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Jüchen: Nach Praxisschließung - Familie Laufs sorgt sich um Patientenakten

Bürgermonitor : Jüchener in Sorge um Patientenakten

Plötzlich gab es den Hausarzt von Familie Laufs nicht mehr. Seitdem fürchtet die Jüchener, dass sensible Daten in die falschen Hände geraten könnten.

30 Jahre lang hatte Familie Laufs aus Jüchen einen bewährten Hausarzt vor Ort. Eines Tages standen Gustav, Pierre und Margret Laufs vor den verschlossenen Türen „ihrer“ Hausarztpraxis. Der Arzt blieb unerreichbar, und die wildesten Gerüchte kursierten bereits „im Dorf“ um die Schließung der Praxis.

Gustav Laufs ist seither in großer Sorge, was aus den Patientenakten in der aufgegebenen Arztpraxis wird. Er hat deshalb an die Ärztekammer, die Kassenärztliche Vereinigung (KV) und ans Gesundheitsministerium NRW geschrieben, bislang aber bis auf die Eingangsbestätigungen keine inhaltlichen Antworten erhalten. Er befürchtet, dass Fremde an die sensiblen Daten aus den Patientenakten gelangen könnten. 

„Es muss doch nur ein Entrümpler mit der Räumung der Arztpraxis beauftragt werden, und schon landen unsere Akten in fremden Händen“, sagt er. Er braucht die Akten zudem, weil sie wichtige Diagnosen und Therapiehinweise beinhalteten, die für die Weiterbehandlung bei ihrem inzwischen gefundenen neuen Hausarzt erforderlich seien. „Wir wollen doch nicht alle Diagnoseverfahren erneut durchlaufen müssen“, sagt Laufs, dessen Sohn etwa an Morbus Crohn leidet: „Es hat Jahre gedauert, bis wir die Diagnose hatten“, sagt er.

Nachdem der Jüchener von der KV NRW am Telefon vertröstet worden war, er müsse mindestens vier Wochen auf eine Antwort rechnen, kontaktierte er unsere Zeitung. Auf Anfrage unserer Redaktion meldeten sich denn auch jeweils binnen eines Tages die KV und die Ärztekammer NRW. Die Ärztekammer will dem Jüchener nach eigenen Angaben jetzt helfen. „Die Ärztekammer Nordrhein wird im vorliegenden Fall eine Sachstandsklärung vornehmen und darauf hinwirken, dass den Patienten Einsichtsrecht ermöglicht wird und ihnen Kopien gefertigt werden“, sagt eine Sprecherin der Ärztekammer.

Die rechtliche Situation, die auch die KV NRW gegenüber unserer Zeitung bereits ausgeführt hatte, sei eindeutig. Ärzte haben laut der Kammer und der KV nach ihrer Berufsordnung die Pflicht, nach Aufgabe der Praxis ihre ärztlichen Aufzeichnungen und Untersuchungsbefunde aufzubewahren oder dafür Sorge zu tragen, dass sie in „gehörige Obhut“ gegeben werden. Ärztliche Aufzeichnungen müssen für die Dauer von zehn Jahren nach Abschluss der Behandlung aufgehoben werden, betonen Ärztekammer und KV auch mit Bezug auf den Fall in Jüchen.

Gebe ein Arzt seine Praxis auf, bleibe er weiterhin für die ordnungsgemäße Aufbewahrung der Patientenakten in der Pflicht. Die Aufbewahrungsfristen seien zu beachten und die Auskunftsrechte der Patienten blieben bestehen, informiert die Sprecherin der Ärztekammer. Auch zur Beantwortung von Versicherungsanfragen müsse der Zugriff auf die Akten bestehen bleiben, etwa im Hinblick auf Fragen zur Berufsunfähigkeit, teilt die Ärztekammer mit.

„Unsere Fachabteilungen sind bereits dabei, dem Fall nachzugehen und zu prüfen, ob ein Verstoß gegen das Vertragsarztrecht vorliegt“, sagt ein Sprecher der Kassenärztlichen Vereinigung. Bei Patientenakten müsse die Ärztekammer hinzugezogen werden, da die Wahrung ärztlicher Dokumentationen grundsätzlich unter das ärztliche Berufsrecht falle und seitens der Kammer überwacht und unter Umständen bestraft werde. Danach verbleibe auch im Fall einer Praxisschließung die Pflicht zur Aufbewahrung der entsprechenden Unterlagen beim Arzt oder bei seinen Angehörigen.

Fazit: Problem noch nicht gelöst