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Großer Ansturm auf das Rhönradturnen in Jüchen

Rhönrad-Fieber bei der SG Gierath in Jüchen : Sogar Wartelisten fürs Rhönradturnen

Das Rhönradturnen bei der SG Gierath konnte nach der Pandemie-Pause wieder aufgenommen werden. Es gibt dort sogar Wartelisten für die ausgesprochen beliebte Turnart, für die man übrigens nicht schwindelfrei sein muss.

Das Rhönrad, auf dem die Sportler übrigens nicht fahren, sondern turnen, hat ein verstaubtes Negativimage: Es gilt bis heute als eine typische Nazi-Sportart, weil gerade das Rhönradturnen in der NS-Zeit zu Propagandazwecken missbraucht wurde: Das wissen Monika Weiler und Susanne Völker, die zum Rhönrad-Trainer-Team bei der SG Gierath gehören. Doch sie entgegnen: „Das Rhönradturnen ist aber modern und ungeheuer beliebt. Wir haben sogar eine Warteliste“, berichtet Weiler. Gerade jetzt nach der pandemiebedingten Zwangspause strömten die Interessenten wieder regelrecht in die Rhönrad-Abteilung. Auch sei das Rhönradturnen mittlerweile zu einem Sport der Völker geworden, der sich von Deutschland aus bis nach Japan und in die USA verbreitet habe, fügt Susanne Völker hinzu: „Mit dem Negativimage aus den NS-Zeiten hat das heute nichts mehr zu tun.“

Bei der SG Gierath kommen jetzt wieder durchschnittlich 50, fast nur Sportlerinnen, in die Dreifachsporthalle. Während des Lockdowns konnte gar nicht oder nur begrenzt auf der Tartanbahn des benachbarten Sportplatzes trainiert werden. An vier Terminen pro Woche holen die zehn Helfer und das sechsköpfige Trainerteam im Wechsel jetzt wieder die vereinseigenen Rhönräder aus dem Geräteraum. Denn die Räder sind bei einem durchschnittlichen Anschaffungspreis von 1400 Euro nicht nur teuer, sie müssen auch mit Transportfahrzeugen vom Verein zu den Wettkämpfen gebracht werden. „Keine unserer Turnerinnen hat ein eigenes Rhönrad. Deshalb haben wir in Gierath 21 und noch mal in Jüchen in der Halle elf Rhönräder zur Verfügung“, berichtet Monika Weiler, die auch gleich mit einem Vorurteil aufräumt: „Man muss nicht schwindelfrei sein. Es gibt sogar Turner, denen es beim Autofahren schlecht wird, nicht aber im Rhönrad“, beobachtet die Trainerin.

 Rönrad-Trainerin Susanne Völker bei einer athletischen Sprungfigur.
Rönrad-Trainerin Susanne Völker bei einer athletischen Sprungfigur. Foto: Gundhild Tillmanns
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Sie selbst sei beim ersten Versuch begeistert gewesen: „Nach meiner ersten Rolle im Rhönrad war ich fasziniert und wusste, diese Sportart ist mein Ding“, erinnert sich Weiler an ihre Anfänge vor 40 Jahren. Auch sei das Rhönradturnen nicht nur ein Sport für die ganz Jungen, fügt Susanne Völker hinzu. Bei der SG Gierath trainierten vorwiegend Kinder und Jugendliche, aber es habe auch schon 50- und 60-jährige Wettkampfteilnehmerinnen gegeben.

 Für Drehungen im Rhönrad muss man nicht einmal schwindelfrei sein.
Für Drehungen im Rhönrad muss man nicht einmal schwindelfrei sein. Foto: Gundhild Tillmanns

Neben dem Training „nur aus Spaß an der Freud’“ gehören in der Rhönradabteilung der SG Gierath auch das Wettkampf- und Schauturnen bei Veranstaltungen zum Programm. Alles dies stand bis zum Ausbruch der Corona-Pandemie auf dem Jahresplan und soll nun langsam und vorsichtig wieder aufgenommen werden. „Unsere Turner sind besonders vorsichtig, sie tragen auf eigenen Wunsch sogar beim Hallentraining ihre Mund-Nasen-Masken“, lobt Vöker. Wann die Wettkämpfe wieder aufgenommen werden können, stehe noch nicht fest: „Wir hoffen alle, dass es bald wieder möglich wird. Aber zunächst müssen ja auch die Trainingsrückstände aufgeholt werden“, geben die Trainerinnen zu bedenken.

 Zum Rhönrad-Training gehört manchmal auch das Schaukeln.
Zum Rhönrad-Training gehört manchmal auch das Schaukeln. Foto: Gundhild Tillmanns

Und dann sind da die ganz besonderen Ereignisse im Rhönrad-Schauturnen, auf die sich die Akrobatinnen bei der SG Gierath wieder ganz besonders freuen. Denn beispielsweise zur Sportlerehrung in Jüchen haben die Rhönradturner immer ein ganz besonders anspruchsvolles Programm aufgeführt, zu dem eine eigene Choreographie ebenso gehört wie schillernde Show-Kostüme. „Solche Shows sind bei uns immer ein großes Gemeinschaftsprojekt, und die Zuschauer staunen bei solchen Auftritten immer, was der Mensch mit dem Rhönrad alles machen kann“, erzählt Susanne Völker. Zur Hoffnung auf die Rückkehr in die Normalität gehören laut Monika Weiler auch wieder die Rhönrad-Kooperationen mit den weiterführenden Schulen in Jüchen und der Grevenbroicher Mosaik-Schule für Lernbehinderte.