Jüchen: Ideen fürs "Innovation Valley" gesucht

Zweckverband plant auch für Jüchen : Ideen fürs „Innovation Valley“ gesucht

Der Zweckverband „Landfolge Garzweiler“ will auf der bis zu 4000 Hektar großen Rekultivierungsfläche in Jüchen das Projekt „Innovation Valley“ umsetzen. Im kommenden Jahr soll dazu ein Ideenwettbewerb gestartet werden.

Für die Menschen weithin sichtbar will der Zweckverband „Landfolge Garzweiler“ im nächsten Jahr neue Vorhaben anschieben. Geplant sind ein Ideenwettbewerb für ein „Innovation Valley“ auf Jüchener Stadtgebiet sowie der Planungsstart für ein Dokumentationszentrum in Erkelenz-Holzweiler. Ebenso für einen Landschaftspark am Tagebaurand in Mönchengladbach-Wanlo. Weitere punktuelle Projekte, wie die in diesem Jahr in Jüchen geschaffene Fläche für Insekten, sind ebenfalls vorgesehen, kündigt Geschäftsführer Volker Mielchen an. Beispielsweise eine erste Informations-Stele in Jackerath. Die soll auf das „Grüne Band“ hinweisen, das Fahrradfahrer in Zukunft um den Tagebau leitet.

Mönchengladbach, Erkelenz, Jüchen und Titz haben den Zweckverband „Landfolge Garzweiler“ im Dezember 2017 gegründet. Zuvor hatten die Tagebauanrainer in Fragen des Strukturwandels bereits informell zusammengearbeitet. Im Oktober 2018 wurde Volker Mielchen zum Geschäftsführer bestellt. Mit einer ähnlichen Aufgabe war er bis dahin im Lausitzer Revier betraut. Vor einem Jahr hat der Zweckverband seine Geschäftsstelle in Kuckum (alt) bezogen, wo Mielchen mit einer Assistentin und einem Projektleiter zusammenarbeitet. Stellen für zwei weitere Projektleiter sind derzeit ausgeschrieben.

Volker Mielchen (Mitte) ist seit einem Jahr Geschäftsführer des Zweckverbands Landfolge Garzweiler. In der Geschäftsstelle in Kuckum (alt) trifft er sich regelmäßig mit einem Lenkungskreis, um Pläne und Projekte mit den beteiligten Kommunen Mönchengladbach, Erkelenz, Jüchen und Titz abzustimmen. Foto: Speen

Vorarbeit hatten die vier Kommunen bereits geleistet, als Mielchen vor einem Jahr seine Aufgabe antrat. Ein Expertenteam hatte 2016 damit begonnen, ein Drehbuch zu entwickeln, um den anstehenden Strukturwandel frühzeitig zu gestalten. Zwei der großen Projekte, die in diesem Drehbuch beschrieben werden, konnten 2019 so weit vorangebracht werden, „dass die Verbandsversammlung im November zum ,Grünen Band’ das Leitbild beschließen und dass 2020 zum ,Innovation Valley’ ein Ideenwettbewerb ausgeschrieben werden kann“, kündigt Volker Mielchen an.

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Grünes Band Eine seit 2016 verfolgte Idee lautet, den Tagebau mit einem Grünzug zu umgeben, der touristisch genutzt werden kann, aber auch Anlieger davon abschirmt. Mielchen erklärt: „Klar ist, dass wir einen Rundweg um den Tagebau wollen. Hinzu werden, beispielsweise in Siedlungsnähe, Flächen mit parkähnlichem Charakter kommen, Flächen für Landwirtschaft und Beweidung, Blühstreifen und Plätze für bauliche Entwicklungen, wenn aus dem Tagebau einmal ein See geworden ist.“ Bei all diesen Entwicklungen will der Zweckverband eng mit der Landwirtschaft zusammenarbeiten. Vorgesehen ist auch, die Bevölkerung einzubeziehen.

Als ein Projekt im „Grünen Band“ ist geplant, in Wanlo einen linear zum Tagebauwall verlaufenden Landschaftspark anzulegen, kündigt Mielchen an. Etwa einen Kilometer könnte der lang werden und sei bis zur künftigen Tagebaukante zu denken. „Dazu wird es vermutlich einen Wettbewerb geben, den wir im nächsten Jahr vorbereiten“. In Wanlo sei „ein guter Platz, um das Thema Erholung anzuordnen“.

Dokumentationszentrum 2020 wird das Jahr sein, in dem der Zweckverband „Landfolge Garzweiler“ sich mit der Frage beschäftigen will, wo und wie in Erkelenz-Holzweiler ein Dokumentationszentrum eingerichtet werden kann. „Darin wollen wir nicht erklären, wie der Tagebau funktioniert, sondern anspruchsvoll aufarbeiten, wie er die Landschaft verändert und was er für die Menschen bedeutet.“ Kontakt mit dem Heimatverein der Erkelenzer Lande, der ein virtuelles Museum für die verlorene Heimat betreibt, sei schon aufgenommen worden. „2020 werden wir überlegen, wie wir das Dokumentationszentrum betreiben wollen und wo es errichtet wird.“ Es gehöre unmittelbar an den Tagebaurand und solle „ein starkes Bild“ abgeben. Der Zweckverband erhoffe sich einen nachhaltigen, innovativen Bau.

Innovation Valley Vorbereitet wird vom Zweckverband für das nächste Jahr ein Ideenwettbewerb, wie mit der Rekultivierungsfläche in Jüchen umzugehen ist. „Gefragt sein werden gemischte Teams mit unterschiedlichen Fachkompetenzen und mit möglichst internationaler Erfahrung“, erklärt Volker Mielchen. Zu gestalten sei eine 3000 bis 4000 Hektar große Fläche: „Dafür ist frei zu überlegen, wie darauf im Jahr 2040 eine innovative Zukunft aussehen wird, die Wohnen, Forschung, Landwirtschaft und Industrie umfassen könnte.“

Unsicherheit schwingt bei allen Projektideen weiterhin mit. Das kann Volker Mielchen nicht bestreiten. So lange die Bundespolitik nicht abschließend geklärt hat, wie der Ausstieg aus dem Braunkohleabbau gestaltet werden soll, „lassen sich keine strukturellen Projekte umsetzen“, erklärt der Geschäftsführer von „Landfolge Garzweiler“ und erneuert die Forderung nach „schnellstmöglicher Klarheit und Verbindlichkeit aus Berlin“. Das bisherige hin und her sei für niemanden gut, „vor allem nicht für die Menschen, deren Zukunft vom Tagebau abhängt“.

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