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Jüchen: Die A44n wird am 29. August von Ministerpräsident Armin Laschet und NRW-Verkehrsminister Hendrik Wüst eröffnet

Auf der neuen Autobahn bei Jüchen : Eine „Geisterfahrt“ über die A44n

Vor der festlichen Eröffnung der A44n mit Ministerpräsident Armin Laschet und NRW-Verkehrsminister Hendrik Wüst machte die NGZ mit Straßen.NRW-Projektleiter Klaus Dahmen eine spannende Probefahrt.

Eigentlich sind Geisterfahrten aus gutem Grunde auf Autobahnen streng verboten, weil sie für alle Verkehrsteilnehmer brandgefährlich sind. Eine völlig legale und ungefährliche, aber trotzdem spannende „Geisterfahrt“ konnte jetzt aber die NGZ über die noch nicht freigegebene A44n mit Projektleiter Klaus Dahmen von Straßen.NRW unternehmen. Für den 57-Jährigen sind die zurückliegenden sieben Jahre, die an den etwa zehn Kilometern Autobahnstrecke zwischen Jüchen und Jackerath gebaut worden sind, die dritte Autobahnprojektleitung gewesen. Etwa 125 Millionen Euro sind für die A44n hauptsächlich durch RWE investiert worden, da der Energiekonzern die durch den Tagebau weggebaggerte Autobahnstrecke wiederherstellen musste. Dafür wird mit dem „Weiterwandern“ des Tagebaus nach der Eröffnung der A44n ein Teilstück der A61 stillgelegt und bald auch den Baggern zum Opfer fallen.

Für Dahmen ist klar: „So große Autobahnprojekte wird es im Umkreis von 50 Kilometern in absehbarer Zeit nicht mehr geben“, begründet er den „großen Bahnhof“, mit dem die A44n am 29. August offiziell eröffnet wird. Das symbolische rote Band werden an diesem Tag NRW-Ministerpräsident Armin Laschet und -Verkehrsminister Hendrik Wüst gemeinsam mit Vertretern von RWE und Straßen.NRW durchschneiden. Die eigentliche Freigabe wird laut Dahmen aber erst voraussichtlich in der Nacht auf den 2. September erfolgen, damit der Verkehr über die A44n am Montag nach den Sommerferien anrollen kann. Gemeinsam mit der Polizei werden die Straßen.NRW-Fahrzeuge dann in der Nacht sozusagen die letzte „Geisterfahrt“ über die erhofft noch leere Autobahn unternehmen, bevor die Sperrbaken endgültig abgeräumt werden. Denn Dahmen weiß aus Erfahrung: „Es können sich immer wieder mal irgendwelche Leute auf die Autobahn verirren.“ Damit meint er auch einige Rentner, die in den vergangenen sieben Jahren mal mit, mal ohne Fahrrad den Bauarbeitern auf der Autobahn so manch einen Besuch abgestattet und auch gefragt und ungefragt bautechnische Ratschläge gegeben hatten: „Die Rentner waren unsere Baupolizei“, scherzt Dahmen.

Und es gibt auch bei der „Geisterfahrt“ mit der NGZ noch Menschen auf der ansonsten leeren Autobahn, wo jetzt noch die allerletzten Schilder aufgestellt und mit dem Bagger die Asphaltablaufkanten weggefräst werden müssen. Von Ferne auf einer Kuppe suggerieren Lichtspiegelungen wie bei einer Fata Morgana sogar eine Wasseransammlung. Und tatsächlich läuft dort hinten weit ein Bauarbeiter über die Autobahn.

Die besondere Lage der A44n, die zumindest jetzt noch unmittelbar am Tagebauloch vorbeiführt, kann allerdings auch zur Ablenkung der Autofahrer führen. „Vor allem nachts, wenn die Absetzer beleuchtet sind, gibt es hier etwas zu sehen“, weiß Dahmen. Was allerdings im Vorbeifahren nicht mehr auffallen dürfte, ist das große Kohleförderband, das unter einer der Brücken der neuen Autobahn noch herläuft. Ein Halt bei der „Geisterfahrt“ gibt den Blick frei auf die Kohle. Doch die Landschaft beidseits der neuen Autobahn wird sich in den kommenden Jahren verändern: Östlich wird das Restloch zu einem riesigen See, westlich anstelle des Tagebaus wird mehr und mehr Land verfüllt, wo jetzt schon die ersten Luzernefelder zu sehen sind.

Auch Wildtiere haben jetzt bereits ihr Zuhause in relativer Autobahnnähe, weshalb entlang der gesamten Strecke ein Schutzzaun gespannt wurde, der an einer Stelle den Wilddurchlass ermöglicht. Noch spärlich bepflanzt, soll in den nächsten Jahren so etwas wie ein Wäldchen am Wilddurchlass entstanden sein.

So neu und unbenutzt die Autobahn noch ist, so hat sie doch schon an den Brücken, aber auch auf Wegweisern illegale Betätigungsfelder für Graffiti-Schmierereien geboten. Dahmen musste deshalb sogar schon völlig neue Schilder wieder austauschen lassen.

Eine Besonderheit gibt es auch bei den Brücken der A44n, nämlich ein Bauwerk ohne den stützenden Mittelpfeiler: Diese Brücke, die über den aufgeschüttetem Damm vom Tagebau aus über die Autobahn gezogen worden ist, wurde beidseitig mit hydraulischen Futterplatten versehen, um mögliche Bewegungen oder Setzungen in dem Bauwerk „abfedern“ zu können. Neuartig sind auch die weißen Fahrbahnmarkierungen mit einem Noppenprofil, in das winzigkleine Glasperlen eingelassen sind, damit die Markierungen bei Dunkelheit reflektieren und gut zu erkennen sind.

Da die gesamte Autobahn auf angeschüttetem, ehemaligen Tagebauland entstanden ist, ergibt sich zwar im Fahrbahnquerschnitt ein leichtes Gefälle. Deshalb wurde aber ein besonders breiter Mittelstreifen ausgebaut, in den das abfließende Wasser versickern soll, wie Dahmen erläutert. Am Ende der neuen A44 ist von einer Brücke bei Jackerath schon die Absperrung der A61 zu sehen, die still gelegt wird, sobald der Verkehr über die A44n rollt und bis dahin auch das Autobahnkreuz Wanlo endgültig mit Bundesmitteln ausgebaut ist.