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Jüchen: Im Bienenjahr hat's nicht gebrummt

Jüchen : Im Bienenjahr hat's nicht gebrummt

Das wechselhafte Wetter diesen Sommer macht den Jüchener Imkern zu schaffen. Denn an den kühlen Tagen legen die Bienenköniginnen keine Eier, die Bienenvölker werden kleiner. Ein Volk produziert im Jahr bis zu fünf Kilogramm weniger Honig als gewohnt.

Bei den Honigbienen ticken die Uhren anders als bei uns Menschen. "Die Bienen feiern jetzt Neujahr", sagt Georg Dicken, Vorsitzender des Imkervereins Hochneukirch-Jüchen. In den vergangenen Monaten sind sie durch Jüchen geschwirrt und haben fleißig Nektar gesammelt, zogen ihren Nachwuchs auf und hielten ihren Stock sauber. Doch die Bilanz für das abgelaufene Bienenjahr fällt nicht allzu gut aus: "Bei so einem Wetter wie in diesem Sommer verhungern die Bienen fast", sagt Dicken.

Die Kältewelle im Frühsommer habe dazu geführt, dass die Bienen in Jüchen wenig Nektar gefunden hätten. Auch auf die Brut wirkt sich das wechselhafte Wetter dieses Sommers aus: "Normalerweise legt eine Bienenkönigin bis zu 1000 Eier pro Tag", erklärt der 56-Jährige. "Aber wenn es kälter als etwa 18 Grad ist, stellt sie die Eierproduktion für ein paar Tage ein." Das heißt, die Bienenvölker werden kleiner, weniger Bienen müssen mehr arbeiten für ihre Gemeinschaft — das kostet sie mehr Energie und macht sich bei der Honigernte bemerkbar.

Vor einem Monat haben die 25 Jüchener Imker den Honig geschleudert, einige von ihnen halten zwei Bienenvölker, andere 40. Ein Bienenvolk besteht im Sommer in der Regel aus 60 000 bis 80 000 Insekten. "Ein Bienenvolk trägt etwa 25 Kilogramm Honig ein", sagt Georg Dicken. Doch in diesem Sommer hätten die Tiere einen größeren Teil des gesammelten Nektars für sich selbst als Nahrung gebraucht als sonst, "deshalb ist der Ertrag pro Bienenstock um etwa fünf Kilogramm geringer". Bis zu drei Kilometer groß sei der Radius, in dem eine Biene auf Nahrungssuche gehe, sagt Dicken. "Es gibt in Jüchen Ecken, die sehr gut für sie sind", erzählt er — etwa den Wildwuchs an Autobahnböschungen oder Bahnübergängen.

Wenig Nektar fänden die Bienen in der Regel dort, wo das Grundwasser wegen des Tagebaus abgesenkt sei, ergänzt der Hochneukircher, der seit 30 Jahren Bienen hält. Dicken zählt zu den jüngeren Mitgliedern des Imkervereins, viele sind im Rentenalter, der Senior ist über 80 Jahre alt. "Für Jugendliche ist das eben oft ein zu teures Hobby", sagt der Hochneukircher. Schließlich brauche ein Imker einen Anzug, Helm und Rauchgebläse. Oft seien 13- bis 15-Jährige an der Imkerei interessiert, verlören aber schnell das Interesse.

"Es ist schon seit 100 Jahren so, dass die Altersstruktur in unserem Verein sehr hoch ist", sagt Dicken. Die Mitgliederzahl des einzigen Imkervereins in Jüchen geht "immer mal wieder rauf und runter", sagt er. Es ist aber nicht etwa so, dass alle Imker in der Nähe einer Autobahnböschung ihre Bienenstöcke aufgestellt haben: "Wir verteilen uns über das ganze Gemeindegebiet", erzählt Dicken. "Dadurch ist in Jüchen gewährleistet, dass die Bienen flächendeckend Nutzpflanzen bestäuben."

(naf)