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Jüchen: Das Nikolauskloster lud in diesem Jahr wieder zu dem mittelalterlichen Brauch des Marientragens ein

Nikolauskloster : Viele Herbergen für die schwangere Maria

Die Marienfigur war beim sogenannten Marientragen in 20 Familien, in der Heilig-Geist-Kapelle in Aldenhoven und in einer Schule in Mönchengladbach zu Gast. An Heiligabend kehrt sie ins Nikolauskloster zurück.

Die Rückkehr einer ganz besonderen Figur wird in der Hauptmesse am heutigen Heiligabend im Nikolauskloster gefeiert: Gemeint ist die schwangere Maria, dargestellt in einer Holzfigur, die in Peru geschnitzt worden ist. Der alte Brauch des Marientragens ist 2016 zum ersten Mal vom Nikolauskloster aufgegriffen worden und wird nun alljährlich wiederholt. In der gesamten Adventszeit hatten nach einem festlichen Aussendungsgottesdienst vorwiegend Familie die Gelegenheit, die schwangere Maria für eine Weile bei sich zu Hause zu beherbergen. Aber auch Institutionen, wie vor zwei Jahren die Jüchener Feuerwehr und in diesem Jahr eine Schule für behinderte Kinder in Mönchengladbach, beteiligten sich am Marientragen.

Der Brauch soll seinen Ursprung in der Barockzeit im alpenländischen Raum gehabt haben. Das Marientragen symbolisiert die in den Evangelien geschilderte Herbergssuche von Maria und Josef vor der Geburt Jesu, die in Bethlehem vergebens um eine Unterkunft nachgefragt hatten. Ein Begleitheft aus dem Nikolauskloster soll dabei helfen, mit den Kindern zusammen als Familie zu beten. „Vielleicht ist es auch ein Anlass, sich mit Freunden und Nachbarn zu treffen, aus der Bibel zu lesen, zu beten oder Adventslieder zu singen. So wird deutlich: Gott kann durch uns einen Platz in der Welt, in unserer Familie, in unserem Leben bekommen“, hatte Pater Felix den Sinn und Zweck formuliert.

Die Figur der schwangeren Maria aus dem Nikolauskloster wurde in Peru geschnitzt. Foto: Nikolauskloster

 Sein Nachfolger Pater Andreas Petith hat den Brauch gerne fortgesetzt, und die Beteiligung sei sehr gut gewesen, bilanziert der neue Klosterleiter. 20 Privatleute, eine Schule und der Förderverein der Heilig-Geist-Kapelle Aldenhoven hatten sich diesmal beteiligt. Pater Petith hatte das Marientragen auch in seiner vorherigen Kirchengemeinde in Österreich miterlebt, wo die Marienfigur allerdings eher in einer Prozession durch die Dörfer getragen werde. Auch sei die Zeit für das Marientragen in Österreich nur auf eine Woche beschränkt. „Wir beziehen die schwangere Maria aber in unseren Alltag ein“, erläutert der Theologe den wesentlichen Unterschied. Ganz individuell gestalteten die Familien ihre Adventsabende mit der Marienfigur. So habe er in einer Familie erlebt, dass der Schwerpunkt der Gebete und Fürbitten den besonderen Krankheitserfahrungen im zurückliegenden Jahr gegolten habe.

Einen Ehrenplatz für die namensgleiche Maria hatte auch Maria Hermes aus Aldenhoven als „Gastgeberin“ fürs Marientragen in ihrer Wohnung ausgesucht. Sie ist auch Vorstandsmitglied im Förderverein der Heilig-Geist-Kapelle in Aldenhoven. Eine besondere Freude war es für Maria Hermes, ihrem zweijährigen Enkelsohn Fritz die Bedeutung der Marienfigur zu erklären. Vor der „Übernachtung“ bei Maria Hermes wurde die schwangere Maria aber zu einer Feier in der Kapelle gebracht. Erika Jansen und Maria Hermes hatten für diesen Anlass die Kapelle mitsamt der Fenster gereinigt und eine wunderschöne Weihnachtsdekoration aufgebaut. Dies war der erste Besuch der schwangeren Maria in der Aldenhovener Kapelle, die von den etwa 40 Mitgliedern des Fördervereins instand gehalten wird. Am nächsten Morgen brachte Maria Hermes die Figur dann in die Schule in Mönchengladbach, wo die schwangere Maria im Mittelpunkt eines weihnachtlichen Gottesdienstes stand.

Auch die Feuerwehr Jüchen würde sich künftig gerne wieder am Marientragen beteiligen, wie Feuerwehrchef Heinz-Dieter Abels betont. Bis vor zwei Jahren war die Feuerwehr mit dabei und hatte sich mit ihren Löschzügen abgewechselt. In diesem Jahr habe man leider nicht rechtzeitig erfahren, dass die Maria wieder vom Nikolauskloster ausgesendet wurde, bedauert Abels, der sich aber fürs nächste Jahr eine Beteiligung beispielsweise der Löschzüge Hochneukirch und Kelzenberg vorstellen könnte. Vor zwei Jahren war die Maria sogar in der Feuerwehr-Drehleiter vor staunenden Kinderaugen zu ihrer nächsten Herberge gefahren worden.

Wenn die schwangere Maria am heutigen Heiligabend ins Nikolauskloster zurückkehrt, dann wird in der Klosterkirche auch wieder die besonders große Weihnachtskrippe aufgebaut sein. Sie steht in diesem Jahr nicht unter einem besonderen Thema. Pater Andreas erklärt: „Der Fokus liegt auf der Botschaft von Weihnachten: Gott wird Mensch, damit wir mehr und mehr zu Menschen werden, getragen durch die Botschaft Jesu. Jesus wird durch uns lebendig, wenn wir die Liebe, Gerechtigkeit, Friede und Barmherzigkeit in uns tragen und weitergeben.“ Mit dem Einschalten der Krippenbeleuchtung und der Segnung werde Heiligabend die Krippe zur Anbetung und Besichtigung freigegeben.