Jüchen: In Jüchen werden die Hausärzte knapp

Jüchen: In Jüchen werden die Hausärzte knapp

NRW-Gesundheitsminister Laumann diskutierte mit örtlichen Politikern über den Medizinermangel.

"Diskutiert, diskutiert, und nichts ist passiert" - NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann fand klare Worte für die Kritik an den Verantwortlichen für die Ausbildung von Medizinern. Er sprach jetzt im Haus Katz mit Bürgermeister Harald Zillikens, Finanzminister Lutz Lienenkämper und zahlreichen Mitgliedern des CDU-Gemeindeverbandes um den Vorsitzenden Sebastian Heckhausen über den Landarztmangel.

"Die Gemeinde Jüchen hat mit ihren rund 23.000 Einwohnern zwölf Hausarztpraxen mit 14 Medizinern, von denen die meisten bereits über 50 Jahre alt sind", sagte Heckhausen. "Da wird es künftig ein Problem geben, denn immer häufiger fehlt ein Nachfolger, wenn ein Arzt in Ruhestand geht." Karl-Josef Laumann, der sich schon während seiner ersten Amtszeit vor zehn Jahren mit dem Ärztemangel befasst hatte, stelle dann sogleich die - seiner Meinung nach hochpolitische - Kernfrage: "Wie gestaltet sich in Zukunft unsere hausärztliche Versorgung?" Das Gesundheitssystem werde immer spezialisierter, aber die Menschen bräuchten einen Allgemeinmediziner vor Ort, "als Lotse durch das Gesundheitssystem", stellte der Gesundheitsminister fest.

Um dem Mangel entgegenzuwirken, fordert er die sechs Universitätskliniken in NRW auf, sich neben Lehre und Forschung verstärkt um die Versorgung der Menschen zu kümmern. Zudem will das Land 200 bis 300 neue Medizinstudienplätze schaffen und in Bielefeld eine neue Fakultät einrichten, die 2021 starten und die auch Studierende, die mangels Studienplatz ins Ausland ausweichen, zum Hauptstudium nach Ostwestfalen locken soll.

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"Knapp zehn Prozent der jährlich 2000 in Nordrhein-Westfalen ausgebildeten Ärzte sind bereit, Allgemeinmediziner zu werden." Als erstes Bundesland will NRW noch in diesem Jahr die sogenannte Landarztquote beschließen. Laumann: "Zehn Prozent der Studienplätze sollen an die Bereitschaft geknüpft werden, nach dem Abschluss in ländlichen Regionen zu arbeiten. Wir müssen die studieren lassen, die sich den Beruf des Landarztes auch vorstellen können."

Jede medizinische Fakultät solle deshalb eine Professur für Allgemeinmedizin errichten. "Es ist fünf nach zwölf", sagte Laumann. Nun sollen kurzfristig Lösungen her. Deshalb soll es Ärzten, die im Krankenhaus arbeiten, erleichtert werden, ihre letzten zehn Berufsjahre als Allgemeinmediziner zu arbeiten - finanzielle Anreize inklusive.

(vest)