behielt Leni Jorißen ihre pyschische Stärke und ihre lebensbejahende Einstellung. Wenn es ihr ein wenig besser ging, dann betrieb sie sogar Sport während ihrer Zeit in der Klinik. Und sie ist sicher: „Eine positive Einstellung kann zwar den Krebs nicht heilen, sie kann aber die körpereigenen Kräfte mobilisieren und den Gesundheitszustand auf jeden Fall bessern.“ Sie sei immer ein optimistischer Mensch gewesen, sagt die Mutter von zwei erwachsenen Kindern (Maike, 19 und Hendrik, 22 Jahre alt.) „Vielleicht habe ich das von meiner Mutter mitbekommen. Die war 30 Jahre lang krank, bevor sie starb. Sie hatte fast nur künstliche Gelenke und immerzu Schmerzen, aber meine Mutter war immer optimistisch. Sie hat nie geklagt oder gejammert.“ So ist Leni Jorißen auch schon voller Pläne für die Zukunft.

Denn, obwohl sie weiß, dass es bei Knochenkrebs nur eine zehnprozentige Heilungschance gibt, noch eine schwere Zeit vor ihr liegt und Rückschläge durchaus möglich sind, sagt sie voller Überzeugung: „Ich zweifle nicht daran, dass ich es schaffe.“ Ihr Ziel sei es, nach der Heilung aktiv bei der Deutschen Knochenmarksspenderdatei (DKMS) mitzuarbeiten, bei Typisierungsaktionen mitzuhelfen, oder in der Öffentlichkeit über ihren Fall zu sprechen und ein gutes Beispiel zu geben, wie wichtig Typisierungen sind. Auch vom Krankenhaus aus war Leni schon so etwas wie eine Botschafterin, denn sie hat über Facebook immer wieder mitgeteilt, wenn es auch für andere Krebskranke Typisierungsaktionen gab. Sie ist sicher, dass unter den 1000 Spendenwilligen, die sich bei den drei Aktionen in Jüchen, Neuss und Gierath eingefunden haben, etwa 200 potenzielle tatsächliche Stammzellenspender sein werden. Außerdem seien Geldspenden von fast 6000 Euro bei den Aktionen zusammengekommen, die ebenfalls dringend benötigt würden. Denn die Stammzellenuntersuchungen seien teuer.

Zu ihrem Alltag werden nun nach der Entlassung aus dem Krankenhaus zwangsläufig noch eine Vielzahl von Schutzmaßnahmen gehören. Denn durch ein Medikament muss sechs Monate lang ihr Immunsystem komplett „heruntergefahren“ werden, damit sich die neuen Stammzellen einnisten können. 32 Tabletten muss sie täglich einnehmen, darunter alleine vier Antibiotika. Sie darf nur maximal zwei Besucher gleichzeitig in ihr speziell gereinigtes Haus lassen, die aber infektfrei sein müssen. Auch beim Essen muss die Krebskranke vieles beachten, nur keimfreie und durchgegarte Nahrung zu sich nehmen.

Eine schon etwas euphorische Einladung ihrer Gierather Freundinnen nach ihrer Rückkehr aus dem Krankenhaus, zur nächsten Damen-Karnevalssitzung zu kommen, musste Leni Jorißen natürlich zunächst mal „auf die längere Bank schieben“. Denn sie darf nicht auf die Straße, muss nicht nur größere, sondern sogar kleine Menschenansammlungen meiden. Und sogar Spaziergänge unternimmt sie nur in Begleitung ihres Ehemannes Dirk und mit einem speziellen Mundschutz gegen Bakterien und Viren in der Luft: „Wir fahren dann immer mit dem Auto zu Stellen, wo es Spazierwege gibt, auf denen man möglichst keine Menschen trifft.“ Dankbar und froh ist Leni Jorißen über die große Unterstützung ihrer Familie und Freunde: „Wir hatten auch vor meiner Krankheit schon ein gutes Familienleben. Unser Zusammenhalt ist jetzt noch enger geworden“, freut sie sich und sagt: „Ich hätte nicht gedacht, das es mir nach meinem Krankenhausaufenthalt zu Hause so gut gehen würde, wie es mir jetzt geht. Ich bin dankbar für jeden Moment, in dem ich leben darf. Und ich glaube ganz fest an meine Heilung.“