Jüchen: Ehemalige Kirchendiener protestieren beim Bischof gegen die Absetzung der Regionaldekane

Regionaldekan Ulrich Clancett nimmt Abschied: Protestbrief an den Bischof

Ulrich Clancett muss sein Amt als gewählter Regionaldekan aufgeben, weil Bischof Helmut Dieser nur noch von ihm selbst bestimmte Regionaldekane einsetzen will. Gegen diese Praxis haben ehemalige, auch hochrangige Kirchendiener aus der Region einen offenen Protestbrief an den Bischof in Aachen geschrieben.

Für Ulrich Clancett aus Jüchen  und alle anderen Regionaldekane im Bistum Aachen geht am 31. August eine Ära zu Ende. Sie müssen ihr Amt niederlegen, weil der zuständige Bischof Helmut Dieser die bis dato gewählten Regionaldekane durch Regionalvikare ersetzt, die er selbst bestimmt und beruft. Pfarrer Klaus Hurtz aus Rheydt soll dann der neue Regionalvikar für Mönchengladbach, Jüchen und das Umland werden. Gegen die Entscheidung des Bischofs sind aber hochrangige, ehemalige Kirchendiener in einem offenen Protestbrief Sturm gelaufen. Zu den Unterzeichnern und Initiatoren des Protests gehören auch ehemalige Regionaldekane, wie etwa Albert Damblon aus Mönchengladbach.

Sie beklagen, dass ein vormals transparenter und demokratischer Prozess mit der Beteiligung der Basis nun abgeschafft werde. Stattdessen ernenne der Bischof seine neuen Generalvikare „hinter verschlossenen Türen“. Mit dieser Einstellung und Handlung könne man die katholische Kirche nicht zukunftsfähig machen, meinen die Theologen.

Ulrich Clancett, seit 2008 Regionaldekan, hatte nach eigenen Angaben zwar bei Bischof Dieser „mehr informell“ seine Bereitschaft bekundet, auch weiterhin dieses Amt auszuführen: „Ich habe aber nicht offiziell kandidiert, also kann ich auch nicht enttäuscht sein. Ich hege keinen Groll“, sagte er im Redaktionsgespräch. Der Hintergrund des offenen Protestbriefes sei ihm bekannt, auch wenn keine einzige Zeile daraus von ihm selbst stamme. Viele Mitglieder des Wahlgremiums hätten gewollt, dass er erneut Regionaldekan geworden wäre. Für Clancett, der zwei Amtszeiten hinter sich hatte, wäre dies aber nur theoretisch mit einer Ausnahmeregelung möglich gewesen: „Das hatte sich aber erledigt, weil der Bischof ja jetzt die neue Struktur mit den Regionalteams und den Regionalvikaren einführt“, erläutert Clancett.

Diese neue Struktur ist nach Angaben von Stefan Wieland, dem Pressesprecher von Bischof Helmut Dieser, auch der Tatsache geschuldet, dass aktuell in vier der acht Regionen des Bistums die Ämter des Regionaldekans vakant seien und in drei der anderen vier Regionen die Amtszeiten demnächst endeten oder vor kurzem geendet seien. Den Trend hat auch der 54-jährige Ulrich Clancett in seiner mittlerweile 27-jährigen Priesterzeit beobachtet: „Es finden sich einfach keine Kandidaten mehr für das Amt des Regionaldekans. Ich erinnere mich aus meiner Zeit als Messdiener, dass sich da noch manchmal bis zu vier Kandidaten für den Regionaldekan in öffentlichen Veranstaltungen in den Gemeinden vorstellten.“

Clancett wird aber über den 1. September hinaus Vorsitzender des großen Kirchengemeindeverbandes Mönchengladbach/Heinsberg mit seinen 21 Pastoraleinheiten und 160.000 katholischen Christen bleiben. „Von 190 Prozent Arbeit geht es dann auf 110 Prozent zurück“, sagt er. Denn auch als Gemeindepfarrer in Jüchen hat er viel zu tun, da jüngst ein Kollege ausgefallen ist und die Gottesdienststruktur bereits angepasst werden musste. Vor allem die Zahl der Beerdigungen nehme zu und damit die Dienste der einzelnen Geistlichen, stellt Clancett fest, der außerdem weiterhin als Radioprediger aktiv bleiben wird. Vom 25. bis 30. Juni wird er wieder in einer Predigtreihe täglich bei WDR 3 und 5 zu hören sein.

