1. NRW
  2. Städte
  3. Jüchen

Jüchen: Geschichtsbuch zum Schützenjubiläum

Jüchen : Geschichtsbuch zum Schützenjubiläum

Mit 480 historischen Bilddokumenten ist dem Bürgerschützenverein Bedburdyck-Stessen ein Werk zur 150-Jahr-Feier gelungen, das viel mehr als eine Festschrift ist. Es ist ein Geschichtsbuch mit Bedeutung für die regionale Entwicklung.

Mit einer landläufig bekannten Vereinschronik hat das Werk über die 150-jährige Geschichte des Bürgerschützenvereins (BSV) Bedburdyck-Stessen nicht viel gemein. Denn die 280 reich bebilderten Seiten, die unter Regie von Richard Sachse entstanden sind, dokumentieren weit mehr als nur die Vereinsgeschichte. Sie spiegeln die Entwicklung des Dorflebens exemplarisch für den gesellschaftliche Wandel, der auch vor dem Schützenwesen nicht Halt gemacht hat. Das Geschichtsbuch, an dem maßgeblich auch Dr. Franz-Josef Kox und Michael Vieten mitgearbeitet haben, ist ab sofort im Verkauf bei einer zunächst begrenzten Auflage von 500 Stück zu haben.

In dem Werk stecken etwa 2500 Arbeitstunden über ein ganzes Jahr verteilt, rechnet Sachse vor. Seine Mühe hat sich gelohnt, vor allem auch die vielen alten, noch in Sütterlinschrift verfassten Protokollbücher des Vereins zu entziffern. Sachse, der auch dabei ist, das Vereinsarchiv zu ordnen, konnte mit seinen Mitstreitern zudem bei der Fotoauswahl aus dem Vollen schöpfen: 2700 Bilder, die bis ins Jahr 1909 zurückreichen, wurden gesichtet und davon 480 ausgewählt.

Beim Schützenfest im Jahr 1927 schritten König Wilhelm Robertz und Königin Sofie Frengel die Front auf der Grevenbroicher Straße ab. Foto: Vereinschronik

Dabei gelang es den Chronisten in mühseliger Recherchearbeit auch, den Großteil der Namen der Abgebildeten herauszufinden. Mehr als nur eine Vereinschronik ist das Werk auch wegen seiner Fotos, die nichts mit dem Schützenwesen zu tun haben: Da ist beispielsweise die Aufnahme der Dorf-Hebamme Frau Rath. "Sie muss ungezählten Kindern in Bedburdyck und Stessen auf die Welt geholfen haben", sagt Sachse, der auch bewusst das Foto der Tankstelle Klüppel mit ins Buch aufgenommen hat: "Wer weiß heute schon noch, dass es in Bedburdyck mal eine Tankstelle gegeben hat?", fragt er sich.

1910 Frontabnahme mit Schützenkönig Krapohl auf dem Dorfplatz. Foto: Vereinschronik

Richard Sachse hat übrigens eine besondere persönliche Beziehung zum BSV Bedburdyck-Stessen: Dort hat er seine Ehefrau kennengelernt. Und neben den Feierlichkeiten bei den Schützen wird sich der ehemalige Leiter des Seniorenheims Maria Frieden nun im Ruhestand auch weiterhin des Vereinsarchivs annehmen. Denn in einem Raum in der alten Schule lagern alleine 14 Ordner voller Dokumete über den Verein. Und längst sind nicht alle Fragen geklärt: "Wir wissen zum Beispiel bis heute nicht, warum es vor 150 Jahren zur Abtrennung zwischen der St. Sebastianus-Schützenbruderschaft durch den Bürgerschützenverein in Bedburdyck kam", gibt Sachse zu.

Besonder stolz ist Sachse, der für das Buch auch die Hilfe des Gemeindearchivs in Zons in Anspruch nahm, auf eine Karte aus dem Jahr 1867, die das damalige Dycker Ländchen zeigt und damit auch die Einbettung von Bedburdyck verdeutlicht. Die Angaben auf dieser Karte sind übrigens in französischer Sprache, eben in der Landessprache der damaligen, napoleonischen Herrschaft auch über die "Section du Chateau Dyck" und die "Section des Bedbourdyck", so die Schreibweise, verfasst.

Das Buch "150 Jahre Bürgerschützenverein Bedburdyck-Stessen" ist ab sofort für zehn Euro bei den Vorstandsmitgliedern und in der Bäckerei Lenders in Bedburdyck zu haben.

(NGZ)