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Jüchen: 1300 Hemden und Blusen als Trost für Oldtimerfans

„Ersatz“ für die Classic Days : 1300 Hemden und Blusen für Oldtimerfans

Verein Classic Days verschenkte die Kleidungsstücke am Sonntag als Ersatz für die in diesem Jahr coronabedingt gestrichene Traditionsveranstaltung an Schloss Dyck.

Auf dem Miscanthusfeld schräg gegenüber dem Parkplatz von Schloss Dyck gab es Sonntag etwas gratis: Der Verein Classic Days verschenkte Hemden und Blusen, die sonst die Teilnehmer des Oldtimer-Spektakels bekommen hätten, das ja Corona-bedingt in diesem Jahr hatte ausfallen müssen. Rund 1.300 Kleidungsstücke standen zur Verfügung. Die kleinen Herrengrößen waren schon nach gut einer Stunde vergriffen.

Das riesige Micanthusfeld wurde zum Drive-In. Längst nicht jeder Wagen, der vorfuhr, war ein Oldtimer. Aber es gab schon ungewöhnliche alte Schätzchen zu sehen. Marcus Herfurth vom Verein Classic Days drückte es so aus: „Hier war alles, vom Fiat bis hin zum Ferrari.“ Mit der Resonanz war er sehr zufrieden. Mehr als 600 Autos hielten neben einem Lkw an, nannten die gewünschten Konfektionsgrößen und wurden bedient. Links neben ihnen stand ein grauer Behälter, der auch als Wahlurne getaugt hätte: Es ging hier aber nicht um Stimmzettel, sondern um Geldspenden.

Gegenüber der NGZ vermied es Marcus Herfurth, Zahlen zu nennen. Er sagte nur so viel: „Wir sind ein gemeinnütziger Verein und haben laufende Kosten, zum Beispiel durch eine Lagerhalle. Darüber hinaus beschäftigen wir zwei Mitarbeiter, müssen pünktlich die Gehälter zahlen.“ Anfang Mai habe festgestanden, dass die Classic Days ausfallen würden. Worüber sich Marcus Herfurth und seine Mitstreiter sehr gefreut haben: „Die Hilfsbereitschaft war groß, uns ist sogar Schokolade ins Büro gebracht worden.“ Konkret wurde der Verein auch durch eine Aktion unterstützt, wie es sie in Fußballstadien gibt: Während in den Stadien Fotos von Dauerkarten-Inhabern aufgestellt wurden, standen jetzt 250 Fotos von Oldtimern im freien Feld – pro Foto flossen 25 Euro in die Clubkasse.

Gestern wurden weitere Fotos gemacht. Dietmar Schönfelder gehörte zu denen, die jetzt für drei Stunden Hemden an den Mann beziehungsweise die Frau brachten. Benedikt Franke aus Rosellerheide fuhr mit seinem 61 Jahre alten VW Käfer vor. Mit an Bord: Frau und Kind. Er war zu spät, um ein Hemd in passender Größe zu ergattern. „Ich hab’ gehört, hier ist was los“, sagte der stolze Besitzer des alten Volkswagens. Tatsächlich wollten die Oldtimerfans mal wieder unter Gleichgesinnten sein, sie kamen nicht vorrangig, weil sie dringend ein frisches Hemd brauchten.

Dass in diesem Jahr so gut wie nichts lief in Bezug auf Oldtimertreffen, machte Benedikt Franke an einer Zahl fest: „Ich bin in diesem Jahr bis jetzt nur rund 200 Kilometer gefahren.“ Die Classic Days, die in der Vergangenheit stets für 40.000 bis 50.000 Besucher sorgten, sind ja ausgefallen. Und das Bedürfnis, sich mit Gleichgesinnten auszutauschen, war offenbar groß. Nachdem sie sich ihr Hemd abgeholt hatten, fuhren viele Oldtimerfreunde noch auf den Schlossparkplatz, um das ein oder andere Benzingespräch zu führen.