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Jüchen: Auf der Führungsebene im Rathaus sind Frauen in der Minderheit

Stadtverwaltung Jüchen : Auf der Führungsebene im Rathaus sind Frauen in der Minderheit

Den Gleichstellungsplan haben die Jüchener Gleichstellungsbeauftragte Ursula Schmitz und Andrea Schiffer vorgelegt. Handlungsbedarf besteht danach etwa auf der Führungsebene: Von elf Amtsleitern sind nur zwei Frauen.

Wer in der Stadtverwaltung Führungsverantwortung trägt, der ist in den meisten Fällen ein Mann. Von elf Amtsleitern etwa sind nur zwei Frauen, auf Dezernentne-Ebene sind es immerhin eine von drei, bei Sachgebietsleitern zwei von fünf. Diese Zahlen gehen aus der Fortschreibung des Gleichstellungsplans hervor, den Ursula Schmitz und Andrea Schiffer als Gleichstellungsbeauftragte dem Hauptausschuss vorlegen, der am 21. Januar tagt. Insgesamt stellen die Frauen in städtischen Diensten mit 66 Prozent fast die Zwei-Drittel-Mehrheit, bei den Beamten sind 23 von 45 Frauen.

Was die Gleichstellung angehe, bestehe im Bereich der Beschäftigten mit Führungsverantwortung „Handlungsbedarf. Da hat sich wenig geändert“, sagt Ursula Schmitz. Ziel von Gleichstellung sei es, Strukturen so zu verändern, „dass in allen Bereichen und Berufen die Geschlechter in gleicher Zahl vertreten sind.“ Bei den Beamten ist das auf den ersten Blick erreicht, im gehobenen Dienst etwa sind Frauen mit 13 zu 12 ganz knapp in der Mehrheit.

Doch beim Blick auf einzelne Besoldungsgruppen fällt auf, dass zwei Drittel der Männer in den beiden oberen der fünf Gruppen, dagegen fast zwei Drittel der Frauen in den beiden unteren im gehobenen Dienst eingruppiert sind. „Frauen sind bei Bewerbungen zurückhaltender als Männer“, sagt Schmitz. „Wenn ein Mann denkt, dass er 80 Prozent des Profils für eine Stelle erfüllt, dann bewirbt er sich. Viele Frauen aber denken, ,20 Prozent erfülle ich nicht’, und senden dann oft keine Bewerbung ab“, sagt Schmitz.

„Nach der Pandemie möchten wir wie bereits in der Vergangenheit ein Selbstbehauptungstraining anbieten“, um zu vermitteln, wie man selbstbewusster auftrete, sich besser durchsetze. „Ich würde mir auch wünschen, dass Frauen mehr auf Führungspositionen vorbereitet werden, etwa durch erfahrene Mitarbeiter, die bald in den Ruhestand gehen.“ Auch dafür sei ein Seminar denkbar.

Ursula Schmitz stellt fest, „dass ein Teil der Frauen auch heute berufliche Wünsche zugunsten der Familie zurückstellt, damit auf berufliches Fortkommen verzichtet“. Sie könne „jeden nur ermutigen, sich zu qualifizieren“. Die 51-Jährige ist selbst nach einer Aufstiegsqualifizierung im Gehobenen Dienst.

Einige der Instrumente, um Gleichstellung zu erreichen: In Bereichen, in denen Frauen unterrepräsentiert sind, werden mindestens ebenso so viele weibliche wie männliche – oder alle Bewerberinnen – zum Bewerbungsgespräch eingeladen, wenn sie die gleiche geforderte Qualifikation und Eignung haben. Auswahlkommissionen sollen zur Häfte mit Frauen besetzt werden. Zudem sollen alle Stellen, wenn möglich, auch in Teilzeit mit Möglichkeit zum Jobsharing ausgeschrieben werden.

Zurzeit befindet sich auch im Rathaus ein Teil der Bediensteten wegen der Pandemie im Homeoffice. „Es hat sich herausstellt, dass das in vielen Bereichen möglich ist, dass die Bürger keine Nachteile haben“, sagt Schmitz. Homeoffice könne zudem Mitarbeitern ermöglichen, Vollzeit-Beruf und Familie zu vereinbaren. Übrigens sind in einem Beruf Männer eine Seltenheit. 101 Erzieherinnen bei der Stadt stehen nur vier Erziehern gegenüber, für diesem Bereich seien Männer nach wie vor schwer zu gewinnen.