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Jochen Roelen hat über 400 Kürbissorten in Gubberath

Bald wird in Jüchen-Gubberath geerntet : Landwirt experimentiert mit Kürbissen

Jochen Roelen baut auf seinem Acker in Gubberath rund 400 Kürbissorten an. Er experimentiert mit neuen Varianten und kennt so die neusten Trends – denn auch zum Verzehr eignet sich der Kürbis auf verschiedenste Weise.

Schnaps, Marmelade und Reibekuchen: Der Kürbis ist wegen seiner verschiedenen Geschmacksrichtungen vielseitig einsetzbar — das weiß auch Jochen Roelen. Rund 400 Sorten baut er auf seinen Feldern in Gubberath an, neben Spargel und Blumen. In drei Wochen wandern sie wieder vom Acker in den Kochtopf.

 Die ersten Kürbisse stehen bei Landwirt Jochen Roelen schon auf dem Acker in Gubberath. 
Die ersten Kürbisse stehen bei Landwirt Jochen Roelen schon auf dem Acker in Gubberath.  Foto: Gundhild Tillmanns

Drei Gattungen mögen seine Kunden am liebsten: Speisekürbisse, Zierkürbisse und „die typischen Halloween-Kürbisse“, sagt Roelen. Doch weil die Frucht sowohl herzhaft als auch süß zu genießen ist, sind die Speisekürbisse auch am meisten gefragt: „Die kaufen die Kunden schon relativ früh, legen sie vor die Tür und wenn sie einen essen wollen, holen sie ihn rein“, sagt Roelen. So sind sie gleichzeitig Dekoration und Nahrungsmittel – „eine echte Mehrfachverwertung“, sagt Jochen Roelen.

Kein Wunder also, dass sich Roelen auch zunehmend auf den Anbau der essbaren Variante spezialisiert – auf vier Hektar Acker wächst die größte Beerenfrucht auch bei dem aktuellen trockenen und heißen Wetter. „Die Pflanzen tragen gute Früchte, allerdings nur wenige“, sagt Roelen. Statt der üblichen 20 , seien es im Moment nur zehn bis elf Früchte pro Pflanze. Im Normalfall hole sich der Kürbis selbstständig das Wasser, derzeit sei das aber schwierig. „Ich kann sie auch nicht nass machen, denn da platscht es dann schon ziemlich auf die Pflanzen nieder.“ Und die seien gerade in der Vollblüte, zu viel Wasser auf einmal würde die Blüten zerstören. „Aktuell sieht es aber nicht so aus, als ob die Pflanzen durch die Trockenheit kaputt gehen“, sagt Roelen.

Neben dem normalen Anbau experimentiert Roelen seit mehr als 20 Jahren auf einem Probefeld gemeinsam mit einem Züchter. Die Blüten bestäubt er dabei mit der Hand und bindet die Blüte mit einem Gummi zu, damit Bienen sie nicht mehr bestäuben. Zuletzt habe er eine chinesische Sorte getestet. Aus 40 Kernen, sei nur eine Pflanze entstanden. „Das braucht man dann als Züchter gar nicht weiterzuverfolgen.“

Vor allem werde aber mit der Größe experimentiert. Kürbisse von 100 Gramm bis 100 Kilo Gewicht stehen auf dem Feld – aus letzteren könne man zum Beispiel ein Paddelboot bauen. „Für mich ist das Experimentieren besonders interessant, da ich als Erster das Ergebnis sehe“, sagt Roelen. So kenne er immer ein bis zwei Jahre vor den anderen Bauern neue Trends.

Ab dem 15. August will Bauer Roelen mit dem Verkauf der Kürbisse starten, dann könne er den vollen Geschmack trotz mangelndem Regen garantieren. „Am Stiel erkennt man, ob die Frucht reif ist“, sagt Roelen. Dann sei er verkorkt, die Nährstoffzufuhr von Pflanze zur Frucht sei unterbrochen. Sind die Kürbisse reif, werden sie alle mit der Hand geerntet, gewaschen, sortiert und verpackt. „Jeder Kürbis wird sieben Mal angefasst, bevor er verkauft wird“, sagt Roelen.

Verzehren könne man den Speisekürbis letztlich in unzähligen Varianten: Von Bier über Eis bis hin zur Suppe sei alles möglich. „Der Kürbis bietet viele verschiedene Geschmacksrichtungen“, sagt Roelen. Weltweit gehöre der Kürbis zum meist verzehrtesten Gemüse. „Nur wir Deutschen hängen hinterher.“