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Jüchen/Düsseldorf: Die Malerin Meral Alma nutzt die Corona-Zeit für "Alltags-Kunst"

Neue Projekte der Künstlerin Meral Alma aus Jüchen : Mit Kunst Menschen im Alltag erreichen

Die Malerin Meral Alma aus Hochneukirch, die 2021 wahrscheinlich erneut preisgekrönt wird, nutzt die Corona-Zeit für „Alltagskunst“. Sie bemalte etwa eine Vespa, brachte Kunst während geschlossener Museen und Galerien zu Menschen.

Was macht ein Künstler, wenn er seine Werke nicht zeigen kann, weil Galerien und Museen wegen der Corona-Pandemie nicht öffnen dürfen? Die international bekannte Malerin Meral Alma aus Hochneukirch hat die Antwort: Sie ist mit ihrer Kunst zu den Menschen gekommen, hat „Alltagsgegenstände“ wie eine Vespa und einen Hocker gestaltet. Sie sagt dazu: „So kann Kunst die Menschen in ihrem täglichen Ablauf erreichen. Wären die Museen, Ausstellungen und Galerien Corona-bedingt noch länger geschlossen gewesen, hätte dies sicher schneller eine deutlich größere Bedeutung gewonnen. Zeitgenössische Kunst sollte einfach viel stärker den öffentlichen Raum beeinflussen.“

Das von ihr größte bislang gemalte Bild Deutschlands, „Zirkus des Lebens, Akt /V“, das mittlerweile im Bahnhof von Karlsruhe der Öffentlichkeit präsentiert wird, erfüllt für Alma ebenfalls diesen Anspruch. Ihr „Riesenbaby“, das zwei mal drei und zehn mal acht Meter große Werk, hat sie zwar nach gut einjähriger intensiver Schaffenszeit nur mit Wehmut abgegeben. Umso mehr freut sich Meral Alma darüber, dass ihr Werk im Bahnhof von Karlsruhe mittlerweile für die Passanten zu einem Foto-Hotspot geworden ist. Immer wieder erhält sie Selfies und Standfotos mit ihrem Werk im Hintergrund. Eine öffentliche Eröffnungsfeier für das opulente Werk soll übrigens höchstwahrscheinlich in diesem Jahr nachgeholt werden, da sie bei der Übergabe wegen der Pandemie noch ausfallen musste.

 Diese Vespa hat Meral Alma auf Wunsch eines Sammlers ihrer Kunst sogar wetterfest bemalt.
Diese Vespa hat Meral Alma auf Wunsch eines Sammlers ihrer Kunst sogar wetterfest bemalt. Foto: M.A./M-A.
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Die Kunst mobil machte die junge Malerin bereits vor einigen Jahren, als sie ein Auto bemalte. Nun kurvt der Besitzer der von ihr gestalteten Vespa stolz durch die Stadt. Der Roller-Besitzer, der auch Sammler ihrer Bilder ist, hatte sich die Bemalung gewünscht. Und Alma gab sich große Mühe für das dreidimensionale Kunstwerk. Sie bemalte das Gefährt wie eine Leinwand, musste zuvor aber den Lack noch vorbearbeiten, bevor sie Acryl- und Ölfarben auftragen konnte. Damit die Vespa auch bei Regen benutzt werden kann, versiegelte sie zum Schluss noch ihr mobiles Kunstwerk.

Ein weiterer Alltagsgegenstand war ein Hocker, dessen Sitzpolster Meral Alma mit einem „kleinen König“ bemalte. Er war Teil eines Unicef-Projektes. Regelmäßig engagiert sich die Künstlerin auch für Sozialprojekte, insbesondere für Kinder. Ihren „kleinen König“ versteht Alma als ein Synonym für die Seele des Kindes, „voller Hoffnung, Liebe und ausgestattet mit einem unerschütterlichen Glauben an das Gute“, sagt sie. Zugleich sei der Hocker als „ein Platz für jedes Kind“ gedacht. Und als besonderer Clou leuchtet er in der Dunkelheit. Sie hat, wie bei ihrem Riesengemälde, durch eine spezielle Pigmentierung Leuchteffekte bei Dunkelheit erzielt.

 Für das Kinderhilfswerk Unicef hat Meral Alma diesen Hocker mit einem kleinen König bemalt.
Für das Kinderhilfswerk Unicef hat Meral Alma diesen Hocker mit einem kleinen König bemalt. Foto: Atelier Alma

Mit zunehmender Öffnung bei weiterem Abflauen der Pandemie wird Meral Alma natürlich auch wieder zu Ausstellungen in ihr Düsseldorfer Atelier einladen können. Ihr ist für  dieses Jahr auch bereits eine Preisverleihung für den August avisiert worden. Sie dürfe zwar die Details noch nicht verraten, aber der Preis sei nicht für eine einzige, spezielle Arbeit gedacht. Sie sagt: „In ein paar Wochen ist es spruchreif.“

 Durch eine spezielle Pigmentierung leuchtet der Unicef-Hocker auch im Dunklen.
Durch eine spezielle Pigmentierung leuchtet der Unicef-Hocker auch im Dunklen. Foto: Atelier Alma

Nicht nur für das Bemalen von „Alltagsgegenständen“, auch für weitere großformatige Gemälde hat Meral Alma die Zeit nach dem spektakulären Transport ihres „Riesenbabys“ seit November vergangenen Jahres genutzt. Sie experimentiert aktuell mit verschiedenen Materialien und Bildebenen, auch im Großformat. Und sie kündigt bereits die Fortsetzung „Zirkus des Lebens, Akt V“ an. Seit 2017 arbeitet sie an diesem Werke-Zyklus.

Und sozusagen als Fazit der Zeit im Lockdown denkt sie aktuell über Kunstwerke im öffentlichen Raum nach. Übrigens haben sich ihre Themen und Inspirationen durch Corona nicht verändert. Sie bezog vor Corona auch ihre künstlerischen Impressionen aus vielen Fernreisen. Doch Meral Alma hat während der Pandemie festgestellt: „Um Inspiration für meine Themen zu sammeln, reicht es mir oft auch, in Düsseldorf in die Bahn zu steigen. Ich muss dafür nicht unbedingt bis ans Ende der Welt.“