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Jüchen: Gemeinde will Flüchtlinge integrieren

Jüchen : Gemeinde will Flüchtlinge integrieren

Jüchen erwartet 20 neue Flüchtlinge. Im Fokus der Gemeinde und der ehrenamtlichen Helfer steht eine gute Integration der Asylsuchenden. Ein junger Flüchtling aus Syrien berichtet, wie er mit Hilfe in Jüchen schon Fuß gefasst hat.

Die große Flüchtlingswelle, bei der Jüchen spontan 150 Asylsuchende aufnehmen musste, ist zwar abgeebbt. Aber nach und nach kommen jetzt weitere neue Flüchtlinge ins Land. Die Gemeinde Jüchen hat deshalb der Bezirksregierung eine Zielvereinbarung über die Aufnahme von 20 neuen Flüchtlingen nach dem Aufenthaltsgesetz mit der neuen Wohnsitzregelung abgeschlossen. Dabei soll es sich um Flüchtlinge handeln, die anerkannt sind und eine Staatsangehörigkeit mit hoher Schutzquote, wie beispielsweise Syrien oder Irak, besitzen. Gegenüber der Bezirksregierung hat die Gemeinde Jüchen außerdem den Wunsch geäußert, vor allem Familien oder Eheleute aufnehmen zu wollen. Ob diesem Wunsch entsprochen wird, zeigt sich allerdings erst, wenn die neuen Flüchtlinge in Jüchen eintreffen. Genügend Raum für deren Aufnahme gibt es noch in der neuen Flüchtlingsunterkunft, die die Gemeinde an der Jülicher Straße hatte bauen lassen.

Aktuell leben in Jüchen 349 Flüchtlinge, 230 Männer und 119 Frauen. Davon wohnen 162 Personen zur Zeit in den gemeindeeigenen Unterkünften. 54 Asylsuchende konnten eine durch die Gemeinde Jüchen angemietete Wohnung beziehen. Und weitere Asylanten konnten selbst Mietverträge abschließen.

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Einer von ihnen ist der Syrer Ahmad (der vollständige Name ist der Redaktion bekannt). Der 24-Jährige ist seit zwei Jahren in Deutschland und hat sich, auch mit Hilfe des Asylkreises Hochneukirch, vergleichsweise sehr gut integriert. Generell steht für die Gemeinde Jüchen jetzt ohnehin der langwierige Integrationsprozess für die in Jüchen lebenden Flüchtlinge im Fokus, wobei Ehrenamtler, wie etwa in Hochneukirch oder Kelzenberg, eine tragende Säule neben der Integrationsstelle der Gemeinde darstellen. Er hat alles daran gesetzt, schnell und gut Deutsch zu lernen und versteht nach eigenen Angaben, andere Flüchtlinge nicht, die selbst nach Jahren in Deutschland noch nicht oder kaum die Sprache beherrschen. Er wirbt aber auch um Verständnis: "Es ist etwas anderes, wenn man, wie ich in Syrien Abitur gemacht und schon begonnen hat zu studieren, als jemand, der zu Hause nur vier Jahre Schule hinter sich hat und die lateinische Schrift nicht beherrscht." Die beste Schule, Deutsch zu lernen, sei das Gespräch, weiß Ahmad, der aber auch zugibt: "Ich würde gerne mehr Menschen in meinem Alter kennenlernen, aber das ist in Jüchen sehr schwer."

Es mag auch daran liegen, dass der 24-Jährige durch den Krieg in Syrien, seine Verhaftungen, bei denen er der Folter ausgesetzt worden sein soll, sowie durch die Flucht selbst Erlebnisse und Erfahrungen hinter sich hat, die Gleichaltrige in Deutschland nur aus den Medien kennen. Zurückhaltend bleibt Ahmad in der Darstellung seiner Qualen, auch spricht er nicht über seine Sorgen. Sie wissen, dass er um die Familienmitglieder fürchtet, die noch in Syrien leben. Denn selbst im Zwischen-Exil in Jordanien, wo er sich vor seiner Flucht nach Deutschland mit er Mutter zunächst hingerettet hatte, habe er miterleben können, dass Freunde vom syrischen Geheimdienst aufgespürt und verschleppt worden seien. Für seine Flucht über die Türkei, Griechenland, Serbien, Slowenien und Österreich nach Deutschland habe er alleine drei Versuche hinter sich gebracht, mit einem kleinen Schlauchboot voller Menschen das Meer zu überqueren. Dort und in Auffanglagern mit teilweise katastrophalen Zuständen habe er viel Leid miterlebt, das ihn aber auch nachhaltig geprägt habe: "Ich habe vorher Jura studiert, jetzt möchte ich soziale Arbeit oder Sozialwissenschaften studieren. Denn ich habe selbst viel Hilfe bekommen, davon möchte ich jetzt auch etwas zurückgeben", sagt der junge Flüchtling, der sich aktuell in einem Deutschkursus der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf auf seine Zukunft vorbereitet. Denn nach Ablauf des Kurses kann er sich fürs Studium einschreiben.

(NGZ)