Jüchen: Ein grünes Band für den  Tagebaurand

Strukturwandel in Jüchen : Ein grünes Band für den Tagebaurand

Ein kleines Naherholungsgebiet entstand an der Grubenrandstraße. Der Zweckverband Tagebaufolge(n)landschaften Garzweiler stellte das erste Stück des „Grünen Bands“ vor, das in vielen Jahren einmal den Tagebau umschließen soll.

Auf 70 Kilometer Länge soll sich in Zukunft ein „Grünes Band“ rund um den RWE-Tagebau legen – ein ehrgeiziges Projekt wohl für Jahrzehnte. Doch der Anfang ist gemacht – in Jüchen. Vertreter des Zweckverbandes Tagebaufolge(n)landschaften Garzweiler, dem Jüchen angehört, der Stadt und von RWE stellten am Freitag das erste Teilstück am südlichen Ortsrand von Jüchen vor, wenige Meter von der gewaltigen „Grube“ entfernt.

Ein 4000 Quadratmeter großes Areal wurde in Kooperation mit Jüchen und RWE Power neu gestaltet. Durch die mit Bäumen und Sträuchern bepflanzte Fläche zieht sich ein Weg von der Jülicher Straße zunächst bis zum Vielheckerhof. Neben der Naherholung soll das Projekt auch dem Artenschutz dienen, Tieren und Pflanzen Raum geben.

Diese Tafel am Grünen Band informiert über das Frojekt. Foto: G. Tillmanns. Foto: Gundhild Tillmanns

Bei der offiziellen Eröffnung des Abschnitts sprach Bürgermeister Harald Zillikens von „einem ersten, symbolischen Schritt“. Er betonte die Zusammenarbeit der vier im Zweckverband beteiligten Gemeinden, neben Jüchen Erkelenz und Titz – deren Bürgermeister Peter Jansen und Jürgen Frantzen waren ebenfalls zur Eröffnung gekommen – sowie Mönchengladbach. Aufgabe des Zweckverbandes ist die Entwicklung des 430 Quadratkilometer großen Raumes unter Berücksichtigung des Strukturwandels. Milliarden an Strukturhilfen für die vom Braunkohle-Aus betroffenen Regionen würden in Aussicht gestellt, „wir werden einfordern, dass das Geld auch in den betroffenen Kommunen ankommt“, betonte Verbandsvorsteher Gregor Bonin. Wichtig sei es, neue Arbeitsplätze zu schaffen – aber auch, „den Menschen schnell zu zeigen, dass ihnen ein Stück Heimat wiedergegeben wird“, erklärte Bonin.

„Wir haben hier eine Fläche für Menschen, Tiere und Pflanzen geschaffen“, erläuterte Antonia Kühl von RWE Power, Abteilung Naturschutz und Landschaftsplanung. In einem Steinhaufen sollen sich Eidechsen und Amphibien wohlfühlen, ein Totholzhaufen soll für Inseken Behausung sei. „Und wir hoffen, dass sich im Gebüsch Haselmäuse ansiedeln“, sagte Kühl. Ein großer Erdhügel aus Löß zeugt nicht von weiteren Bauarbeiten, sondern wurde als Refugium für bodenbrütende Wildbienen angelegt. Die Apfelbäume sind auch für Menschen gedacht, die sich laut Kühl Äpfel pflücken dürfen. „Die Idee des grünen Bands finde ich gut, aber es sollte größer werden“, sagte Georg Puff, der Odenkirchener war am Freitag mit Rad und Kamera unterwegs. Für wichtig hält er die Projekte zum Schutz der Insekten, deren Zahl stark gesunken sei.

Die Pflege des Terrains wird die Stadt Jüchen übernehmen, die einige hundert Quadratmeter nebenan ebenfalls neu gestaltet hat. Von einem „Band“ kann man angesichts der fertiggestellten 0,4 Hektar noch nicht sprechen. Weitere Abschnitte sind geplant, die – wie Zweckverband-Geschäftsführer Volker Mielchen erläutert – an verschiedenen Stellen entstehen. Ein durchgehendes Band wird somit auf sich warten lassen. Als nächstes wird, so Mielchen, bei Titz-Jackerath ein Radweg in das Projekt integriert und aufgewertet. Und 2020 soll laut dem Ekelenzer Bürgermeister Peter Jansen ein weiterer Abschnitt bei Holzweiler realisiert werden.

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