Und sozusagen als „Abschiedsgeschenk“ für die Pfarrgemeinden in seinem dann ehemaligen Bereich als Regionaldekan hat Clancett für November noch zu einer Klausurtagung nach Salzburg eingeladen. Dort wird es um den angestrebten Erneuerungs- und Zukunftsprozess der katholischen Kirche gehen.

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In dem Brief verdeutlichen die Protestler dem Bischof, dass jeder von ihnen „etliche Jahrzehnte im Dienst des Bistums Aachen als Priester, Diakon oder Pastoralreferent gearbeitet hat“ und nun im Ruhestand „die Entwicklung in der Region Mönchengladbach und im Bistum Aachen weiter mit heißem Herzen verfolgt“. Die Region Mönchengladbach, zu der auch die Pfarrgemeinden in Jüchen gehören,  habe in den vergangenen Jahrzehnten ein klares Profil entwickelt, vorangetrieben von engagierten Menschen in den regionalen Gremien, den Gemeinden und lnitiativen, den Verbänden und kirchlichen Vereinen und von zahlreichen pastoralen Mitarbeitern, erinnern sie. „Aus der Mitte der Region wurde der Regionaldekan gewählt - oft nach intensiver Befragung der Kandidaten und nach einem wirklichen Ringen um den weiteren Weg der Kirche in der Region Mönchengladbach“, schreiben die ehemaligen Kirchendiener und werden deutlicher: „Mit Bestürzung sehen wir nun, dass dieser synodale und demokratische Ansatz durch lhr Handeln aufgekündigt wird. Sie ernennen in einem völlig intransparenten Verfahren einen Regionalvikar, ohne dass klar wird, nach welchen Kriterien diese Ernennung erfolgt“, werfen sie Bischof Dieser vor. Weiter schreiben die Geistlichen: „Wir sehen diese Entwicklung mit großer Sorge, Die Art und Weise der Ernennung des Regionalvikars, der nun sein Amt ohne jegliche Legitimation seitens einer regionalen Wahlversammlung antreten muss, ist uns unverständlich.“

Außerdem werde dem neuen Regionalvikar, der einzig und alleine durch Bischof Dieser legitimiert sei, die neue Aufgabe übernehmen soll, die Arbeit zusätzlich schwer gemacht. Er werde persönlich wenig Zustimmung finden, befürchten die Ruheständler, die den Bischof zudem nach seiner Vision für die Zukunft des Bistums Aachen fragen, wo jetzt viele Entscheidungen im allerkleinsten Kreis hinter verschlossenen Türen nach intransparenten Kriterien gefällt würden. Im Bistum Aachen seien Transparenz und Partizipation Fremdwörter geworden. „Die Stimmung der aktiven Kollegen im pastoralen Dienst reicht von Resignation bis Ratlosigkeit und viele fragen sich:Was treibt den Bischof um, so im Bistum Aachen zu handeln?“, fragen die  Schreiber des offenen Protestbriefes.

Der Bischof habe eine besondere  Verantwortung, der er aber durch die Art und Weise der Ernennung des
Regionalvikars, nicht nur für die Region Mönchengladbach, in keiner Weise gerecht werde. Papst Franziskus zeige der Kirche doch gerade einen wahrhaft synodalen Weg, indem er viele Entscheidungen der Basis überlasse, erinnern die Geistlichen und appellieren an Bischof Dieser: „Nutzen Sie die Freiheit, die der Papst lhnen und uns allen in den
Ortskirchen einräumt und geben Sie diese Freiheit weiter an die Menschen im Bistum Aachen, die
noch an der Zukunft unserer Kirche interessiert sind!“

Dazu nimmt auf Redaktionsnachfrage der Sprecher des Bischofs von Aachen, Stefan Wieland, Stellung:

„Vom 1. September an werden acht Regionalteams den „Heute bei dir“-Prozess in den Bistumsregionen stärken. Diese setzen sich zusammen aus je einem Priester, mit dem ans Kirchenrecht angelehnten Titel „Regionalvikar“, einen durch den Bischof ernannten, in der Region tätigen pastoralen Mitarbeiter sowie einen durch den Regionalpastoralrat ernannten ehrenamtlichen Mitarbeiter. Der Regionalvikar wird künftig Aufgaben des Regionaldekans übernehmen. Bislang waren in vier der acht Regionen des Bistums die Ämter des Regionaldekans vakant; in drei der anderen vier Regionen enden demnächst bzw. endeten vor kurzem die Amtszeiten. Die Beauftragung der Regionalteams ist vorläufig und nur für den Zeitraum des Gesprächs- und Veränderungsprozesses bis zum 31. Dezember 2021 vorgesehen.“

Der offene Protestbrief werde aber nicht kommentiert, schreibt Wieland.