Für Bedburdyck wird ein neuer Bebauungsplan aufgestellt

Planungsausschuss in Jüchen : Bedburdycker wollen keine Bebauung

Eine 2,2 Hektar große Wiese in Bedburdyck soll Siedlungsfläche werden. Im Regionalplan wurde die Fläche nicht berücksichtigt. Die Anwohner haben Bedenken. Dennoch beschließt die Politik die Aufstellung eines Bebauungsplanes.

So viele Besucher wurden nicht für den Planungsausschuss erwartet – zumindest ließ das der Mangel an Stühlen im Sitzungssaal der Rathauses vermuten. 18 Beburdycker drängten sich letztlich in der Sitzreihe für Bewohner. Und alle hatten ein Anliegen: Die Politik davon zu überzeugen, den Bebauungsplan für ihren Stadtteil abzulehnen. Das gelang nicht – ein Zeichen setzten sie dennoch.

Mit leichtem Erstaunen blickte der Vorsitzende des Planungsausschusses Helmut Kreutz zu Beginn der Sitzung auf die vielen Besucher. In Anbetracht des regen Interesses änderte er gar die Tagesordnung und zog die Entscheidung über die „Aufstellung des Bebauungsplanes Nr. 073“ nach vorne. Zuvor konnten die Einwohner noch Fragen an die Verwaltung richten.

Stellvertetend für die Anwohner in Gierath äußerte Guido Wolf seine Bedenken: Noch seien keine Gutachten eingeholt worden, dennoch werde jetzt schon eine Bebauung im beschleunigten Verfahren angestrebt. Es fehle ein Konzept für die Verkehrsanbindung, die Wasserversorgung und das Kanalsystem. Zudem fragt Wolf, ob es nicht andere und besser geeignete Flächen gebe.

Bürgermeister Harald Zillikens antwortete: Bessere Flächen gebe es nicht. Zudem seien in dem Verfahren noch keinerlei planerische Schritte getätigt und daher auch kein Gutachten erstellt worden. „Wir müssen irgendwie in das Verfahren einsteigen“, sagte der Bürgermeister. Daher werde in der Sitzung  über ein Aufstellungsbeschluss abgestimmt. Mit den Belangen der Bürger werde sich noch ausgiebig befasst. Jetzt müsse jedoch die planrechtliche Voraussetzung für eine Wohnbebauung geschaffen werden. Er versicherte: Erst wenn das Kanalsystem ertüchtigt wurde, könne die Bebauung erfolgen. Auch erklärte er, dass sogar das „beschleunigte Verfahren“ etwa vier Jahre dauere.

Der von Zillikens beschriebene „einheitliche politische Wille“ die Fläche für einen kommunalen Bedarf aufzugreifen, bekam in der Sitzung allerdings einen kleinen Einbruch. Gerolf Hommel, Fraktionsvorsitzender der FWG, erklärte: „Wir werden die Vorlage nicht mittragen“, der neue Bau werde die bereits vorhandenen Probleme nur verschlimmern und wichtige Natur zerstören. „Das ist keine ‚grüne Lunge’, das ist eine nackte Wiese“, erwiderte Gerd Kuska (CDU). Als „Vorwahlkampf“ bezeichnete Konrad Thelen (FDP) die Kehrtwende der FWG, die die Maßnahmen zuletzt noch befürwortet hatte. Seine Meinung könne man ändern, wenn es berechtigte Anliegen der Bürger gebe, entgegnete Hommel, der schließlich auch als Einziger gegen den Vorschlag stimmte. „Wir müssen die Chance wahren, deswegen stimmen wir zu“, informierte Wilfried Dietrich von den Grünen. Die SPD wolle „den Einstieg in das Verfahren“ befürworten, weitere Dinge gelte es später zu entscheiden, sagte Reiner Lange. „Fakt ist, wir wissen noch nichts genaues und werden alle Dinge prüfen“, erklärte Norbert Esser (CDU).

Inwiefern sich Bauvorhaben in der weiteren Planung noch verändern, zeigte sich später in der Sitzung – allerdings nachdem bereits elf Besucher den Saal verlassen hatten. „Es gibt reelle Möglichkeiten auf Veränderung“, sagte Konrad Thelen mit Blick in die Zuschauerreihe. Der unter TOP 7 beschlossene Bebauungsplan für Gierath habe seit 2016 einen Wandel erlebt und sei jetzt „lockerer“ als früher. Das habe die Berücksichtigung der Anliegen von Bürgern bewirkt – und ähnliches sei auch für den Bebauungsplan in Bedburdyck möglich.