Jüchen: Kaninchenzüchter haben jeden Tag Ostern

Kaninchenzüchter: Jüchener haben jeden Tag Ostern

Der Kaninchenzüchterverein Bedburdyck zählt derzeit Hunderte Jungtiere. Er nimmt mit seinen Tieren an Wettbewerben teil.

Für Heinz-Josef Franken und Ralf Kremer ist eigentlich jeden Tag Ostern. Die beiden Männer stehen in einem Hinterhof in Jüchen-Rath, um sie herum reiht sich ein Kaninchenkäfig an den nächsten. In ihren Händen halten sie etwas, das wie ein winziges, dunkles Wollknäuel aussieht: ein Kaninchenbaby, das vor wenigen Stunden geboren ist. "Über jede einzelne Geburt freuen wir uns, sie ist immer etwas ganz Besonderes", sagt Kremer.

Franken und Kremer sind zwei von elf Mitgliedern des Kaninchenzüchtervereins Bedburdyck, gegründet im Jahr 1925. Sie schwärmen für Kaninchen und züchten sie für Ausstellungen. Die Mitglieder nehmen regelmäßig an Wettbewerben teil. Dabei werden die Kaninchen nach Rasse und Alter unterschieden, Preisrichter bewerten sie nach Schönheitskriterien wie etwa Gewicht, Körperform, Fellhaar, Farbe oder Pflegezustand.

Wie er das Interesse für Kaninchen entwickelt hat, weiß Franken noch genau. 1985 war er im Urlaub in Norddeutschland und sein Nachbar dort hielt Kaninchen in seiner Garage. "Eines Tages war das Wetter draußen schlecht und ich kam auf die Idee, zum Nachbarn zu gehen. Die Kaninchen haben mich sofort fasziniert", sagt der heute 60-Jährige schmunzelnd. Zwei Jahre später trat er dem Kaninchenzüchterverein Bedburdyck bei.

Heute verbringt Franken unter der Woche je eine — am Wochenende auch mal zwei bis drei Stunden am Tag mit seinen Lieblingstieren. Das ist nicht ganz günstig: Die monatlichen Kosten für Futter, Impfungen, Stallanlage und Heu betragen etwa 100 Euro pro Mitglied. Rund 50 Zuchtkaninchen und 200 Jungtiere zählt der Züchterverein derzeit. Etwa 60 bis 70 Prozent davon eignen sich laut dem Vorsitzenden Ralf Kremer für die Wettbewerbe. "Wenn wir zu einer Ausstellung fahren, möchten wir natürlich weit vorne landen", sagt der 55-Jährige.

1995 gewann zum Beispiel Franken mit einem Schwarzsilberkaninchen erstmals den Landesmeistertitel. 20 weitere Auszeichnungen folgten, darunter mehrere Titel auf Bundesebene. Die höchstmögliche Bewertung sind 100 Punkte. "Unser Rekord liegt bei 98", betont Franken. Das Preisgeld für gewonnene Meisterschaften liegt zwischen 25 und 50 Euro. Wichtiger sind den Züchtern aber die Pokale und Medaillen als Zeichen der Anerkennung.

Der Verein züchtet die Kaninchen zwar extra für Ausstellungen, manche werden im Laufe der Jahre aber auch verkauft. Einige der Kaninchen landen jedoch ganz woanders: im Kochtopf. Etwa ein Drittel der Tiere, sagt Kremer, würden im Alter geschlachtet. Sein Vereinskollege Franken versucht aus diesem Grund, keine zu enge Bindung zu den Tieren aufzubauen. Das gelingt nicht immer: "Hier leben Kaninchen, die schon sieben, acht Jahre alt sind, weil ich es nicht über das Herz bringe, sie zu schlachten", gibt Kremer zu. Stattdessen füttert er sie weiter jeden Tag mit allerlei Gemüse. Zu Ostern dürfen sie allerdings kein spezielles Menü erwarten: "Sie sind schließlich Zuchttiere."

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