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Jüchen: Freiwillige helfen Flutopfern beim Wiederaufbau im Ahrtal

Unterstützung von Jüchenern beim Wiederaufbau : Freiwillige aus der Region helfen im Ahrtal

Über WhatsApp hat sich eine Gruppe von Jüchenern, Neussern und Korschenbroichern gefunden, die im Ahrtal helfen, Schlamm zu entfernen, Putz und Estrich zu stemmen oder Ansprechpartner vor Ort zu sein. Seit rund vier Monaten läuft die engagierte Hilfe für die von der Flutkatastrophe Betroffenen.

Sie haben Häuser vom Schlamm befreit, Dreck geschleppt, Putz und Estrich gestemmt. Sie helfen weiter und sind für Menschen in Not Ansprechpartner vor Ort: Eine Helfergruppe vom Naturschutzbund (NABU) fährt seit August regelmäßig zum Helfen an die Ahr, um nach den Überschwemmungen mit anzupacken.

Jeder der Aktiven hat das gleiche Ziel – den Betroffenen zu helfen. Optimal sind dafür die gut organisierten Strukturen vor Ort. Silke Bellingrodt (51) arbeitet bei der AOK, die auch Geschäftsstellen in der Eifel und an der Ahr hat. Da ein Kollege in Erftstadt betroffen war, fuhr die Glehnerin spontan hin, um den Keller seines Hauses vom Schlamm zu befreien. Das nächste NABU-Treffen der Jüchener Gruppe sagte sie ab, um wieder an die Ahr zu fahren, dabei fand sie Mitstreiter.

„Es entstand eine WhatsApp-Gruppe, der mittlerweile 50 Jüchener, Korschenbroicher und Neusser angehören“, erklärt Dieter Bienert (70) aus Jüchen. Er ist Rentner und fährt regelmäßig an die Ahr. Der ein oder andere der Helfer übernachtet auch schon mal vor Ort, um morgens gleich wieder zu helfen, erzählt er.  Doch die meisten sind berufstätig und pendeln am Wochenende in Fahrgemeinschaften zum Haribo-Gelände im Ahrtal, an dem sie je nach Bedarf eingeteilt werden. Unter anderem in Bad Neuenahr, Altenahr und Mayschoss waren die Helfer im Einsatz.

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Am Helfer-Camp ist die Warenausgabe. Dort erhalten die Freiwilligen ihr Werkzeug, Helme und Westen. Es gibt eine Erste-Hilfe-Station, einen Arzt und – wenn nötig – psychische Hilfe. Ein Schmied schärft und reinigt Meißel und andere Werkzeuge.

Auch Mike Zimmer (43) und sein Kollege Christian Fretz stießen über die WhatsApp-Gruppe zu den Helfern dazu. Zimmer erzählt, dass vor Ort Freundschaften entstünden – und dass seine Töchter es toll finde, dass der Vater hilft. „Ich bin kein Typ, der still sitzen kann. Wenn in Griechenland Katastrophen geschehen, kann ich nicht helfen. Aber bei uns vor der Tür kann ich das“, meint er. Vielen Menschen gehe das so, sie bräuchten nur einen Anstoß.

„Wir haben vom Helfen profitiert. Auch die Gespräche im Auto haben mir sehr gut getan“, erzählt Silke Bellingrodt und zeigt Bilder von einem kalten Sonntagmorgen. „Es war neblig und es hat aus Eimern geschüttet. Wir haben eine Schlange gebildet und Leergut und Müll gesammelt“. Ihre Tochter Stella (9) war in Eschweiler dabei und ist sehr stolz auf ihre Mutter. Der Viersener Christian Fretz berichtet von Gebäuden, die komplett unter Wasser standen und Menschen, die Angehörige verloren haben: „Da ist neben dem Anpacken auch das Zuhören wichtig“.

Zuerst kam nur „Drecksarbeit“, berichten die Helfer. Ganz übel war das Entfernen von kontaminiertem Schlamm. Zum Entkernen der gefluteten Häuser gehörte das Stemmen von Putz und Estrich. Wer das nicht konnte, konnte Schutt wegkehren, die Ufer des Ahrtals vom Unrat befreien, im Weinberg helfen und Weinkeller vom Schlamm befreien. Aktuell wird geputzt.

Anfangs brauchten die Helfer Zeit, um die Bilder der Katastrophe und das Schicksal der Menschen zu verarbeiten. „Klar ist, dass man auf sich aufpassen muss“, erzählt Bienert. Doch nach mehreren Monaten sind die Helfer routiniert und freuen sich über die Wertschätzung und die Dankbarkeit der Menschen vor Ort. Abends wird beim Sit-In im Helfer-Camp gegessen und erzählt. „Zurück zu Hause auf der Couch gehen einem viele Gedanken durch den Kopf“, erzählt Zimmer, den die Dankbarkeit der Menschen bewegt.

Auch weiterhin sind Helfer gefragt. Wer mitmachen möchte, kann sich bei Mike Zimmer unter der Rufnummer 0152 34080888 melden.