Jüchen: Mahnwache für Arbeitsplätze bei RWE

RWE-Kundgebung für den Arbeitsplatzerhalt: Mahnwachen in Jüchen begleiten Demo von RWE

Am Tagebau Garzweiler und in einer Großdemo kämpfen RWE-Mitarbeiter für ihre Arbeitsplätze „in der Kohle“. Der Jüchener Bürgermeister fährt mit zur Demo und appelliert an die Politik, sich an die Leitentscheidung zu halten.

Um ihre Arbeitsplätze bangen die RWE-Mitarbeiter in der Region. Darauf machen sie in Mahnwachen aufmerksam, die auf der Aussichtsplattform am Tagebau Garzweiler in Hochneukirch und auf dem Skywalk in Jackerath bis einschließlich 29. Oktober stattfinden sollen. Rund um die Uhr wechseln sich die RWE-Mitarbeiter in kleinen Gruppen an den Mahnwachen ab und begleiten damit ebenso wie die für heute in Elsdorf angesetzte Großkundgebung den Besuch der Berliner „Kohlekommission“ im Rheinischen Revier. Für die RWE-Mitarbeiter geht es im Wortsinne um die Existenz, denn sie sorgen sich nicht nur um den Erhalt ihrer Arbeitsplätze. Nicht wenige haben nach den gewalttätigen Attacken und Drohungen der Kohlegegner auch regelrecht Angst um ihr Leben, wie es immer wieder in jüngster Zeit in Gesprächen mit RWE-Mitarbeitern zu hören ist. So berichteten auch RWE-Mitarbeiter der Mahnwache in Hochneukirch, sie seien mit Steinwürfen bedroht worden. Und sie seien angewiesen worden, jedes Mal wenn sie nach der Arbeit in ihre Autos stiegen, zuvor die Radmuttern zu kontrollieren, ob diese nicht von Aktivisten mutwillig gelöst worden seien, um Unfälle zu verursachen.

Der Jüchener Bürgermeister Harald Zillikens hat keinerlei Verständnis für derartige Gewaltbereitschaft bei Kohlegegnern. Er wird heute bei der Großkundgebung in Elsdorf mit dabei sein und sagt, dies sei sein Beitrag zur Solidarität mit den RWE-Mitarbeitern. Zillikens hält rein gar nichts davon, von der Leitentscheidung abzuweichen, die den Kohleausstieg auf das Jahr 2045 festschreibt. Im Gegenteil: Er werde am Freitag auch beim Besuch von Ronald Pofalla in der Neusser Raketenstation dabei sein. Und wenn er die Gelegenheit haben sollte, dem Vorsitzenden der „Kohlekommission“ ins Gewissen zu reden, dann werde er die Gelegenheit dazu nutzen: „Ein vorgezogener Kohleausstieg schon in 17 Jahren, wie es Herr Pofalla angedeutet hat, würde für Jüchen und unsere Region auch bedeuten, dass wir die Rekultivierung überhaupt nicht hinbekommen können“, sagt Zillikens.

Dazu komme natürlich der Verlust der Arbeitsplätze, der Wirtschafts- und Kaufkraft, die sich für Jüchen nur schwer in Zahlen fassen lasse, aber gravierend sein werde. Umso wichtiger sei es, so schnell wie möglich neue Arbeitsplätze durch Neuansiedlungen geschaffen werden, zielt der Bürgermeister auf das geplante interkommunale Gewerbegebiet mit Logistikterminal ab, das gemeinsam mit Grevenbroich und einer aus RWE und duisport AG bestehenden Entwicklungsgesellschaft erschlossen werden soll. Allerdings fragt sich Zillikens, warum sich die Landesregierung so schwer tue, endlich die von allen Beteiligten immer wieder geforderte Verkehrsanbindung durch die Herabstufung der A540 auf eine Bundesstraße zu genehmigen? Er selbst bringe das Thema zum Beispiel auch im NRW-Verkehrsministerium schon seit 2009 immer wieder auf die Agenda, als es noch um das Vorgängerprojekt eines kleineren Geländes gegangen sei. Auch fragt sich der Jüchener Bürgermeister: „Warum macht die Landesregierung keine klare Aussage zur Leitentscheidung bis 2045? Wir brauchen diese Zeit für einen geordneten Strukturwandel“, betont Zillikens, der an der Gestaltung dieses Strukturwandels aktiv mitarbeitet. Deshalb engagiert er sich im Braunkohleausschuss, im Zweckverband Tagebaufolge(n)landschaften, im Rheinsichen Sixpack und in einer Arbeitsgruppe des Regionalrates. Was Jüchen und das Revier dringend für das Gelingen des Strukturwandels brauche, sei mehr Planungsfreiheit, um Gewerbe und Industrie mit weniger Bürokratie und Zeitaufwand ansiedeln zu können, sagt Zillikens. Denn die Unternehmen, die aktuell im Rheinischen Revier noch ansiedeln oder expandieren wollten, zögen auch ebenso schnell wieder woanders hin, wenn für sie nicht klare Planungszusagen „möglichst sofort“, aber bis spätestens Ende 2019 gemacht werden könnten. Und dazu gehöre auch der Aspekt, vor allem bezahlbaren Strom auch in Zukunft für die Region und die Unternehmen zusichern zu können.

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