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Jüchen: Die FWG feiert die Stadtwerdung Jüchens, weil sie als Erste schon 2006 den Antrag im Rat stellte-

Gerolf Hommel, Fraktionschef der FWG : „Wir wollten als Erste die Stadt Jüchen“

FWG-Fraktionsvorsitzender Gerolf Hommel schwimmt politisch gerne gegen den Strom. Deshalb unterstützt er jetzt auch die Bürgerinitiative gegen die L354n über die Holzer Straße. Auf RWE hat er sich besonders „eingeschossen“.

Er schwimmt gerne gegen den Strom und kämpft auch dann noch weiter, wenn andere aufgeben. Gemeint ist Gerolf Hommel, Vorsitzender der FWG-Ratsfraktion, 59 Jahre alt, Polizeibeamter in der Kreisleitstelle, Familienvater, Großvater und Vollblut-Kommunalpolitiker. Hommel mag es zu widersprechen. Dafür riskiert er es durchaus auch, von seinem „Lieblingsgegner“, dem RWE-Konzern, abrupt abgefertigt zu werden.

 FWG-Fraktionsvorsitzender Gerolf Hommel aus Jüchen
FWG-Fraktionsvorsitzender Gerolf Hommel aus Jüchen Foto: Gundhild Tillmanns

Doch wie verträgt sich der streitbare Geist mit seinem Polizeidienst, wo es ums Gehorchen geht? „Ich bin dafür bekannt, das ich auch bei der Polizei den Mund aufmache. Aber ich habe auch kein Problem damit, das zu tun, was der Vorgesetzte sagt“, räumt Gerolf Hommel ein und verrät: „Es war schon mein Kindheitstraum, zur Polizei zu gehen.“

Sein zweiter, ehrenamtlicher „Beruf“ ist die Kommunalpolitik, der er seit Jahrzehnten fast seine ganze Freizeit widmet. Zunächst arbeitete er in der ÖWG mit, die sich später auflöste. Nach Auseinandersetzungen mit dieser Gruppierung gründete er mit weiteren Ehemaligen aus der ÖWG im Jahr 2003 die FWG, die heute etwa 50 Mitglieder zählt und acht Fraktionsmitglieder stellt. „Und es geht aufwärts, wir bekommen jetzt zwei Neue dazu, einer ist sogar erst 18 Jahre jung“, freut sich Hommel über den Nachwuchs.

Bekannt ist die FWG und insbesondere ihr Fraktionsvorsitzender dafür, dass sie den allgemeinen „Kuschelkurs“, wie es in den Ausschüssen und im Rat oftmals anmuten mag, nicht mitmachen. Dabei ist Hommel nicht einfach dagegen, um dagegen zu sein: Er begründet seine Widersprüche oft so dezidiert und mit aufwendiger, eigener Recherche belegt, dass er trotz gegenteiliger Meinung manchmal auch ein Lob vom politischen Gegner erhält. Apropos Gegner: Mit dem CDU-Fraktionsvorsitzenden Norbert Esser habe er eigentlich einen guten Kontakt und pflege, zumeist außerhalb der Sitzungen (etwa bei Raucherpausen vor der Türe), einen guten Austausch, verrät Hommel.

Nicht aufzugeben, auch wenn sich politisch nicht mehr viel machen lässt, das sei seine Devise, sagt er und belegt dies mit dem konkreten Beispiel der L 354n, die jetzt gegen das Votum von FWG Linken und SÖWA gemäß des mehrheitlichen Ratsbeschlusses weiter geplant wird. „Wir unterstützen die Bürgerinitiative aus der Holzer Straße gegen die L 354n“, sagt Hommel. Die Stoßrichtung sei jetzt, diejenigen Grundstücksbesitzer, vor allem die Landwirte, zu mobilisieren, die von der Linienführung betroffen wären und Land abgeben müssten. Wie berichtet, hat diese Bürgerinitiative bereits 700 Unterschriften gesammelt und in Hochneukirch Flugblätter verteilt. Sie wehrt sich gegen die zu erwartende Verkehrszunahme in der Holzer Straße, die mit einer Verkehrsberuhigung (Umleitung) von Hackhausen und Hochneukirch/Hochstraße auf der anderen Seite verbunden wäre.

Doch manchmal gibt es für „einsame Kämpfer“ wie Gerolf Hommel im Rat auch nach längerer Zeit doch noch einen Triumph. „Wir waren 2006 die Ersten, die den Antrag gestellt haben, dass Jüchen Stadt werden soll. Damals sind wir belächelt worden. Heute sind fast alle dafür.“ Für ihn und die FWG sei die Stadtwerdung ab 2019 für Jüchen auch ein politischer Erfolg und Ansporn weiter zu machen – auch auf dem unbequemen Kurs.

Und dazu gehört auch Hommels konsequente Einstellung gegenüber dem Kreis: „Von uns aus sollte man nicht nur den Rhein-Kreis Neuss, sondern gleich alle Kreise abschaffen“, sagt er. Die Städte könnten alle bisherigen Aufgaben des Kreises auch in ihre Eigenregie übernehmen, spitzt Hommel zu und sagt: „Wir müssen vor Ort entscheiden können, weil wir hier viel besser wissen, was wir brauchen.“

Auf einsamem Posten fühlen sich Hommel und „seine FWG“ auch in ihrer nicht nachlassenden Kritik am Energie-Riesen RWE. So manch einen durchaus auch ironischen Seitenhieb hat er schon in den politischen Sitzungen für seine „Rundumschläge“ in Richtung RWE „kassiert“. Doch Hommel wird nicht müde, vom Energiekonzern weitaus mehr an „finanzieller Wiedergutmachung“ anzumahnen, als es seiner Wahrnehmung nach die anderen Ratsfraktionen täten. Er vergleicht immer gerne Jüchen mit dem benachbarten Korschenbroich: „Uns hat RWE ein Drittel unseres Gemeindegebietes abgenommen. Wir leiden unter dem Dreck und dem Lärm durch den Kohletagebau, während sich Korschenbroich ungehindert entwickeln konnte“, sagt Hommel, der an abgelehnte Eingaben der FWG erinnert, RWE als Ausgleich für die Belastung Jüchens finanziell für den Bau eines Schwimmsport- oder Schulzentrums mit heranzuziehen.