Jüchen: Hofkirchengemeinde hat erstmals keine stabilen Mitgliederzahlen mehr.

Hofkirchengemeinde : Stadt Jüchen: Kirche hofft auf Zugänge

Der Pfarrer der Hofkirchengemeinde feiert sein silbernes Ordinationsjubiläum. Horst Porkolab erhofft auch einen Gemeindezuwachs, wenn die Stadt Jüchen ab dem nächsten Jahr auch neue Wohngebiete entwickelt.

Für den 56-jährigen Pfarrer Horst Porkolab teilt sich das Leben jetzt in zwei gleich lange Hälften: „Ich habe 28 Jahre lang in Rumänien gelebt und bin hier jetzt auch genau seit 28 Jahren“, rechnet er vor und freut sich auf sein silbernes Ordinationsjubiläum, das er Ende September mit seiner evangelischen Hofkirchengemeinde feiern möchte. Zur Gestaltung des Festgottesdienstes soll aber auch sein katholischer Amtsbruder Ulrich Clancett beitragen. Die Ökumene haben die Hofkirchengemeinde und die benachbarte St. Jakobus-Pfarrei ausgerechnet im vergangen Luther-Jahr intensiviert und in diesem Jahr bereits fortgesetzt. Gehörte zu den insgesamt zwölf Veranstaltungen der Hofkirchengemeinde im Luther-Jahr 2017 auch eine viel beachtete Podiumsdiskussion gemeinsam mit Vertretern der katholischen Kirche, so gab es jetzt Ende Juni eine Fortsetzung mit einem ökumenischen Abend. Dabei standen die Fragen der Gemeindemitglieder im Mittelpunkt. Porkolab hält aber die durchaus vor Ort weiterhin gewollte Ökumene nur für sinnvoll, wenn zugleich auch das evangelische Profil weiter geschärft wird. „Für uns war das Jahr sehr wichtig in der Selbstbestimmung und in der Rückbesinnung auf unsere Positionen“, sagt der Pfarrer. Und das sei kein Verweilen im 16. Jahrhundert gewesen, im Gegenteil: „Wir haben neue Thesen für unsere Gemeinde entwickelt, wie wir zum Beispiel die Gottesdienstordnung revidieren. Wir haben Lektorendienste eingeführt, um die Gemeinde stärker zu beteiligen“, nennt Porkolab nur einige Beispiele. Und für Mitte September sei eine Fahrt sozusagen auf den Spuren des Heidelberger Katechismus mit Gemeindemitarbeitern nach Heidelberg zu einem bekannten Theologieprofessor geplant.

Pfarrer Horst Porkolab von der evangelischen Hofkirchengemeinde Jüchen mit seiner Ordinationsurkunde, die er vor 25 Jahren erhielt. Foto: Gundhild Tillmanns

Die Hofkirchengemeinde war bislang immer die einzige Gemeinde im Kirchenkreis mit einer stabilen Mitgliederzahl. Das ändere sich inzwischen durch die demografische Entwicklung: „Wir haben zwar nicht besonders viele Kirchenaustritte, aber es fehlen die Neuzuzüge. So sind die Zahlen der Beerdigungen höher als die der Taufen und Neuzugänge“, bedauert der Pfarrer. Mittlerweile sei die Zahl der Gemeindeglieder von 2500 auf etwa 2400 zurückgegangen. Umso wichtiger sei aber auch die Kinder- und Jugendarbeit, die Jugendleiter Rene Bamberg mittlerweile mit zwei Kindertreffs in Jüchen und Bedburdyck, einem Jugendtreff in Bedburdyck und einem Jugendtreff im Aufbau in Jüchen auf die Beine gestellt hat. Neue Gemeindeglieder erhofft sich Porkolab auch durch die Entwicklung von neuen Wohngebieten, wenn Jüchen im kommenden Jahr zur Stadt wird.

Aber auch nach 28 Jahren in Deutschland sei seine Seele immer noch in Rumänien, gibt der Siebenbürgersachse Horst Porkolab zu. Daheim mit den Eltern und seiner Frau spricht er noch den Dialekt der deutschstämmigen Minderheit aus Siebenbürgen. Seine 20-jährige Tochter und der 25-jährige Sohn verstehen den Dialekt, sprechen ihn aber nicht. Es sind zwei Welten, wie Porkolab vor allem auch das Leben der deutschen und christlichen Minderheit im vormals kommunistischen Rumänien beschreibt und mit seiner heutigen Gemeinde vergleicht. „Die Kirche war für uns in Siebenbürgen ein Freiraum, sie war unsere kulturelle Identität“, erinnert er sich und verrät ein „Projekt“, das jetzt schon so langsam zehn Jahre vor seiner anstehenden Pensionierung in ihm reift: „Für später wäre es eine Option, nach meiner Pensionierung nach Siebenbürgen noch zu Vertretungsdiensten in die Kirche zurückzukehren,“ überlegt Horst Porkolab.