Jüchen-Hochneukirch: Integrationspreis für die Künstlerin Inge Broska

Integrationspreis für Inge Broska : Landrat soll das Hausmuseum retten

Inge Broska ist mit dem Integrationspreis des Rhein-Kreises ausgezeichnet worden. Das freut sie. Doch die Künstlerin hat gleichzeitig eine große Sorge: Die Zukunft ihres Museums mit Erinnerungen an die alten Dörfer ist ungewiss.

Unter dem Motto „Miteinander in Vielfalt und Toleranz“ stand der Integrationspreis, den Landrat Hans-Jürgen Petrauschke an Inge Broska aus Hochneukirch in Form einer Urkunde überreicht hat. Diese Ehrung hat die 77-jährige Künstlerin, ehrenamtliche Integrationshelferin und Hüterin ihres Hausmuseums in Hochneukirch zum Anlass genommen, dem Landrat ihr großes Problem ans Herz zu legen: Die Frage, wie es mit dem Hausmuseum in dem denkmalgeschützten Jugendstilhaus weitergehen soll.

Am Dienstag möchte Broska mit dem Landrat über eine mögliche Nachfolge sprechen. Bei dieser Gelegenheit wird sie ihm auch eine umfangreiche Unterschriftensammlung übergeben.

Broska ist es besonders wichtig, dass ihr Lebenswerk, bestehend aus unzähligen Gegenständen und Dokumenten vorwiegend aus Alt-Otzenrath, in dieser Form auch für die Öffentlichkeit erhalten bleibt. Vorschläge, die historischen Güter in andere Museen zu verlagern, lehnt sie grundsätzlich ab. Nun hofft sie auf die Hilfe des Landrates, denn die Stadt Jüchen habe ihr in der Nachfolgefrage nicht weiterhelfen können, bedauert Broska.

Die Ehrung, die sie jüngst für ihre Integrationsarbeit erfahren hat, nimmt sie gelassen hin. Bei der Preisverleihung wurden Projekte unterstützt, die Vielfalt, ein gleichberechtigtes und friedliches Miteinander in der Gesellschaft sowie gegenseitige Anerkennung, Toleranz und Verständigung fördern. Damit sollte ein Zeichen gegen Fremdenfeindlichkeit und Extremismus gesetzt werden.

Inge Broska hatte bereits 1992 ihr Projekt „Integration von Migrationsflüchtlingen vor Ort“ gestartet. Dabei greift sie aber nicht auf Institutionen oder auf einen Verein zurück. Ihr gesamtes Leben habe sie Integration schon gelebt, sie sei ihr durch das Beispiel ihrer Mutter in Fleisch und Blut übergegangen. Ihre Mutter habe in Alt-Otzenrath immer eine offene Türe und ein warmes Herz für Menschen jeden Alters, ohne Ansehen von Religion oder Abstammung gehabt, erinnert sich Inge Broska, die es heute ihrer Mutter nachtut. Sie betreut Flüchtlingsfamilien, macht mit den Kindern Hausaufgaben, vermittelt gegenüber Behörden, begleitet auch schon mal Flüchtlinge vor Gericht und kämpft für sie.

Da klingelt die Mutter von elf Kindern, die aus Mazedonien nach Hochneukirch geflüchtet ist, zufällig an der Türe beim Redaktionsbesuch an der Hochstraße. Und Inge Broska hilft, manchmal mit Essen, manchmal mit Geld: „Ich habe aber nur eine kleine Rente“, betont Broska, die sich bei aller Hilfsbereitschaft auch eine kritische Skepsis bewahrt hat: „Man muss auch Grenzen ziehen“, sagt sie.

Besondere Freude macht Inge Broska, die lange Jahre als Museumspädagogin im Bonner Frauenmuseum tätig war, nach wie vor die künstlerische Arbeit mit Kindern. Und dabei lautet Ihre Erfolgsstrategie: „Verständigung durch Kreativität = Integration“, berichtet die auch durch die Beschäftigung mit Kindern Junggebliebene.

Ein zentraler Baustein der Integrationsarbeit ist für Inge Broska das Kontaktcafé, das sie gemeinsam mit ihrem Partner Hans-Jörg Tauchert entwickelt hat. Oben im Hausmuseum, aber auch auf Touren durch Galerien, Schulen oder Kindergärten hat sich das Kontaktcafé mit seinem ungewöhnlichen Konzept bewährt.

Die Gehäuse alter Fernsehapparate, so wie sie die Neuzeit schon längst nicht mehr kennt, werden spielerisch zu Kommunikationsplattformen. Dabei beobachtet Broska vor allem bei Kindern, die noch fast kein Deutsch können, immer wieder die besondere Gabe, sich trotzdem kreativ verständlich machen zu können.

In den Osterferien bekommt sie dann oft Besuch sogar von begleiteten Kindergruppen aus Bonn, aber auch aus der Nähe. Sie lässt die Kinder Tonformen und Gipsabdrücke von Museums-Schätzchen machen, bringt ihnen aber auch alte Handwerkstechniken sowie das Zeichnen und Malen bei.

„Die Kinder müssen bei mir etwas lernen“, betont sie. Und dabei werde dann völlig automatisch eigentlich alles zur Integration: Das vermittelt Inge Broska Menschen jeden Alters, Deutschen und Migranten gleichermaßen durch ihre offene Art, auf die Menschen zuzugehen, ihre Energie, für sie zu kämpfen und ihre ansteckende Kreativität.